Slow AI: Just this once!

Im immer wieder empfehlenswerten Newsletter ‚Thinking Things‘ habe ich in der letzten Ausgabe dieses „Slow AI“-Spiel entdeckt: Just this once!

Slow AI ist eine Initiative von Sam Illingworth, der sich mit kritischer KI-Kompetenz beschäftigt. Vor diesem Hintergrund zielen die von ihm unter dem Begriff „Slow AI“ entwickelten Ressourcen und auch sein gleichnamige Buch darauf ab – im unübersichtlichen Diskurs zwischen der Einordnung von KI-Technologie als Rettung oder Untergang – einen mündigen, selbstbestimmten Umgang zu erlernen. Weniger im Blick ist somit die Gestaltung, Reflexion und Hinterfragung der Technologie insgesamt. Wenn einem diese Perspektive bewusst ist und man in diesem Sinne dazulernen will, dann finde ich seine Ressourcen sehr hilfreich.

Ein Beispiel hierfür ist Just this once. In dem sehr minimalistisch gestalteten, englischsprachigen Spiel begegnet man verschiedenen Herausforderungen, die einen im Laufe eines ganz normalen Tages im Büro ereilen können. Zu jeder Herausforderung bekommt man jeweils mehrere Auswahloptionen, inwieweit man KI nutzen will oder auch nicht. Am Ende bekommt man eine Auswertung, wie man vorgegangen ist und was wahrscheinlich hilfreich war und was nicht.

Ich fand beim Durchspielen zwei Sachen aufschlussreich:

  1. Mit dem Kopf erschien es mir eigentlich immer sehr klar, was die wahrscheinlich stimmige Antwort wäre. Trotzdem sind die Situationen so formuliert, dass man sich leicht ertappt fühlt und manches Mal vielleicht denkt: Wahrscheinlich hätte ich hier (weil zu wenig Zeit, weil nicht so wichtig oder warum auch immer) doch eine eigentlich unsinnige Wahl getroffen.
  2. Die angebotenen Optionen sind nicht in dem Sinne einfach gestrickt, dass sie entweder „Ich mache es selbst“ oder „Ich lasse es von KI schreiben“ vorschlagen, sondern auch unterschiedliche KI-Nutzungsmöglichkeiten anbieten. Und – gerade hier geht das Spiel aus meiner Sicht über andere Angebote hinaus – auch ganz andere Alternativen anbieten.

Zum zweiten Aspekt ist hier ein Beispiel aus dem Spiel: Wenn die Mutter um Hilfe beim Schreiben einer Kondolenzkarte für eine Freundin bittet, deren Mann gestorben ist, weil sie das nicht hinbekommt, gibt es natürlich die Option, das von einem KI-Modell generieren zu lassen oder der Mutter selbst einen Vorschlag zu schicken. Ganz genau so könnte man aber auch das Handy zur Hand nehmen, die Mutter anrufen und nachfragen, warum sie sich mit dem Schreiben so schwer tut, und sie bestärken, sich Zeit für Trauer zu nehmen und selbst etwas zu schreiben. Und sie bestärken, dass sie ganz sicher ihre, und damit die richtigen, Worte finden wird.

Vielleicht hat ja jemand Lust auf eine Weiterentwicklung und Übertragung des Spiels in den Bildungskontext. Das wäre sicherlich eine lohnende Sache!

#KünstlicheIntelligenzKI