Intentionale Werkzeugnutzung und -gestaltung in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung
Gemeinsam mit Vivien Mast, die ich von der Konferenz ‚Achtsamkeit in der Bildung‘ kenne, habe ich heute darüber nachgedacht, wie man in Lernangeboten Räume zur Reflexion der Werkzeugnutzung in der Digitalität ermöglichen kann. Ganz konkret diskutierten wir dabei über den Umgang mit KI-Chatbots und orientierten uns an einem ‚verkörperten Erleben‘.
Unser Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Weltaneignung und Weltgestaltung von Menschen schon immer über Werkzeuge vermittelt funktionierten. Wir finden sie in unserer Lebenswelt vor, greifen sie auf, erschließen uns damit die Welt, und sie prägen uns dadurch. Zugleich wirken wir mit unseren Handlungen auf die Welt und auf die Werkzeuge zurück und wir können bestehende Werkzeuge natürlich auch immer hinterfragen und anders gestalten.
Im aktuellen Kontext der Digitalität und in einer zunehmend KI-geprägten Welt ist die Frage, wie wir solche Mensch-Werkzeug-Konstellationen gestalten, ganz besonders herausfordernd. Denn Technologie ermöglicht uns (scheinbar) sehr viel, sodass wir Gefahr laufen, immer weniger selbst zu gestalten und uns zu verlieren. Hinzu kommen immer offensichtlichere schädliche Auswirkungen auf Menschen und Mitwelt angesichts einer zunehmend monopolisierten digitalen Infrastruktur, die im Interesse der Verwertbarkeit vorangetrieben wird. Die Frage, die wir vor diesem Hintergrund entwickelt haben, ist somit nicht neu, stellt sich aber mit immer größerer Dringlichkeit:
Wie gelingt in der und ausgehend von der gegenwärtigen Digitalität eine intentionale Werkzeugnutzung und -gestaltung in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung?
Für mich passt diese Frage ganz ausgezeichnet zu einer Orientierung in der Bildung, die nicht vorrangig nach dem Wie der KI-Nutzung fragt, sondern die pädagogische Verantwortung in einer zunehmend KI-geprägten Welt in den Blick nimmt.
Wir haben zu der Frage heute ein erstes Workshopkonzept in Grundzügen entwickelt. Es sieht verschiedene Möglichkeiten der Interaktion mit unterschiedlichen Werkzeugen bei der Bearbeitung einer bestimmten Aufgabe vor: Das kann eine rein analoge Entwicklung mit Stift und Papier sein, die Nutzung des Internets als Resonanzraum, ein sozialer Austausch oder auch verschiedene Möglichkeiten der Interaktion mit KI-Chatbots. Zum Einstieg in die Interaktion würde eine „Verbindung“ stattfinden: Was nutze ich jetzt gleich, und was war bzw. ist dafür nötig, dass ich das nutzen kann? (z.B. bei einem KI-Chatbot: menschliche, kreative Leistungen, Server-Infrastruktur, die Arbit von Click-Workern …) Die praktische Erkundung wird anschließend ganzheitlich-verkörpert reflektiert, wozu sich vor allem haptische Materialien wie z.B. Lego anbieten. Es wird somit ‚mit den Händen‘ gedacht und gebaut, wie sich der Prozess der Aufgabenbearbeitung für einen anfühlte. Nach dem Durchspielen verschiedener Möglichkeiten kann anschließend ausgewertet und festgehalten werden, was für wen jeweils welchen Unterschied macht. Damit entsteht die Grundlage für eine bewusste Nutzung. Außerdem ist Raum für Zukunftsdenken: Welche Interaktion mit welchen Tools und damit auch welche digitale Infrastruktur wollen wir?
Vivien und ich haben nun beide große Lust darauf, so etwas einmal bei einem Pädagogischen Tag oder im Rahmen eines anderen Lernangebots praktisch auszuprobieren. Wenn unsere Überlegungen für dich also spannend klingen, dann melde dich gerne!
Liebe Vivien, vielen Dank für den inspirierenden, ergebnisreichen und freudvollen Austausch!
