The Cost of Knowledge: Eindrücke von der OASPA Conference und den Open-Access-Tagen 2026
Das Thema der Open Access Week 2026 ist „The Cost of Knowledge“. In der Tat ist das Thema „Kosten“ sehr präsent und wird in vielen Kontexten diskutiert. Zum einen ist da der Zwang zu Einsparungen, der nicht nur deutsche Einrichtungen trifft. Zum anderen aber auch ein erhöhter Kostendruck, zum Beispiel durch steigende APCs. Daneben stellt sich für viele die Frage, wie Diamond Open Access nachhaltig finanziert werden kann.
ImageEine Idee zur Finanzierung von Diamond OA, die im Rahmen einer der Poster Sessions auf der OASPA Conference in Zagreb vorgestellt wurde, stammt aus Norwegen: Die Arctic University of Norway (UiT) nutzt Mittel, die aus dem Nichtzustandekommen eines Vertrags mit Wiley und Ersparnissen aus einem Vertrag mit Elsevier resultieren – insgesamt circa 400.000 Euro – zur Förderung ihres Diamond-Programms.
Die Eröffnungskeynote auf den Open-Access-Tagen in Linz, Österreich, beleuchtete ökonomische Implikationen von Open Science unter dem Titel Offen, aber um welchen Preis? Die Politische Ökonomie von Open Science. Auch bei diesem Vortrag waren Kosten ein zentrales Thema. Allerdings weniger die konkreten Kosten für Forschung, Literaturerwerb usw., sondern die Feststellung, dass die kapitalistische Profitlogik zunehmend auf das Hochschulsystem ausgeweitet wird. Als Beispiele dieser zunehmenden Ökonomisierung wurden unter anderem der nationale Wettbewerb zwischen den Hochschulen und kompetitive Drittmittelvergabe genannt. Auch die Oligopolstellung einiger großer profitorientierter Verlage, ihre hohen Gewinnmargen und die damit einhergehenden steigenden Kosten wurden thematisiert.
Auf den beiden Konferenzen wurden aber auch viele andere Themen diskutiert, von denen ich einige, bei Weitem nicht alle, ansprechen möchte:
Die diesjährige OASPA Conference fand in Zagreb, Kroatien, statt. Folgerichtig wurde die Konferenz mit Einblicken in die kroatische Open-Access-Landschaft eröffnet. Es wurde hervorgehoben, dass Diamond Open Access das in Kroatien vorherrschende Publikationsmodell ist, das sich in einer diversen Landschaft kleiner, institutionell getragener und oft multilingualer Zeitschriften ausdrückt.
Vom Wert des offenen Wissens für die Gesellschaft, KI und Forschungsbewertung
In einer anderen der Sessions der OASPA Conference wurde diskutiert, inwieweit offenes Wissen einen Beitrag zur Gesellschaft leistet. Hat die lokale Bevölkerung etwas von der Forschung, die in ihrer Region durchgeführt wird? Gibt es überhaupt die Übersetzungsleitung, Wissenschaft in die Politik oder andere Sphären der Gesellschaft einfließen zu lassen? Hierzu gab es durchaus unterschiedliche Meinungen.
Das Thema „künstliche Intelligenz“ spielte auf beiden Konferenzen eine große Rolle. So wurde in Zagreb zum Beispiel erörtert, ob Open Access in einer Welt der generativen KI noch eine Rolle spielt. In Linz war die Diskussion zum Thema KI mehr „hands on“ – das Team vom Open Gender Journal berichtet in einer Präsentation und auf einem Poster über seine Erfahrungen mit KI in der Redaktionsarbeit. Dabei kamen sowohl problematische Aspekte (KI-Nutzung durch Autor:innen unter Missachtung der KI-Policy des Journals) als auch positive Aspekte (KI-Tools zur Erleichterung arbeitsintensiver Prozesse) zur Sprache. Auf beiden Konferenzen wurden Forschungsarbeiten der ZBW zum Thema „AI in open-access scholarly publishing“ vorgestellt.
Besonders interaktiv wurde es auf der OASPA Conference in der „Interactive session: Coordinated Reform: linking „What Counts“ within Research Assessment to the Future of Open Publishing“ die zum Teil im Fish-Bowl-Format, zum Teil in Kleingruppendiskussionen durchgeführt wurde. Dass das Thema Forschungsbewertung nach wie vor ein zentraler Punkt in Diskussionen um die weitere Entwicklung des Forschungssystems und die wissenschaftliche Kommunikation ist, wurde ob dieses lebhaften Austausches mehr als deutlich. Ludo Waltman hat die Ergebnisse der Diskussionen in Form von Aufrufen, besonders an die anwesenden Verlage, zusammengefasst:
- Treten Sie der Aktionsgruppe „Beyond the Article“ bei.
- Entfernen Sie Impact-Faktoren von Ihren Websites und setzen Sie Ihre DORA-Verpflichtungen um.
- Sorgen Sie für Offenheit des Peer-Review-Verfahrens.
- Verbessern Sie die Qualität Ihrer Metadaten und stellen Sie diese offen zur Verfügung.
- Räumen Sie der Reform der Forschungsbewertung in Ihrer strategischen Agenda Priorität ein.
Weitere Themen, die vorgestellt bzw. diskutiert wurden, waren unter anderem rechtliche Aspekte von Journal-Titeln, alternative Publikationspraktiken wie zum Beispiel Präregistrierung und offene Infrastrukturen. Zu letzteren wurde noch einmal festgehalten, dass offen nie mit kostenlos gleichgesetzt werden sollte.
Auch wenn „Kosten“ bei fast allen Vorträgen und Diskussion explizit oder implizit thematisiert wurden, rückte das Thema zum Abschluss der OASPA Conference noch einmal zentral in den Fokus. Unter dem Thema Co-creating the next generation of OA agreements wurde der Auftakt für eine neue OASPA-Arbeitsgruppe diskutiert: Wie können die derzeit bestehenden, auf Transaktionen ausgereichten Vereinbarungen zur Finanzierung von Open Access in gemeinsam entwickelte Rahmenwerke umgewandelt werden?
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