Voll, 12.06.2026, Rayna Trouble

Schlafen, ist einer der Königsdiziplinen. Ich bewundere Menschen die ungestört schlafen während laute orchestrale Serienmusik auf sie einhämmert, Kinder schreien, Tür knallen, hitzige emotionale Gespräche jeder Art auf der anderen Seite der Zimmertür stattfinden, gestaubsaugt wird, Kaffee gemahlen wird oder die Helligkeit im Zimmer zunimmt und der Tag einfach beginnt. Ich wache auf, wenn mein Körper entscheidet das die gehaltenen Emotionen in meinem Körper nicht mehr unterbewusst getragen werden können. Entsprechend, wenn meine gesammelten Versuche meinen Körper zu ermüden, aufgebraucht sind und mich nicht mehr taub fühlen lassen. Es drückt auf der Brust, mein Kopf ballert mir Songs durch die innen liegenden Ohren und meine Glieder sind angespannt. Mein Körper ist voller Emotionen, nicht voller Energie. Er schreit förmlich nur so nach Abarbeitung. Liegen bleiben und entspannen geht vielleicht in Co-Regulation, und nur selten alleine. Natürlich ist meine Lymphknotenmassage im Bett mit dem Igelball oder die Atemübung von:” tief einatmen bis die Lungen explodierend voll sind, noch einen extra Japs nehmen und dann halten” um Cortisol abzubauen total tolle Ideen um mich direkt morgens nach meinem angeblich erholsamen Schlaf direkt zu regulieren. Will ich das so? Sicherlich nicht. Würde ich gerne einfach wie ein unbelasteter Mensch aufwachen und mich noch Mal umdrehen um sagen zu können:” 5 Minuten noch”. Ja, hundertausendzehnprozentig ja!

Wie soll ich meinen Körper lieben und schätzen, wenn er mir morgens nicht mal 1 Minute der Entspannung schenkt?

Eigentlich versuche ich immer alles positiv zu sehen, mir zu denken: ja das ist doch wirklich toll, dass ich direkt aus dem Bett aufstehe kann, aktiv werde, Yoga mache, Kaffe trinke, Radio höre – wie die geborene KapitalistIn die nur darauf wartet zur Arbeit gehen zu dürfen, für die ultimative Ablenkung und Wertschätzungserfahrung durch meine Leistung. (Works for those who realy like or at least are good in theire jobs.) Um ehrlich zu sein, bin ich es langsam leid es positiv zu sehen – weil der Diebstahl (durch mich SELBST) an der eigenen Entspannung ist das Gegenteil von “not that deep”.

An guten Tagen denke ich mir, jetzt habe ich es endlich verstanden. Ich muss nur ruhig und entspannt mit mir selbst sein, es reframen wie ich mich in meinem Körper bewege – wie mein Kopf sich in meinem Körper bewegt. Weil ja natürlich liegt da in meinem Körper überall verteilt die Fülle von Erfahrung, Trauma, Ungewissheit, Arbeitsaufträgen, Scham, Schuld, der gestrige Tag, die Erinnerung von 4 Jahren als ich fälschlicher Weise nicht allen Tschüss sagen konnte weil ich so überreizt war, die Stimmen meiner Eltern, Verbesserungsvorschläge, Freunde bei denen ich mich Wochen nicht gemeldet habe, bürokratischer Dreckskack den ich erledigen MUSS (weil fucking Kaltland mich dazu zwingt), Verpflichtungen, Umzug, der Geburtstag meiner Bestie in 3 Monaten, der Brief der Justizkasse, der Hochzeitstag von Friends in 5 Monaten, meine Ukulele die ich gerne wieder spielen würde, das Cabaret Theaterstück in Mannheim zu dem ich gerne fahren würde, die Panikattacke einer befreundeten Person die ich gerne unterstützen würde, die 10 Kippen von gestern Abend die mir die Lunge verpesten, meine Sehnsucht, das geile Oberteil von Vinted was ich mir aktuell nicht leisten kann, mein Genuss der mir sagt Geld ist nur eine Illusion und ich lebe nur ein Mal (also kaufe ich dieses Oberteil doch), GELD, das Gespräch was ich auf meiner “Arbeit” führen muss um endlich nicht mehr im BFD festzustecken, die vertrockneten Blumen auf dem Küchentisch, die mangelnde Lust zu kochen, die Idee schwimmen zu gehen später heute Abend damit ich wirklich abschalten kann, das eine Kunstprojekt – you get the drill. Also ja mir ist bewusst, dass sie voll ist und ich darüber entscheiden kann und ich alleinig dafür die Verantwortung trage, aber ich hab keinen Bock. Ich gebe es ehrlich zu, ich hab darauf keine Lust. Wäre nur ein Faktor besser: Finanzen, Beziehung, Wohnen – einer dieser läppischen Grundbedürfnisse, dann weiß ich das es besser wäre, dann weiß ich dass es gute Tage sind, weil mein Kontext besser ist. Ich bin so durch mit dem fucking System, und wie es eigentlich allen besser gehen könnte, dass ist in Wahrheit: Not That Deep!

liebste grüßlis und passt auf euch auf