Verhilft uns die künstliche Intelligenz zu hübscheren Präsentationen? Dieser Frage ging ich Ende Juli nach. Gemini in Google Slides und Copilot in Microsoft Powerpoint mussten gegeneinander antreten. Das Fazit seinerzeit: Microsoft gewann haushoch. Insgesamt sind die Ergebnisse gegenüber einer lieblos selbst hingerotzten Gestaltung zwar eine Verbesserung, aber sonderlich berauschend ist diese KI-Gestaltung nicht.

Die Frage liegt auf der Hand: Lässt sich das Resultat mit einem ausgeklügelten Prompt verbessern? Meinen Vergleich unternahm ich mit der Standardanweisung von Google, die sehr allgemein formuliert ist: «Gestalten Sie diese Folie neu, um den Inhalt möglichst wirkungsvoll zu vermitteln. Bevorzugen Sie gut strukturierte visuelle Layouts.»

Darum heute ein Vergleich mit sechs anspruchsvolleren Prompts. Ich verwende die auf einer real existierenden Präsentation, die ich bei beiden Programmen mit den exakt gleichen Prompts verwende. Zugegeben passt die gestalterische Vorgabe nicht immer exakt zum Inhalt. Meistens aber schon. Und überhaupt ist es aufschlussreich, zu sehen, wie die Modelle mit schwierigen bis widersprüchlichen Aufgaben umgehen.

Das ist das Resultat:

1) Minimalistisches Layout

Illustration eines Roboters mit mechanischen Gliedern und verschiedenen technischen Geräten, umgeben von geometrischen Mustern. Text auf der linken Seite thematisiert die Rolle der KI in der Arbeitswelt.
Gemini: Der minimalistische Anspruch wäre erfüllt, wäre da nicht die Textzeile in kleiner Schrift, die zu nah am vierzeiligen Absatz klebt.
Bild eines künstlerischen Entwurfs, der eine humanoide Maschine mit Computerkomponenten zeigt. Text über die Auswirkungen von KI auf Arbeit, Alltag und Denken. Farbige, geometrische Hintergründe.
Copilot: Die Grundidee ist in Ordnung, aber die Typografie ist es nicht – man beachte den Zeilendurchschuss.

Beide Modelle entscheiden sich, das in der Ursprungsversion vorhandene Bild beizubehalten. Mir gefällt die Variante von Gemini besser; sie ist prägnanter und wirkt mehr aus einem Guss als Copilots verzettelte Anordnung.

Der Prompt für diese Varianten lautet:

Gestalte diese Folie in einem minimalistischen Executive-Layout neu. Reduziere den Text auf eine Kernbotschaft, betone die wichtigste Kennzahl mit fetter, extragrosser Typografie und maximiere den Weissraum für sofortige Klarheit.

2) Editorial Story

Alt-Text: Grafik zur digitalen Revolution mit einem Hand-Symbol und Netzwerkverbindungen. Gezeigt werden zwei Meilensteine: DALL-E (März 2021) und ChatGPT (Dezember 2022).
Gemini: Gemini verwendet ein selbst generiertes Bild. Das Motiv ist jedoch an Belanglosigkeit nicht zu überbieten.
Alt-Text: Zwei Screenshots zeigen Artikel über den Einfluss von KI auf Kreativität. Links ein Bildgenerator, rechts eine Übersicht über Entwicklungen von 2021 bis 2022.
Copilot: Diese Gestaltung erfüllt die Anforderung, mit der kleinen Einschränkung, dass die Legende für den rechten Screenshot verloren ging.

Beide Modelle erfüllen die Aufgabe gut: Diese Gestaltung wirkt redaktionell, mit einer journalistischen Anmutung. Im Detailvergleich gewinnt Copilot, weil er die beiden Bildelemente des ursprünglichen Entwurfs beibehält.

Der Prompt für diese gestalterische Spielart:

Gestalte diese Folie in eine redaktionelle visuelle Geschichte um. Platziere eine markante visuelle Metapher oder Grafik auf der einen Hälfte und kombiniere sie mit einer prägnanten, auf zwei Punkte begrenzten Erzählstruktur auf der anderen.

3) Grid und Process Flow

Eine Präsentation über die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. Drei Abschnitte beschreiben die Grundidee der 1950er, die KI-Eiszeit und den Durchbruch mit entscheidenden Faktoren.
Gemini: Kein Flow und nur minimale Änderungen am Originallayout.
Diagramm zur Entwicklung der Künstlichen Intelligenz von den 1950er Jahren bis heute, mit den Phasen: Grundidee, KI-Eiszeit und Durchbruch ab 2012.
Copilot: Der «Flow» ist einwandfrei umgesetzt.

Ein historischer Ablauf eignet sich für die gewünschte Darstellungsweise, auch wenn es sich nicht um einen Prozess im strengen Wortsinn handelt. Die Variante von Copilot ist, besser, weil sie mittels Pfeilen das Nacheinander dieser einzelnen Blöcke betont und diesen Aspekt mit Jahreszahlen unterstreicht. Die Variante von Gemini ist wegen der inkonsistent, weil im dritten Kästchen Aufzählungspunkte erscheinen, die den ohnehin deutlich längeren Text noch wuchtiger erscheinen lassen.

Ordne diese Folie in einem übersichtlichen, dreispaltigen Kachelraster oder einem horizontalen Prozessablauf neu an. Verwende Symbol-Überschriften und klare Kartengrenzen, um Vergleiche oder Schritte systematisch darzustellen.

4) Visuelle Hierarchie

Übersicht mit Tipps zur Nutzung von Chatbots im Alltag. Drei Stufen werden vorgestellt: Business- & Enterprise-Tarife, Datenschutz beachten und Parallel-Nutzung von KI-Vielfalt.
Gemini: Die Google-KI kehrt die Gewichtung um – was okay wäre, wenn die Elemente tatsächlich als Pyramide in Erscheinung treten würden.
Infografik mit Tipps zur Nutzung von Chatbots. Themen: mehrere KIs vergleichen, Datenschutz beachten und passendes Abo wählen (privat oder business). Hintergrund in Gelb.
Copilot: Die Striche wirken seltsam, aber die Absicht ist erkennbar.

Keines der Sprachmodelle fertigt aus den drei Elementen eine Pyramide. Zugegeben, diese drängt sich bei den Tipps nicht auf, da sie isoliert zu stehen scheinen. Aber natürlich lassen sich diese Aspekte in Verbindung setzen und mit einer Gewichtung versehen: Wenn ich mit dieser Aufgabe konfrontiert wäre, würde ich den Datenschutz zuunterst als nicht zu diskutierende Grundlage setzen, dann das richtige Abo als weitere Vorbedingung darüber anordnen und zuoberst die experimentelle Herangehensweise platzieren; gewissermassen als Kür.

Die Variante von Copilot mit dem Kreis und den damit verbundenen Kästchen ist eine akzeptable Abwandlung dieser Vorgabe. Gemini verhaut die Aufgabe komplett. Es gibt keine sichtbare Hierarchie und obendrein bringt Googles KI die ursprüngliche Reihenfolge willkürlich durcheinander.

Wandle diese Folie mithilfe einer Pyramide, einer Schichtstruktur oder eines Hub-and-Spoke-Diagramms in eine visuelle Hierarchie um. Gruppiere verwandte Ideen, zeige deren Beziehungen klar auf und ersetze erklärenden Text durch kurze Bezeichnungen.

5) Vorher und nachher

Vergleich von zwei Zukunftsszenarien zur künstlichen Intelligenz: Links Utopie mit automatisierter Gesellschaft, rechts Dystopie mit existenziellen Bedrohungen und Kontrollverlust.
Gemini: Der Kontrast und die roten Symbole sind wirkungsvoll.
Grafik mit zwei extremen Sichtweisen zur Technologie: links Utopie mit Maschinen, die uns versorgen, rechts Dystopie mit Warnungen vor Kontrolle und Gefahren durch Technologie.
Copilot: Die Gegenüberstellung ist gelungen, auch wenn die dunklen Aufzählungspunkte auf dem schwarzen Hintergrund kaum zu erkennen sind.

Es handelt sich bei der Ausgangsfolie um ein Entweder-oder, nicht um ein Vorher-Nachher. Trotzdem sind beide Visualisierungsformen eng verwandt, weil sie eine Gegenüberstellung bzw. einen Kontrast abbilden. Copilot löst diese Aufgabe gut: Der rote «Versus»-Kreis verdeutlicht die Konfrontation. Gemini verwendet zwei Symbole, die weniger einleuchtend sind und als Gegensatzpaar nicht funktionieren.

Gestalte diese Folie als überzeugenden Vorher-Nachher-Vergleich neu. Verwende eine starke visuelle Trennung, hebe die wichtigsten Änderungen hervor und reduziere jede Seite auf maximal drei prägnante Punkte.

6) Data Narrative

Diagramm zur Rolle der KI als Werkzeug. Es wird betont, dass KI zwar leistungsfähig ist, aber menschliche Führung benötigt und nicht als Wundermittel oder Bedrohung fungiert.
Gemini: Daten sind nicht mit im Spiel, aber die Visualisierung ist nicht verkehrt.
Diagramm über die Nutzung von KI-Chatbots in der Schweiz. Die Nutzung steigt von 49.7 % (2024) auf 76.1 % (2026), mit einem Anstieg von 26 Prozentpunkten in zwei Jahren.
Copilot: Microsofts KI sucht nach einer Statistik, um die Anforderung einer Datengeschichte zu erfüllen.

Kann man einen Sachverhalt anhand von Daten berichten, wenn auf der Ursprungsfolie überhaupt keine Daten vorhanden sind? Copilot löst die Aufgabe vorbildlich: Microsofts KI recherchiert automatisch passende Zahlen und fügt sie als Diagramm ein. Alles, was wir noch tun müssten, wäre, diese Statistik zu überprüfen.

Es ist nicht zu bestreiten, dass die ursprüngliche Aussage – KI ist weder Heilsbringer noch Weltzerstörer – bei Copilots Variante komplett in den Hintergrund rückt. Geminis Variante bleibt näher am Original und visualisiert zwar nicht mit Daten, aber mit einer Art Positionsstrahl. Das impliziert wiederum eine Datengrundlage, die es nicht gibt.

Um eine «Datengeschichte» zu erzählen, hätten wir selbst nach der passenden Studie recherchieren müssen. Das wäre kein Problem gewesen, denn Umfragen, wie die Stimmung gegenüber der künstlichen Intelligenz ist, gibt es zur Genüge (hier oder hier).

Verwandle diese Folie in eine datengestützte Geschichte. Wähle das am besten geeignete Diagramm aus, entferne unwichtige Details, hebe den wichtigsten Datenpunkt farblich und mit Anmerkungen hervor und füge eine kurze Kernaussage als Überschrift hinzu, die die Erkenntnis auf den Punkt bringt.

Fazit

Wiederum gewinnt Copilot mit fünf Treffern deutlich vor Gemini mit nur einem Punkt bei der ersten Aufgabe. Das Verdikt zu den Resultaten ist durchwachsen: Ein paar Entwürfe sind gelungen, doch bei den meisten Aufgaben wäre mehr herauszuholen gewesen.

Eines scheint mir klar: Es lohnt sich, ein bisschen Energie in einen Prompt zu stecken, der die eigenen gestalterischen Vorlieben und Ansprüche auf den Punkt bringt. So trumpfen wir zwar nicht durch eigene Designkünste auf, können den Folien aber indirekt eine gewisse persönliche Note verleihen.

Doch bevor ihr fragt: Meinen persönlichen Liebings-Gestaltungs-Prompt werde ich für mich behalten werde ich euch bei Gelegenheit in Teil 3 dieser grossen Design-Saga präsentieren!

Beitragsbild: Wenn die Präsentation zur Atmosphäre und zum Raum passen soll, dann muss der Prompt auf eine coole, moderne Gestaltung im Industriechick hinwirken (Matheus Bertelli, Pexels-Lizenz).