Warum freie Software für Open-Access-Tools ein Muss ist: das Beispiel B!SON

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B!SON ist ein an der TIB entwickeltes Zeitschriftenempfehlungssystem, das Autor:innen geeignete Open-Access-Zeitschriften empfiehlt. B!SON wird als freie Software bereitgestellt. Auf diese Weise werden Transparenz und Nachhaltigkeit erhöht. Damit unterstreicht die TIB ihre Orientierung auf Offenheit und freie Software und unterstützt ein offenes Open-Access-Ökosystem.

Diese Unterstützung hat viele Facetten: Mitwirkung in Entwicklungs-Communities (zum Beispiel zu Open Journal Systems), Finanzierung (zum Beispiel im DSpace-Konsortium), Übersetzung von Dokumentation (zum Beispiel zur OJS-Dokumentation) oder durch Mitwirkung in Gremien.

Und wir entwickeln Open-Source-Werkzeuge von Grund auf. So wie B!SON – ein Beispiel, das zeigt, warum wir im Kontext einer fairen und nachhaltigen Open-Access-Transformation von freier Software überzeugt sind.

Wie hilft B!SON? Einfach, transparent, datenschutzkonform, verlagsunabhängig

In vielen Disziplinen müssen Forschende bei der Wahl einer Zeitschrift für die Publikation ihrer Forschungsergebnisse zahlreiche Faktoren berücksichtigen. B!SON bietet genau hier Unterstützung: Nutzende geben über ein einfaches Webinterface (in deutscher und englischer Sprache) Informationen zu ihrem Manuskript ein.

Auf dieser Basis generiert B!SON Empfehlungen für geeignete Open-Access-Zeitschriften. Dies geschieht auf datenschutzkonforme und transparente Weise mithilfe eines Machine-learning-Algorithmus, der das Manuskript auf Ähnlichkeiten zu bereits publizierten Artikeln untersucht. Für weitere Informationen zu den Verfahren und zur technischen Implementierung verweisen wir auf diese Publikation.

Die von B!SON ausgegebenen Empfehlungen sind verlagsunabhängig. Sprich: Zeitschriften werden rein aufgrund inhaltlicher Übereinstimmungen empfohlen. Es spielt keine Rolle, ob sie über einen institutionellen Publikationsservice herausgegeben werden oder in einem großen Verlag erscheinen. Somit werden auch jüngere und wissenschaftsgeleitete Zeitschriften sichtbar. Das unterscheidet B!SON von vielen kommerziellen Journal Recommendern, die oft nur Zeitschriften aus dem Portfolio des eigenen Verlags empfehlen.

Eine Gegenüberstellung verschiedener Journal Recommender in diesem Beitrag zeigt, dass verlagseigene Journal Recommender die Landschaft dominieren und Open Source die Ausnahme ist. Die TIB bekennt sich zur dauerhaften Bereitstellung und Wartung von B!SON.

B!SON ist freie Software, bereitgestellt von der TIB

Die TIB betreibt und pflegt B!SON und stellt den Code unter einer AGPL-Lizenz sowie eine offene API zur Nachnutzung, Weiterentwicklung und Einbindung bereit.

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Interessierte Einrichtungen und Personen haben vielfältige Möglichkeiten, die ihnen die freie Lizenz erlaubt.

Sie können die Software selbstständig einsetzen, ohne dafür zu zahlen. Sie können die Software analysieren, die Funktionsweise nachvollziehen und nach Fehlern suchen. Sie dürfen die Software auch anpassen, zum Beispiel um andere Datenquellen zu nutzen, andere Gewichtungen vorzunehmen oder eigene Gestaltungsideen umzusetzen. Und schließlich dürften sie die Software in ursprünglicher oder auch angepasster Form ihrerseits weitergeben oder Dienste darauf aufbauen.

Die freie Zugänglichkeit erhöht die Transparenz deutlich, was gerade bei einem Empfehlungssystem eine hohe Bedeutung hat. Alle können sich davon überzeugen, dass die Software tut, was wir behaupten. Sie trägt außerdem zur Nachhaltigkeit bei – das Empfehlungssystem kann auch in Zukunft eingesetzt werden, kostenlos und unter eigener Kontrolle. Erhaltene Fördergelder wurden optimal eingesetzt, indem sie in einem frei zugänglichen Ergebnis mündeten, das weder eine intransparente „Black box“ ist noch exklusiv nur einer Einrichtung zur Verfügung steht.

B!SON integriert offene Datenquellen

Um Empfehlungen zu generieren, braucht B!SON Vergleichsdaten – um relevante Zeitschriften aufzuspüren, in denen in der Vergangenheit bereits inhaltlich ähnliche Artikel veröffentlicht wurden. Diese Daten beziehen wir vom Directory of Open Access Journals (DOAJ) und OpenCitations. Beides sind community-getragene Initiativen, die ihre Datensätze unter offener Lizenz bereitstellen (DOAJ-Artikel- und Journalmetadaten und OpenCitations Meta) und nach den Principles of Open Scholarly Infrastructures arbeiten (DOAJ 2025, OpenCitations 2026). Wir stehen im engen Austausch mit den Betreiber:innen der Datenquellen und melden ihnen beispielsweise, wenn uns in der Arbeit mit B!SON Unstimmigkeiten in den Datensätzen auffallen.

Gemeinsam mit der Bibliotheks- und OA-Community entwickelt

B!SON ist aus einem Drittmittelprojekt entstanden, in dessen Verlauf wir Vertreter:innen von wissenschaftlichen Einrichtungen, insbesondere Bibliotheken, um Feedback gebeten haben. Das hat uns dabei geholfen, das Tool zu verbessern.

Eine häufige Rückmeldung war, dass Einrichtungen B!SON an ihre lokalen Gegebenheiten anpassen möchten, indem zum Beispiel für empfohlene Zeitschriften Hinweise zu den Finanzierungsmöglichkeiten vor Ort angezeigt werden. Aus diesem Wunsch ist der B!SON-Dienst entstanden, der es Einrichtungen ermöglicht, B!SON gezielt auf ihre Bedingungen zugeschnitten in der Publikationsberatung einzusetzen. Mehr als 20 Einrichtungen nutzen den B!SON-Dienst bereits.

Es mag wie eine Selbstverständlichkeit klingen: Tools, die mit dem Ziel entwickelt werden, Open Access zu stärken, sollten freie Software sein. So wie B!SON. Hier geht es zum Tool und hier zum Code. Rückmeldungen sind willkommen: bison@tib.eu

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