Impressionen von der OERcamp Werkstatt in Wutöschingen

Am Wochenende fand an der Alemannenschule in Wutöschingen eine OERcamp Werkstatt statt. Ich war als Coach zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) und Lernkulturveränderung dabei – und teile hier ein paar meiner Impressionen.

Zur Einordnung zunächst: Ich halte die Werkstätten der OERcamps immer und grundsätzlich für ein sehr cooles Format, weil sie so viel Lernen ermöglichen. Die Idee ist, dass Teilgebende im Austausch untereinander und mit Unterstützung von Coaches an ganz konkreten Materialvorhaben arbeiten und diese am Ende veröffentlichen.

Wenn solch eine Werkstatt nun an einem Lernort wie der Alemannenschule stattfindet, dann ist das natürlich noch viel cooler! Das liegt zum einen daran, dass die Räume toll zum gleichermaßen freudvollen wie konzentrierten Lernen sind. Zum anderen werden von einer Einladung nach Wutöschingen natürlich sehr gezielt Menschen angesprochen, die Bildung in Richtung Potenzialorientierung und Ermöglichung verändern wollen.

Ein paar (noch unsortierte) Reflexionen möchte ich für mich festhalten:

  1. Das Thema digitale Mündigkeit und demokratische Gestaltung von Künstlicher Intelligenz (KI) beschäftigte sehr viele Menschen. Wir haben vor diesem Hintergrund vor allem ganz viel mit OpenCode experimentiert – einer Open Source Hülle für eine KI-Agenten-Nutzung.
  2. Ich fand insbesondere den Austausch mit Kolleg*innen aus dem Förderschulbereich sehr voranbringend. Hier erlebte ich eine wunderbar klare Haltung in Bezug auf die Achtung menschlicher Würde und die Wertschätzung von Vielfalt, was aus meiner Sicht wegweisend sein kann auch für andere Lernkontexte und Schulformen. Und vor allem hier konnten wir sehr konkret mit KI als eine ‚Ermöglichungs-Technologie‘ arbeiten.
  3. Neben dem Thema der Digitalisierung hatte ich als zweiten Schwerpunkt die menschlichen Fähigkeiten und ihre Entfaltung. Das stand manches Mal (noch) ein bisschen unverbunden nebeneinander, aber gehört ja unbedingt zusammen. In diesem Sinne haben wir unter anderem die Inner Development Goals (IDGs), Spannungsfelder bei der Lernermöglichung, das innere Team und die Selbstbestimmungstheorie mit den Bedürfnissen nach Sicherheit, Zugehörigkeit und Verbundenheit thematisiert. Außerdem gab es am Samstag viel Interesse am Meditieren zum Tageseinstieg und am heutigen Sonntag haben wir gemeinsam Improtheater gespielt.
  4. Die meist gestellte Frage in den Beratschlagungen war die nach dem Umgang mit vermeintlichen Widerständen – oder besser: Unsicherheiten – im Kollegium. Auch hier haben die obigen Aspekte viel geholfen. Denn was für Lernende gilt, gilt für Lehrende ja ganz genauso. Am häufigsten zitiert habe ich: „Wir denken, dass es ein Verlust von Kontrolle sei, wenn wir offenes Lernen ermöglichen. Tatsächlich ist es aber nur ein Verlust der Kontrollillusion“ (Ulrike Linz).
  5. Wir haben gemeinsam das Projekt MutLauschen umgesetzt: 30 zuversichtliche Sprachnachrichten, die jetzt von allen mitgenommen werden können in den Alltag! Du kannst gerne reinhören, auch dann, wenn du nicht in Wutöschingen mit dabei warst. Ich denke, dass das auch dann viel Bestärkung bietet.
  6. Über die Rolle von Materialien beim Lernen will ich noch weiter nachdenken. Wir stecken da – gerade auch bei solch einer Werkstatt – so viel Arbeit in die Erstellung – und zugleich gibt es so viele neue Möglichkeiten für eine ad hoc Erstellung mithilfe von KI. Für mich passt Aufwand und Wirkung dabei nicht mehr wirklich zusammen, was dann natürlich auch Konsequenzen für die Rolle von OER haben wird. Meine Tendenz geht dahin, den Fokus noch stärker auf Open Educational Practices und die dazu benötigten Räume zu legen – und Materialien viel, viel weniger spezifisch und ausgestaltet, sondern eher als maschinenlesbar-optimierte Eingabe zur ad hoc Erstellung zu verstehen. Mit dem Denken darüber bin ich aber noch nicht fertig.
  7. Mein Lieblings-Projektname, den eine Kollegin teilte, war: „Wir machen bei uns zurzeit OMI“ – OMI stand für ‚offener Mittwoch‘ und ist der Versuch, zunächst einen Tag mit offenen Lernsettings zu erkunden, eben am Mittwoch. Und mit den Learnings daraus dann insgesamt in die Umstellung zu gehen.

Vielen Dank an die wunderbare Organisation, die aus meiner Sicht politisch sehr sinnvoll ausgegebenen Fördermittel und alle Teilgebenden. Ich hatte sehr viel Freude!

‚Gruppenbild‘ mit Kolleg*innen aus Sachsen-Anhalt. Schön, dass solch eine Bundesland-spezifische Vernetzung möglich war.
Mitschrieb einer Kollegin zum Kontrollillusionsverlust.
Ein von LinkedIn geklautes Bild, weil es so schön unsere sehr konzentrierte Lernatmosphäre einfängt.
Und am Freitagabend war auch Raum für ein wirkSamen-Treffen
Unsere reflektierten vier möglichen Ebenen eines Materials bzw. speziell von OER

#OEROffenheit