Gesamtschule Büren 2030: Wie wollen wir lernen, lehren und leben?
Ich habe heute gemeinsam einen schulinternen Fortbildungstag an der Gesamtschule in Büren mit der dortigen Steuergruppe gestaltet. Die Kolleg*innen haben auf mein Angebot der ‘Lernlabore’ reagiert, weil sie gemeinsam beratschlagen wollten, wo es mit dem Lernen, Lehren und Leben an ihrer Schule hingehen soll. (Wir haben für die SchiLf den Titel vom Luisengymnasium im Frühjahr geklaut – und auch hier gefragt: Gesamtschule Büren 2030: Wie wollen wir lernen, lehren und leben?).
Wir hatten für die SchiLf einen ganzen Tag Zeit. Neben dem Kollegium mit rund 70 Personen nahmen auch einige Schüler:innen aus der SMV teil. Die Schule hat eine große Aula/Mensa, was uns ausreichend Raum verschaffte, um an Tischgruppen miteinander zu arbeiten und zugleich in Bewegung zu kommen.
In diesem Blogbeitrag teile ich unser Vorgehen sowie meine Reflexion und Learnings dazu.
Grundsätzliche Herausforderung
Der Tag war relativ offen angelegt. Wir hatten deshalb als Zielstellung vorab festgelegt, in eine Leitbildentwicklung bzw. Weiterentwicklung einzusteigen und dazu möglichst erste, konkrete Textbausteine zu formulieren. Von diesem Ziel aus konnte dann der übrige Tag gut konzipiert werden.
Meine Bewegungen sind dabei immer die Divergenz und die Konvergenz. Das bedeutet, dass in einer ersten Bewegung ganz viel geöffnet und gesammelt wird, um dann in einer zweiten Bewegung auszuwählen und zu fokussieren. Wir haben außerdem immer zwei Ebenen geöffnet: erstens die Ebene der gemeinsamen Schulentwicklung. Zweitens sollten alle möglichst auch Ideen für ihr eigenes Handeln mitnehmen können.
Unser Vorgehen
Wir sind mit einem körperlichen Ankommen gestartet: sich selbst, den Raum und andere wahrnehmen, Belastendes abschütteln und dann auf Präsenz orientieren. Weiter ging es mit Bewegung durch den Raum und drei Speed-Dating-Gesprächen mit immer einer anderen Person, die einem beim Herumlaufen begegnete:
- Was will ich am heutigen Tag erreichen?
- Was brauche ich dazu?
- Was kann ich einbringen?
Den inhaltlichen Auftakt machte anschließend eine Abwandlung der ‘Heard, Seen, Respected’-Methode der Liberating Structures. Bei dieser Methode wird gegenseitig geteilt, wann man sich nicht gehört, gesehen oder respektiert gefühlt hat. Anstelle von ‘gehört, gesehen, respektiert’ haben wir die Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan zur Grundlage genommen, wonach es für die Entwicklung intrinsischer Motivation vor allem die Erfüllung der Grundbedürfnisse nach Autonomie, Wirksamkeit und Verbundenheit braucht. Unsere Frage für eine erste Gesprächsrunde war deshalb: Wann erlebe ich mich an der Schule als nicht selbstbestimmt, nicht wirksam und nicht verbunden? Wir machten das in einem Sprechen und Zuhören-Format in Vierergruppen. Anschließend mischten wir die Gruppen für eine zweite Runde und wechselten in einen positiven Blick: Wann erlebe ich mich selbstbestimmt, wirksam und verbunden? Auf dieser Grundlage ließ sich dann gut gemeinsam weiterarbeiten, was es zu stärken gilt.

Die drei Grundbedürfnisse lagen auch auf allen Tischen, was als direkte Erinnerung beim Sprechen und auch als ‚Redestab‘ genutzt werden konnte.

Nach diesem Blick auf Grundbedürfnisse griffen wir als Zweites den Golden Circle von Simon Sinek auf. Alle für sich in einem Silent Writing die Frage: Wozu lehre/lerne ich an der Gesamtschule Büren? Da der erste Impuls auf diese Frage häufig noch recht an der Oberfläche bleibt (‘Um meinen Abschluss zu machen’, ‘Um Geld zu verdienen’), stellte danach jede Person ihr Wozu den anderen an der Tischgruppe vor – und diese beratschlagten so, dass sie lauter Fragen stellten, die der Person vielleicht helfen könnten, ihr Wozu weiterzudenken. Die Fragen beantwortete sie nicht, sondern nahm sie erst mal nur an, um dann in der Reflexion darüber, das Wozu umzuformulieren.
Den Übergang vom Wozu zum Wie gestalteten wir mit einer Körperübung: In der Aula gab es dazu einen sehr schönen freien Raum mit Ebenen in unterschiedlichen Höhen. So konnten wir uns darin alle bewegen und uns ganz unten einfühlen, wie es uns in einer Schule geht, in der wir nicht selbstbestimmt, wirksam und verbunden sind und unser Wozu keinen Raum hat – und wie es uns, wenn wir oben standen, geht, wenn all das gegeben ist.

Mit diesem Erleben gingen wir zurück zu den Tischgruppen und sammelten zunächst so viele Adjektive wie möglich, wie wir uns die Gesamtschule Büren im Jahr 2030 vorstellen.

Diese Sammlung wurde dann zunächst an den einzelnen Tischen geclustert, sodass es maximal 5 Begriffe pro Tisch waren. Diese trugen wir dann im Plenum mit einem Bingo-Harvesting zusammen: Eine Gruppe startete mit einem Begriff und pinnte ihn an die Pinnwand. Gruppen, die etwas Ähnliches notiert hatten, riefen Bingo und hängten ihren Begriff dazu. So entstanden insgesamt 15 Adjektiv-Cluster.

Im Barcamp-Style ordneten wir jedem dieser Cluster dann einen Tisch zu, um sie weiter zu bearbeiten. Der erste Schritt war dazu eine ‘Zwei-Spalten-Sammlung’: Wie befördern wir diese Eigenschaft? Wie behindern wir sie? Um dazu in Austausch zu kommen, gab es insgesamt drei Runden zum Ausschwärmen und Ergänzen der Sammlungen von anderen Gruppen.

Bevor wir nach der Mittagspause und einem Energizer diese Sammlung wieder aufgriffen, gab es zunächst Raum für die Entwicklung eines individuellen nächsten Schritts auf Basis der Beratschlagungen des Tages. Alle erhielten dazu ein DIN-A4-Papier und falteten es zweimal. In der linken Spalte notierten sie alle Ideen, die sie am heutigen Tag bis dahin gesammelt hatten. In die Mitte kam eine Idee, die man sehr vielversprechend fand, und alles, was einem spontan dazu einfiel. In die rechte Spalte notierte man darauf aufbauend einen möglichen ersten Schritt. Reihum wurde in Kleingruppen dieser Schritt dann vorgestellt und die anderen Menschen am Tisch berieten, was ihnen dazu noch einfiel.
Nach diesem Zwischenschub auf der individuellen Ebene griffen wir danach die begonnene Adjektiv-Sammlung wieder auf. Jede Tischgruppe war nun eingeladen, sich in einer halben Stunde erstens kreativ zu betätigen und eine Illustration zu gestalten, was für sie ihr jeweiliges Adjektiv ausmachte. Und zweitens 3–5 Sätze zu notieren, wie sie diesen Bereich in einem Leitbild formulieren würden.
Die Illustrationen hängten wir im Raum auf, was einen Gallery Walk und Gespräche dazu ermöglichte. Anschließend lasen wir die Texte vor, was dann zugleich der Abschluss des gemeinsamen Tages war.

Meine Reflexion
Ich finde es immer wieder super, wenn ein Kollegium sich Zeit nimmt für solch ein ‘Innehalten’, wie wir es in Büren getan haben, und sehr grundsätzlich über Wozu und Wie des Lehren, Lernens und Lebens gemeinsam beratschlagt. Es ist wunderbar, wenn Schüler:innen mitdiskutieren. Das war auch heute wieder so wertvoll!
Methodisch nehme ich vor allem die Deci/Ryan-Abwandlung der Liberating Structures mit. Und ich fand den Abschluss mit kreativem Gestalten und dem dann folgenden Gallery Walk sehr gelungen.
Gelungen war auch die sehr schöne und wertschätzende Zusammenarbeit mit der Steuergruppe. Ganz herzlichen Dank dafür. Ich freue mich auf die Nachbereitung und bin sehr gespannt auf die dann folgenden Schritte.

