Der Nacken protestiert weiter. 16. Juli
Nach den gestrigen Erkundungen tut mein Nacken heute noch mehr weh. Deshalb habe ich mich entschieden, im Hotel zu bleiben und nur zu schreiben. Ich wollte zumindest eine Wegbeschreibung ausführlich in meinem Tagebuch beschreiben. Dafür brauchte ich sowieso mehr Zeit. Außerdem versuche ich, so viele Braille-Notizen wie möglich vorzubereiten, damit ich den Wegbeschreibungen später leichter folgen kann.
Heute hatten wir außerdem geplant, mit Kai Friedrichshain zu besuchen. Auf der Website von Berlin für Blinde wollte ich auch einige Objekte in der Umgebung finden. Diese Website gefällt mir immer besser. Dort konnte ich zum Beispiel eine Audiodeskription der Skulptur “Heiliger Georg und der Drache” lesen. Die große Skulptur befindet sich an der Promenade Am Spreeufer im Nikolaiviertel.
Noch interessanter fand ich allerdings die Wegbeschreibung zum Verein Handiclapped in Friedrichshain. Der Verein befindet sich in einer alten Feuerwache. Auf der Website steht, dass die Organisation satzungsgemäß Kultur und Kunst sowie die Unterstützung von Menschen mit Behinderung fördert. Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass ich diesen Ort auch ganz einfach mit meiner U-Bahn erreichen kann.
Später rief Kai jedoch an und sagte unser Treffen wegen gesundheitlicher Probleme ab. Deshalb werde ich Friedrichshain erst später besuchen, wenn es meinem Nacken wieder besser geht. Was für ein schmerzhafter Tag! Irgendwie scheint dieser Tag für jeden von uns mit seinen eigenen Herausforderungen begonnen zu haben. Ich, Mindaugas und Kai kämpfen gerade alle mit unterschiedlichen Beschwerden und Hindernissen. Eigentlich fühlt sich Mindaugas in dieser Zeit ohnehin nicht besonders stabil... Von zu Hause habe ich ebenso leider nur eine wärmende Creme mitgenommen. Andere Mittel gegen Nacken- oder Rückenschmerzen habe ich gar nicht dabei. Trotzdem gehe ich heute zur Yogastunde. Vielleicht helfen mir das Dehnen und die leichte Bewegung, mich wieder etwas wohler zu fühlen.
Deshalb machten wir uns zusammen mit Mindaugas und unseren Hunden bereits gegen halb vier vom Hotel aus auf den Weg. Wir mussten einmal in die S-Bahn umsteigen, aber den Weg kannte ich schon von meiner Erkundung in der vergangenen Woche. Deshalb fühlte ich mich diesmal ganz sicher. Als wir am Bahnhof Grunewald ankamen, stellten wir allerdings fest, dass der Aufzug leider immer noch nicht funktionierte. Mindaugas musste deshalb bis zur nächsten Station weiterfahren, während ich allein zur Yogastunde ging. Den Bahnhof zu verlassen war einfach. Nur der Weg vom Ausgang bis zum Zebrastreifen war wieder voller Busse, Baustellen und Menschen. Eine Frau half mir durch diese Hindernisse. Alles Weitere fand ich dann schon wieder selbstständig.
In der Yogastunde fühlte ich mich heute auch viel wohler. Dieses Gefühl der Fremdheit war verschwunden und ich konnte den Moment wieder genießen. Manchmal ist mir das Yoga-Vokabular noch etwas fremd, aber langsam lerne ich immer mehr dazu.
Noch etwas Schönes: Nach dem Yoga wurden wir zu einem privaten Abendessen eingeladen. Ulf, der Mann meiner Freundin, wollte für uns zu Hause kochen. Deshalb lasse ich meine heutige Eindrücke nur kurz beschrieben und freue mich stattdessen auf das Essen. Es wird übrigens keine typisch deutsche Küche geben, sondern Pasta mit Soße. Die FleischBuletten werden allerdings auf deutsche Art zubereitet. Ich werde sie natürlich nicht probieren, denn ich bin Vegetarierin.
Ein ruhiger Sommerabend, eine stille Straße in Lichtenberg, nette Gesellschaft und hausgemachtes Essen – das klingt wirklich nach einer wohlverdienten Erholung.