Ein Vortrag mit ‚Schütteln‘ beim Fachtag Medienpädagogik in Leipzig

Ich bin heute kurzfristig mit einem Impuls beim Fachtag Medienpädagogik „Emanzipation, Bildung und Digitalkultur“ in Leipzig für eine verhinderte Kollegin eingesprungen. Das war toll, weil ich mir in diesem Kontext das Thema relativ frei wählen durfte und ich mir selbst bei solch spontanen Zusagen noch ein bisschen mehr als sonst erlaube, beim Vortragen zu experimentieren und Resonanz auszutesten.
Fazit vorab: Diese war heute sehr bestärkend!

Als Thema hatte ich vorgeschlagen:

Was tun? (Medien)pädagogisches Handeln in einer zunehmend KI-geprägten Welt

Wie sich vor Ort herausstellen sollte, passte das super zum Vortrag meines Vorredners, Max Franz Johann Schnetker, der aus soziologischer Perspektive darstellte, warum wir im Hype um KI lieber von „entfremdeter Intelligenz“ sprechen sollten. Sein Vortrag war auf einer deskriptiv-kritischen Ebene – inklusive Darstellung der Big-Tech-Ideologie des Solutionismus, AGI und des Transhumanismus –, womit die Frage nach dem „Was tun?“ dann förmlich in der Luft lag. Immer wieder war in seinem Vortrag auch ein Vergleich zwischen Mensch und Maschine angeklungen, was ich bei mir gut aufgreifen konnte.

Beginn meines Impulses war eine körperliche Übung – für mich eine Premiere in einem relativ formalen Vortragssetting: Ich lud dazu ein, sich im Raum zu verankern durch Kopfbewegungen in alle Richtungen und anschließend aufzustehen, um sich gemeinsam zu „schütteln“. Also: einfach mit Bewegungen in den Beinen zu beginnen und darüber den ganzen Körper in Bewegung zu bringen. Sinn der Übung war, ganz bewusst den Unterschied wahrnehmen zu können, wie solch ein Einbezug des Körperlichen (und vor allem auch das bewusste „Ausschütteln“) es einem ermöglicht, sich sicher und verankert für Neues zu öffnen und so Lernen zu ermöglichen.

Inhaltlich spannte ich dann anschließend den Bogen von der Akzeptanz der uns umgebenden Realität und der damit immer verbundenen Möglichkeit zu Veränderung durch unser eigenes Handeln hin zum Appell für einen groß gedachten pädagogischen Nordstern einer l(i)ebenswerten Welt, was keine Abkehr von Technologie, sondern ihre gemeinwohlorientierte Gestaltung bedeutet.

Sehr konkret zeigte ich hier, dass auch und gerade in einem monopolisierten und nach Verwertbarkeit strukturierten Internet immer wieder menschliche Kreativität und Potentiale durchschimmern:

  • Zum Beispiel in Form von Internetquatsch-Anwendungen als für mich weiterhin bestes Beispiel für kreative Netzkultur und Freiräume.
  • Zum Beispiel mit dem Fediverse als eine alternative Form von Social Media, die demokratisch gestaltet ist und menschliche Bedürfnisse aufgreift und erfüllt, anstatt sie im Interesse von Verwertbarkeit zu kapern.
  • Und auch bei der aktuellen Möglichkeit von KI-Technologie, die im Sinne einer Resonanzmaschine anstelle einer Antwort- und Generierungsmaschine auch gemeinwohlorientiert mit einer digitalen Allmende als Datenbasis gedacht werden könnte.

Um in diese Richtung (medien)-pädagogisch zu wirken, gilt es, sich die Begrenztheit unseres gegenwärtigen Bildungssystems, wie es immer noch vorherrschend ist, wahrzunehmen, zu hinterfragen und zu ändern. Ich habe dazu diese Zusammenstellung vorgestellt:

Um ins Gestalten zu kommen, war meine Empfehlung „Mehr Gutes nähren, statt Schlechtes bekämpfen“. Wer mag, findet hier gerade ganz viel Bestärkung aus unterschiedlichsten Richtungen. (Ich habe den Papst zitiert, auf die OERcamp-Werkstatt am letzten Wochenende und viele weitere Communities und Netzwerke verwiesen sowie auf Initiativen wie die Inner Development Goals.)

Speziell in Hinblick auf KI-Technologie tun wir hier gut daran, uns als Menschen nicht in eine Konkurrenz und einen Wettlauf mit Maschinen zu begeben, sondern uns auf unsere grundlegenden, menschlichen Fähigkeiten zu besinnen, wozu es von Ulrike Linz das Konzept der Deep Skills gibt, auf dem mein Vortrag auch ansonsten stark aufbaute.

Nachdem wir bereits körperlich eingestiegen waren, habe ich passend zu diesem Deepskilling-Ansatz dann auch zum Abschluss eine Übung empfohlen, die man immer wieder in seinen pädagogischen Alltag integrieren kann, um mit dem eigenen Handeln einen Unterschied machen zu können für l(i)ebenswerte Zukünfte:

  • Innehalten: Wir Menschen können das!
  • Verbinden: Du bist Teil!
  • Ausrichten: In die Zukunft lehnen!

Danke für die spontane Einladung – und vor allem den sehr guten und spannenden Austausch im Anschluss mit so vielen Teilnehmenden. Es war mir eine große Freude!