Für mich gilt es nun, von Südserbien (Niš) nach Budapest zu kommen. Von dort habe ich ein Ticket für den Nachtzug nach Hause. Ich mag Nachtzüge. Die DB hat sie zwar abgeschafft, aber die Österreichische Bundesbahn hilft da aus, auch auf Strecken, die nicht durch Österreich gehen..
Vor neun Jahren bin ich von Belgrad noch bis Budapest mit dem Zug durchgefahren. Immerhin hat die Strecke einen eigenen Wikipedia-Artikel. Aber diese Möglichkeit gibt es im Moment nicht. Europa wächst eben manchmal eher nicht zusammen, sondern entwickelt sich in gegenteiliger Weise.
Auf BlablaCar, einer Online-Mitfahrzentrale, finde ich das Angebot eines Fahrers, der die Strecke von Niš bis in die ungarische Hauptstadt mit dem Auto in unter sieben Stunden fahren will. Aber er reagiert nicht auf meine Anfrage – warum auch immer. Sicher wären Fernbusse mit Umstieg in Belgrad möglich, aber darauf habe ich keine Lust.
Also suche ich weiter bei der Bahn. Zwei auf den internationalen Bahnverkehr spezialisierte Apps behaupten unverblümt, es gebe keine Verbindungen 🥺. Aber auf “Rome2Rio” ist Verlass. Selbst der DB-Navigator spuckt zu meinem Erstaunen die Verbindung aus: Vier Züge – Umstiege in Belgrad, Subotica, Szeged – geplante Fahrzeit: 14 h 6 min. Tickets bekomme ich bei der ungarischen Bahn online. Zumindest das funktioniert.
Es sind zur Hälfte Regionalzüge – die serbischen immerhin klimatisiert und mit WLAN. Allein zwischen Niš und Belgrad hält der Zug an 55 Orten, oft Dörfer mit den Ruinen einer Wartehalle am Gleis. In der letzten Fahrt-Stunde vor Belgrad sind dann auch mehr als 10 Leute mit mir gemeinsam unterwegs. Vor allem junge Leute. Die Hauptstadt lockt. Verglichen damit ist die Strecke nach Subotica extrem schnell. Insgesamt erlebe ich 80 Stationen. Der “Intercity” von Szeged nach Budapest hat noch Fensterlüftung und freien Blick durch die Toilette aufs Gleisbett. Da werden Kindheitserinnerungen wach...
Es bleibt dabei: Zug fahren in Europa muss man wollen. Wenn ich nicht den Spaß am Erlebnis hätte, sondern nur schauen würde, wie ich ans Ziel komme: Das würde ich mir wohl nicht antun. Aber es macht mir Spaß.