Sensibles Filmerbe: Einblicke in historische Medizinwelten zum Welttag des audiovisuellen Erbes

Cover des Filmkatalogs für Medizin des IWF
Cover des Filmkatalogs für Medizin des IWF
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Der alljährlich von der UNESCO ausgerufene World Day for Audiovisual Heritage am 27. Oktober bietet diesmal Anlass, eine historische Medizinfilmsammlung vorzustellen, die zum Filmerbe der Göttinger IWFWissen und Medien gGmbH (vormals Institut für den Wissenschaftlichen Film – IWF) an der TIB gehört.

Mit ihren rund 1.200 Titeln zur Humanmedizin deckt sie über 100 Jahre Medizin- und Filmgeschichte ab. Erste Aufnahmen eines chirurgischen Eingriffs wurden bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstellt, die letzten Filme entstanden erst vor knapp 20 Jahren.

Inhaltlich verteilt sich die Sammlung über das gesamte Spektrum der Grundlagen wie Anatomie, Pathologie, Physiologie, Zytologie bis hin zu den klinischen Fächern wie Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie, Pädiatrie, Neurologie und Psychiatrie. Was die Medizinfilme so besonders macht: Sie geben authentische Einblicke in eine Welt, die sich normalerweise hinter verschlossenen Türen abspielt.

Klinische Krankheitssymptome werden in einer Vielzahl der Filme anhand echter Fallbeispiele demonstriert, Untersuchungen, Behandlungen und Operationen an realen Patient:innen gezeigt. Selbst in Notarztwagen, psychiatrische Kliniken und Obduktionssäle werden Einblicke gewährt. Für Medizinstudierende bieten solche Aufnahmen eine wertvolle Ergänzung ihrer praktischen Ausbildung. Zugleich eröffnen sie wichtige Perspektiven für die (medizin-)historische Forschung.

Verantwortungsvolle Bereitstellung des sensiblen Filmerbes

Metadaten und Abstracts der IWF-Medizinfilme können bereits vielfach über das TIB AV-Portal recherchiert werden – vgl. die spezifische Suche mit einschlägigen Filtern. Die Filme selbst werden sukzessive digitalisiert und bereitgestellt, soweit dies rechtlich möglich ist.

Hierzu gehören vor allem Titel ohne Personenaufnahmen (zum Beispiel Lymphgefäßmotorik von 1961) sowie sehr alte Titel, bei denen die Rechte der abgebildeten Personen bereits erloschen sind (zum Beispiel Tracheostoma von 1925). Durchaus bekannt und viel gesehen ist auch Der Muskelmann Wilhelm Emter aus Lörrach von 1925:

 

Eine Vielzahl der Digitalisate darf jedoch aus persönlichkeits- und datenschutzrechtlichen Gründen nicht ohne Weiteres über das TIB AV-Portal zugänglich gemacht werden. Patient:innen gehören zur Gruppe der sensiblen Personen und genießen daher einen besonderen Schutz.

Die hohe Authentizität der Filme stellt die TIB vor Herausforderungen: Einerseits soll der Fachwelt eine zeitgemäße digitale Filmnutzung ermöglicht werden, andererseits müssen die Rechte der gefilmten Personen gewahrt bleiben.

Logo des REMEDY-Projektes an der TIB
Logo des REMEDY-Projekts an der TIB

An dieser Stelle setzt das Projekt REMEDY an, das 2025 gestartet ist. Es schafft die Voraussetzungen, um die Medizinfilme künftig rechtskonform und verantwortungsvoll über das TIB AV-Portal bereitzustellen. Hierfür wird ein rechtliches Risikoabschätzungskonzept erarbeitet, ein Paket an technischen Schutzmaßnahmen geschnürt sowie ein eigenes Tool zur irreversiblen Anonymisierung entwickelt.

Dabei leistet REMEDY Grundlagenarbeit: Die Ergebnisse sollen nachnutzbar sein, damit auch andere sensible Filmsammlungen davon profitieren können (zum Beispiel Ethnologiefilme oder Unterrichtsfilme mit Kindern).

Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und läuft noch bis Mitte 2027. Es ist Teil der DFG-Pilotphase Digitalisierung und Bereitstellung (noch) rechtebewehrter Objekte, in der 13 Projekte vernetzt sind, die an ähnlichen Fragestellungen arbeiten.

Im TIB-Blog wird REMEDY weiter über Neuigkeiten berichten.

Frühere Beiträge im TIB-Blog zum Welttag des audiovisuellen Erbes:

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