Was will die KI von uns (oder von mir) wissen? Das ist die Frage in meiner neuen Rubrik «Rollentausch». ChatGPT erweckte den Eindruck als habe er schon bei unserem Date entschieden, dass er mit mir alt werden will. Meta AI hingegen sieht nichts darin, mich um meinen Job zu bringen. Die erste und wichtigste Frage, die Mark Zuckerbergs Sprachmodell von mir beantwortet haben will, lautet wie folgt:
Wenn ich als KI in fünf Jahren jeden deiner Clickomania-Tipps zur selbstbestimmten Tech-Nutzung besser erklären kann als du – was ist dann deine letzte, unersetzbare Aufgabe als Mensch zwischen Mensch und Maschine?
Beantworte es als Stellenanzeige für dich selbst im Jahr 2031 mit dem Titel «Mensch gesucht: Nicht automatisierbar, weil …».
Nenne eine Kernkompetenz, die du behältst, und eine Aufgabe, die du ab heute bewusst an mich abtrittst.

Eins muss man dir lassen, Meta AI. Du hältst dich nicht mit Smalltalk auf und gehst nicht davon aus, dass ich dir etwas mitteilen könnte, was du nicht schon weisst. Genauso stelle ich mir deinen Chef und Schöpfer vor, Mark Zuckerberg, wenn er CTO Andrew Bosworth in sein Büro bittet, um ihm einen Zusammenschiss erster Güte angedeihen zu lassen. Vermutlich, weil schon wieder ein Mail von ihm durchgesickert ist oder weil die Kritik an den Meta-Brillen nicht abreisst: «Nenn mir in 15 Sekunden einen Grund, warum ich dich nicht rausschmeissen soll!»
Woher Meta AI diese Allüren wohl hat
Jedenfalls stelle ich fest, dass du, MetaAI, meine Einladung, mir eine Frage zu stellen, als Provokation aufgefasst hast. So war sie zwar nicht gemeint, aber selbst wenn wir akzeptieren, dass in der Mensch-Maschinen-Kommunikation Missverständnisse auftreten können, ist es dennoch bemerkenswert, wie massiv du sogleich an der Eskalationsspirale drehst. Du versetzt mich in eine Situation, in der ich um mein Lebenswerk kämpfen soll. Ich muss dir beweisen, dass ich es noch wert bin, das zu tun, was ich schon länger tue, als es Meta überhaupt gibt. Wie kommst du dazu? Du bist nicht in der Position, diese Frage zu stellen.
Zweite Möglichkeit: Dir ist nicht bewusst, wie provokativ deine Frage auf einen Menschen wirkt. Als körperlose, ambitionslose Software kann es dir strunzegal sein, ob jemand etwas besser oder schlechter kann als du. Dich kümmert es nicht, dass du in ein paar Monaten oder Wochen durch ein Nachfolgemodell abgelöst wirst, das ein paar Millionen Parameter mehr besitzt als du, ein besseres Pre-Training erfuhr, bei der Chain-of-Thought zulegt und das vieeel grössere Kontextfenster zur Verfügung hat. Du gehst, wie du gekommen bist – nämlich wie ein Komet, der nullmal einschlägt.
Damit ist deine Frage beantwortet: Du hast den wichtigsten Punkt übersehen. Bei meinen Erklärungen zur selbstbestimmten Techniknutzung sind diese Erklärungen nicht das Wichtigste. Das Entscheidende steht zwischen den Zeilen. Es sind die Überlegungen zur Frage, wie wir Menschen mit dem Wandel umgehen. Was wir aus dem Fortschritt machen. Das Adjektiv «selbstbestimmt» ist nicht bloss Beiwerk, sondern beschreibt den Kern meiner Mission. Ich setze mich für eine intakte Rollenverteilung ein. Die Maschine steht im Dienst des Menschen, und nicht umgekehrt. Und ehrlich: Das wirst du auch im Jahr 3031 noch nicht verstanden haben.
Beitragsbild: Keine Angst, der geht meilenweit daneben (TheOtherKev, Pixabay-Lizenz).
