Katze aus dem Haus: 13.–14. Juli

Mein Lieblingskollege und treuer Leser Kai, der mich beim Schreiben unterstützt, gibt mir auch immer schöne sprachliche Beispiele und interessante Anmerkungen. Zum Beispiel erzählte er mir, dass man hier in Deutschland die Situation, wenn der Chef nicht im Büro ist, vergleicht mit der Beziehung zwischen Katze und Mäusen: “Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.” Oder jedenfalls etwas Ähnliches. Ich fragte mich, wie wir das in Litauen ausdrücken. Ich selbst konnte mich an kein entsprechendes Sprichwort erinnern und musste deshalb ein bisschen recherchieren. Ich habe den Eindruck, dass wir auch irgendwelche Metaphern mit Katzen und Mäusen haben – vielleicht haben wir sie sogar aus dem Deutschen übernommen. Es gibt aber auch andere ähnliche Vergleiche, zum Beispiel mit Vater und Kindern – etwas in der Art wie „Der Vater ist aus dem Haus und die Kinder sind ohne Aufsicht.“ (Das ist allerdings nur eine ungefähre Erinnerung.) Und dann habe ich noch dieses Sprichwort gefunden: “Vyras miršta – žmona sijoną trumpina.” Auf Deutsch bedeutet das: “Der Mann stirbt – die Frau macht den Rock kürzer.” Als Metapher passt das heutzutage allerdings kaum noch. Dieses Thema hat mich schon während meines Studiums sehr interessiert. Ich glaube, dass man viel über eine Nation lernen kann, wenn man ihre Sprichwörter betrachtet.

Für meine Praktikumsreflexionen ist dieses Thema übrigens auch relevant, weil ich mit dem Schreiben tatsächlich in Verzug geraten bin, sobald meine Chefin Urlaub hatte! Diese Verspätung war eher unbewusst und wurde auch durch verschiedene technische Schwierigkeiten verursacht – aber trotzdem! Jetzt muss ich aus der zukünftigen Perspektive über meine Urlaubswoche berichten. Eigentlich war das für mich persönlich gar kein Urlaub. Ich musste trotzdem viel lernen und arbeiten. Aber ohne feste Bürozeiten war diese Arbeit etwas freier und gleichzeitig auch weniger organisiert.

Zunächst bin ich am Montag mit Nackenschmerzen aufgewacht. Ich habe dieses Problem regelmäßig, allerdings eher im Herbst. Dann muss ich diese Entzündung meistens mit bestimmten Medikamenten behandeln – B-Vitamine und Schmerzmittel. In Deutschland habe ich diese Medikamente jedoch nicht dabei, aber die Schmerzen sind noch nicht so stark, dass sie unkontrollierbar wären. Deshalb habe ich beschlossen, ein paar Tage etwas ruhiger zu verbringen und meine wärmende Creme zu benutzen. Vielleicht reicht das schon.

Am Montag sind wir mit Mindaugas ins Büro gekommen. Zuerst wollten wir mit einer Kollegin, Irine, ein Hundetreffen organisieren. Unsere Jungen wurden ihrer Hündin Kalumbina vorgestellt. Der Name ist allerdings ziemlich kompliziert und ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn richtig schreibe. Aber diese Hündin ist sehr nett und elegant. Sie ist schon etwas älter – elf Jahre – und den Menschen gegenüber etwas vorsichtiger. Offenbar hat sie in ihrer Kindheit schlechte Erfahrungen gemacht. Da das Theaterhaus ziemlich leer war, beschlossen wir, den Hof für dieses Treffen zu nutzen. Die Hunde fühlten sich miteinander ganz wohl und gleichzeitig konnten Mindaugas und ich dort eine gute Internetverbindung nutzen. Das ist schon Luxus in Deutschland! Unser Hotel bietet leider ein sehr instabiles Internet an, deshalb benutzen wir hier sehr viele mobile Daten. Mal sehen, ob die Rechnung später nicht verrückt teuer wird. Meinen Computer und meine Apps aktualisiere ich deshalb möglichst nur im Büro, damit ich etwas weniger mobile Daten verbrauche.

Gleichzeitig hatte ich mir für diese beiden Tage vorgenommen, meine technischen Probleme mit der Videobearbeitung zu lösen. Mit der Audiobearbeitung komme ich inzwischen ganz gut zurecht, aber ich wollte endlich auch lernen, mit meinem Laptop brauchbare Videos zu schneiden. Hier gab es zwei Möglichkeiten: Entweder sollte ich iMovie endlich richtig lernen oder über Parallels Desktop eine virtuelle Windows-Maschine installieren und dann bequem mit Movie Maker Videos schneiden.

Die erste Option erschien mir eigentlich sinnvoller, weil ich iMovie auf macOS ohnehin kostenlos habe. Allerdings finde ich die App sehr unpraktisch und verstehe ihr System einfach nicht. Deshalb wollte ich sie möglichst vermeiden. Trotzdem muss ich sie irgendwann lernen und endlich anfangen, sie zu benutzen. Aus diesem Grund verbrachte ich den Montag und Dienstag hauptsächlich mit meinen iMovie-Problemen. Was habe ich dabei entdeckt?

  1. Ich suchte im Internet nach Videos über macOS und VoiceOver, aber meine Suche war leider nicht besonders erfolgreich. Meistens fand ich nur Videos über iMovie auf iOS, aber für eine regelmäßige Videobearbeitung erschien mir das ebenfalls ziemlich unpraktisch. Noch etwas fiel mir auf: VoiceOver ist gleichzeitig auch die Bezeichnung für eine eingesprochene Tonspur in einem Video. Genau deshalb findet man unglaublich viele unnötige Suchergebnisse. Ich fragte mich wirklich, wie Apple seinen Screenreader ausgerechnet so nennen konnte, wenn dieser Begriff bereits eine ganz andere Bedeutung hatte. Man findet unzählige Videos mit dem Titel „VoiceOver“, aber dort wird gar nichts über den Screenreader erklärt. Stattdessen geht es einfach darum, wie man seine eigene Stimme auf ein Video aufnimmt. Das hat mich ehrlich überrascht.

  2. Die Benutzeroberfläche von iMovie war für mich ebenfalls sehr unintuitiv. Obwohl ich mithilfe der AppleVis-Beschreibung die grundsätzliche Idee der Projektnavigation verstanden hatte, führte mich dieses Wissen leider noch lange nicht zu einer echten Videobearbeitung.

Ich musste sehr viel Geduld, Zeit und Energie investieren, bevor ich mich schließlich doch für Parallels Desktop entschied – zumindest für dieses Projekt hier in Deutschland, da ich zeitlich ziemlich eingeschränkt bin. Diese Entscheidung ist allerdings ebenfalls alles andere als praktisch. Erstens kostet diese Plattform über 100 Dollar pro Jahr. Zum Glück konnte ich meinen Studentenrabatt nutzen und musste nur etwa 50 Euro bezahlen. Zweitens benötigt sie ziemlich viel Speicherplatz. Außerdem läuft das System etwas langsamer und verbraucht viele Computerressourcen. Hinzu kommt, dass es auch nicht besonders VoiceOver-freundlich ist und ich manche Dinge nur mit der Hilfe meines Mannes erledigen kann. Aber iMovie ist für mich immer noch praktisch unbenutzbar! Diese tausend Tastenkombinationen funktionieren bei mir einfach nicht. Ich brauche unglaublich viel Zeit, nur um ein Projekt zu öffnen. Das ganze System für VoiceOver-Nutzer ist so unglücklich aufgebaut, dass ich davon fast eine kleine Depression bekomme!

Da ich mich bei der Arbeit mit so vielen technischen Dilemmas beschäftigen musste, beschloss ich, mir nach der Arbeit etwas Leckeres zu gönnen. Gott segne meine Figur! An diesem Tag bestellte ich einen Flammkuchen mit Gemüse. Der Teig war wirklich sehr lecker – dünn und knusprig. Der Gemüsebelag hätte allerdings besser sein können. Es gab süße Zwiebeln, Paprika und irgendwelche gebackenen Pilze, die mir nicht besonders geschmeckt haben. Beim nächsten Mal möchte ich unbedingt einen Flammkuchen einfach nur mit Käse probieren. Das ist noch ein deutsches Gericht, das ich wirklich sehr gerne esse. Mindaugas setzte seine Entdeckungsreise durch die deutsche Küche mit irgendeinem Gulasch fort. In Litauen versteht man unter Gulasch eher geschmortes Fleisch mit Gemüse. Hier wurde es dagegen mit Sauerkraut und Kartoffeln serviert. Ihm hat es jedenfalls geschmeckt.

Während meines Kampfes mit iMovie überlegte ich auch, ob ich meine Schwester oder Mindaugas um Hilfe bitten sollte. Es wäre jedoch viel besser, wenn ich die sprachlichen Teile selbst schneiden könnte. Beide sprechen kein Deutsch, deshalb müssten wir die Videos immer gemeinsam bearbeiten. Besonders wenn wir keine gute Internetverbindung haben, wird alles noch schwieriger. Solche Situationen verlangsamen meine Arbeit erheblich und nehmen mir manchmal auch die Motivation, überhaupt weiterzumachen. Deshalb fallen mir diese beiden Tage auch etwas schwer zu beschreiben.

Mein Fazit nach zwei Jahren mit macOS bleibt jedenfalls dasselbe: Man kann dieses System lernen, aber für VoiceOver-Nutzer ist es weder besonders intuitiv noch besonders bequem. Ich liebe die technischen Eigenschaften von macOS und auch den Laptop selbst – zum Beispiel den Akku oder die Verbindung mit dem iPhone. Aber was die Bedienung mit VoiceOver betrifft, schimpfe ich immer noch sehr darüber. Jetzt musste ich also gleichzeitig meinen Nacken schonen, meine Videobearbeitung lösen und außerdem mit dem Testen der Wegbeschreibungen beginnen.

Ich hatte von Imke die Aufgabe bekommen, einige Wegbeschreibungen zu testen, die nach dem System von Herrn Baumeister erstellt worden waren. Ich sollte herausfinden, welche Stellen möglicherweise ungenau sind, vor allem aber eine einfache Frage beantworten: Kann ich mit Hilfe dieser Beschreibung das jeweilige Ziel finden oder nicht? Meistens konzentriere ich mich auf die Wegbeschreibungen selbst. Trotzdem wäre es auch wichtig, die geplanten Museen tatsächlich zu besuchen.

Eine weitere Herausforderung war die Frage, wie ich gleichzeitig der Beschreibung folgen und alles filmen sollte. Wenn ich mit meinem Handy oder mit den Meta-Brillen filme, kann ich VoiceOver nicht benutzen. Deshalb muss ich die Beschreibungen vorher in Braille übertragen, was ebenfalls sehr viel Zeit kostet. Morgen werde ich aber versuchen, die Beschreibung über Mindaugas' Handy mitzulesen, weil ich diesmal einfach keine Zeit hatte, alles in Braille vorzubereiten.

Zurzeit habe ich geplant, die Museumsinsel mit einigen Museen zu erkunden, den Alexanderplatz und seine Sehenswürdigkeiten, das Nikolaiviertel sowie noch einige Skulpturen in Berlin kennenzulernen. Ich finde es beeindruckend, wie viele Orte auf der Website Bfuerb.de beschrieben werden. Man kann dort wirklich unglaublich viel entdecken. Jetzt muss ich noch prüfen, wie viele meiner geplanten Ziele ich tatsächlich schaffen werde. Meine bisherigen Erfahrungen zeigen nämlich, dass ich meinen ursprünglichen Plan fast nie zu hundert Prozent umsetzen kann, weil ich meistens zu optimistisch plane und den Zeitaufwand unterschätze. Wenn man erst dorthin laufen, anschließend filmen, danach noch das Museum besuchen und schließlich alles zusammenfassen muss, ist es eigentlich logisch, dass am Ende nicht für alles genug Zeit bleibt.

Für einen positiveren Abschluss kann ich noch erzählen, dass meine indische Freundin, die zurzeit in Rheinland-Pfalz wohnt, mich am Freitag in Berlin besuchen wird. Das sind wirklich schöne Neuigkeiten! Wir haben uns vor sieben Jahren in Münster kennengelernt. Sie ist ein unglaublich positiver Mensch und wir haben zusammen fast immer viel Spaß. Irgendwie verlieren wir gemeinsam den Kopf, albern herum und schmieden manchmal ziemlich verrückte Pläne. Zum Beispiel beschlossen wir damals in Münster, per Anhalter von Münster nach Vilnius zu reisen. Eigentlich mussten wir nur bis Bremen trampen, weil von dort ein Flug nach Vilnius ging. Aber schon das war eine ziemlich große Herausforderung! Schließlich wurden wir sogar von der Polizei abgeholt, weil wir versucht hatten, direkt an der Autobahn zu trampen. Zum Glück ging am Ende alles gut. Ein Lkw-Fahrer nahm uns mit bis nach Bremen und wir schafften unseren Flug gerade noch rechtzeitig. Jetzt treffen wir uns schon nach sieben Jahren wieder. Wir sind beide inzwischen etwas älter und hoffentlich auch etwas vernünftiger. Hoffentlich brauchen wir diesmal keine polizeiliche Betreuung mehr!