Woche vor den Sommerferien: 6. Juli

Diese Woche verspüre ich einen gewissen inneren Widerstand dagegen, Tagebuch zu schreiben. Ich weiß nicht, ob diese Idee mit der Theorie der 21 Tage wirklich stimmt. Vielleicht bin ich einfach emotional ein bisschen erschöpft, und deshalb fällt mir das Schreiben gerade schwerer.

Zusammen mit Konstanze fassen wir gerade die Informationen über unsere Partnerorganisationen zusammen, weil das diese Woche fertig werden muss. Heute sind wir außerdem nur zu zweit im Büro, und ich merke, wie gerne wir miteinander arbeiten. Unsere Arbeit wird allerdings oft durch spontane Gespräche unterbrochen. Heute haben wir uns zum Beispiel lange über Identität und Identitätsfragen unterhalten.

Ich verstehe nicht ganz, wie die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Geschlecht verneint werden kann. Konstanze meinte, dass es dabei eher um ein inneres Gleichgewicht geht. Man müsse sich nicht unbedingt zu hundert Prozent männlich oder weiblich fühlen. Vielleicht fühlt sich jemand zu 60 % männlich und zu 40 % weiblich und kann sich deshalb mit der Bezeichnung eines einzigen Geschlechts nicht vollständig identifizieren. Da kam mir jedoch eine Frage: Würden sich manche Probleme nicht lösen lassen, wenn man statt nach dem Geschlecht einfach nach der eigenen Einordnung fragen würde? Also nicht: „Welches Geschlecht haben Sie?“, sondern eher: „Welchem Geschlecht fühlen Sie sich näher?“

Natürlich geht es bei diesem Thema um viel mehr als nur um Begriffe oder die Benennung von Tatsachen. Trotzdem freut es mich sehr, dass die Gesellschaft in Deutschland in dieser Hinsicht bereits viel fortschrittlicher ist. Ich denke zum Beispiel, dass unser Stand-up über Behinderungen hier wahrscheinlich nicht mehr dieselbe Relevanz hätte.

Aber warum müssen wir Menschen eigentlich alles in irgendwelche Kategorien einordnen? Wir möchten immer genau wissen, welches Geschlecht jemand hat, welche Ausbildung, welche Nationalität und viele andere Eigenschaften. Ohne solche Kategorien könnte unsere Gesellschaft vermutlich nicht funktionieren. Andererseits versuchen wir gleichzeitig, etwas zu vermeiden, das doch eigentlich etwas zutiefst Menschliches ist. Manchmal verstehe ich unser Verhältnis zu unserem eigenen Körper nicht mehr. Immer häufiger versuchen wir, innere Ruhe durch Veränderungen am Körper zu finden – Piercings, Tattoos, Frisuren oder den Kleidungsstil. Manche Menschen versuchen sogar, sich von einem bestimmten Geschlecht zu lösen. Ich frage mich, ob uns das wirklich inneren Frieden bringen kann. Oder gehört diese ständige Suche vielleicht einfach zum Menschsein und ist genau das der Sinn des Lebens?

Auf jeden Fall möchte ich zu diesem Thema noch mehr recherchieren und mich intensiver damit beschäftigen. Es gibt ein Buch, das 2022 oder 2023 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Es erzählt die Geschichte einer transgeschlechtlichen Person. Ich möchte dieses Buch unbedingt finden und lesen. Deshalb habe ich es bereits auf meine Leseliste gesetzt.

Nach der Arbeit sind wir noch in ein anderes Einkaufszentrum gefahren. Das System war dasselbe: Sowohl die Parkplätze als auch die Toiletten waren kostenpflichtig. Ich habe dort aber eine schöne Jacke gekauft. Im Moment sind die Tage hier etwas kühler, und besonders im Büro merkt man das. Das sind wohl unsere europäischen Sommer – man muss auf alles vorbereitet sein und Kleidung für ganz unterschiedliche Temperaturen dabeihaben. In diesem Einkaufszentrum gibt es außerdem ein sehr schönes türkisches Café, in dem wir Linsensuppe gegessen haben. Deshalb werden wir wahrscheinlich noch einmal dorthin zurückkommen, denn Mindaugas möchte mir Shakshuka zeigen. Das ist ein Gericht mit Eiern und Tomaten. Leider kann man es nur bis 15:30 Uhr bestellen.

Nächste Woche wird mein Arbeitsalltag etwas anders aussehen, weil meine Kolleginnen für drei Wochen in den Urlaub gehen.

Und schließlich können wir nach diesen drei Wochen ganz sicher sagen, wie das Reinigungssystem im Hotel funktioniert! Wenn man den Müllbeutel vor die Zimmertür stellt, wird gleichzeitig auch das Zimmer gereinigt und alles Notwendige – zum Beispiel Toilettenpapier – aufgefüllt. Man muss niemandem extra Bescheid geben. Wenigstens müssen wir den Müll nicht selbst entsorgen!