Das neue VPN in Firefox: Für Gelegenheitsanwender eine gute Wahl

In Firefox gibt es einen interessanten Neuzugang: ein VPN. Eigentlich handelt es sich um einen alten Bekannten, den es seit 2020 gibt und den ich damals schon vorgestellt habe. Der Unterschied ist nun, dass dieses Virtual Private Network nun Mozilla VPN heisst und nicht mehr separat installiert werden muss. Es steckt direkt im Browser und steht maximal unkompliziert über die Symbolleiste zur Verfügung.

Theoretisch, zumindest. Praktisch wird diese Neuerung stufenweise auf die Nutzerschaft verteilt, sodass es bei manchen bereits zur Verfügung steht, bei anderen nicht. In meinem Fall habe ich auf einer meiner Firefox-Installationen schon vor Wochen eine entsprechende Mitteilung erhalten, aber ohne den Knopf zu Gesicht zu bekommen. Dafür ist er bei zwei anderen Installationen aufgetaucht – ohne Hinweis.

Screenshot eines VPN-Statusfensters. Es zeigt an, dass der VPN aktiviert ist, mit verbleibendem Datenvolumen von 50 GB. Standort ist Österreich. Optionen zum Deaktivieren des VPN und Einstellungen sind vorhanden.
Über dieses Pop-up wird das VPN ein- und ausgeschaltet.

Unter der Annahme, dass früher oder später alle Userinnen und User in Genuss dieser Neuerung kommen werden, hier ein erster Testbericht und meine Einschätzung: Die grosse Stärke ist die einfache Benutzbarkeit: Um die Umleitung des Datenflusses zu aktivieren, braucht es (nach einer Aktivierung bei der ersten Nutzung) bloss zwei Klicks. Erstens klicken wir auf den VPN-Knopf in der Symbolleiste, zweitens betätigen wir den Befehl VPN aktivieren im Pop-up-Fenster.

Zwei Klicks reichen für die Aktivierung

Falls wir die Wahl des Servers für die Zwischenstation des Datenflusses nicht der Software überlassen möchten, benötigen wir zwei Klicks mehr: erst auf Standort und anschliessend auf das gewünschte Ziel aus der Liste. Zur Auswahl stehen 27 Länder¹, darunter die USA, UK und Deutschland. Das ist nicht so umfangreich wie bei anderen Anbietern, aber für die sporadische Nutzung ausreichend. Mein Hauptzweck ist die Umgehung von Geosperren, vor allem für den Test von neuen Webanwendungen, die die Schweiz mit einer Verzögerung erreichen.

Beim Test funktioniert die Verbindung einwandfrei und ohne spürbare Verzögerung. Eine Messung der Geschwindigkeit zeigt allerdings, dass die Daten nur noch ungefähr mit einem Drittel der Geschwindigkeit fliessen². Das ist im Rahmen dessen, was ich bei anderen VPN-Anbietern beobachtet habe.

Screenshot eines Speedtests mit Download-Geschwindigkeit von 263,25 Mbps und Upload-Geschwindigkeit von 173,56 Mbps. Zusätzlich Informationen zu Ping und Verbindungen sind sichtbar.
Die Geschwindigkeitsmessung zeigt eine deutliche Verlangsamung. Gleichzeitig liefert sie die Bestätigung, dass der angepeilte VPN-Server tatsächlich in Österreich steht.

Ist Mozilla VPN ein Grund, NordVPN in die Wüste zu schicken?

Damit sind wir bei der entscheidenden Frage: Ist dieses in Firefox eingebaute VPN eine Alternative zu den bekannten kommerziellen Lösungen wie NordVPN? Bei diesem Anbieter habe ich mein Abo nach einer längeren Nutzung nicht mehr erneuert. Stattdessen setze ich seitdem sporadisch auf AirVPN.

Die Antwort lautet wie immer: Es kommt darauf an:

Für Gelegenheitsnutzerinnen und -nutzer finde ich Mozillas Lösung einwandfrei und grosszügig: Es gibt ein Datenvolumen von 50 GB pro Monat geschenkt. Das reicht für meine Zwecke allemal, aber es ist zu wenig, um das VPN ständig eingeschaltet zu lassen oder seinen Streamingkonsum darüber abzuwickeln. Für diese Zwecke benötigt man das Abo, das knapp 72 Franken im Jahr oder 11 Franken im Monat kostet. Dafür können bis zu fünf Geräte verbunden werden und es stehen 500 Server in über 30 Ländern zur Verfügung.

Hinweis dazu: Hinter dem Mozilla VPN steckt der schwedische Betreiber Mullvad. Mehr dazu gibt es auch im Beitrag Wie ein VPN das Surfen sicherer macht – oder selbst zum Risiko wird.

Mit dem Abo wird auch das grösste Manko dieser Lösung ausgeräumt: Das in Firefox integrierte VPN leitet nur den Datenverkehr aus Firefox über die Relaisstation. Die Kommunikation der anderen Anwendungen und des Betriebssystems wird weiterhin direkt abgewickelt. Das gilt insbesondere für eine Streaming-App wie Netflix und einen allfälligen Bittorrent-Client. Wenn wir das VPN zum Schutz der Privatsphäre verwenden, dann reicht das nicht – allerdings halte ich meine Empfehlung aufrecht, dass ich für diesen Fall das Tor-Netzwerk empfehle.

Ein starkes Argument für Firefox

Fazit: Wer wie ich bloss kurzfristig seinen Standort verschleiern will, für den ist die Browser-Integration ideal. Es braucht nur ein paar Klicks, um das VPN zu aktivieren. Das geht schneller, als die Netzwerkeinstellungen des Betriebssystems zu ändern, ein Zertifikat zu installieren oder ein Dienstprogramm in Betrieb zu setzen. Für die meisten anderen Anwendungsfälle ist dieser Aufwand aber unumgänglich. Ich habe allerdings meine Zweifel, ob das der ganzen Firefox-Anwenderschaft bewusst ist.

Die Koppelung an den Browser hat einen weiteren interessanten Nebeneffekt: Das Firefox-VPN lässt sich für gewisse Websites deaktivieren. Dazu klicken wir im VPN-Pop-up auf Einstellungen oder begeben uns zu about:preferences#privacy. Via Website-Einstellungen verwalten wir die Ausschlussliste für Websites, auf denen wir unsere wahre Herkunft nicht verschleiern wollen – typischerweise, weil wir ihnen vertrauen oder mit Gegenmassnahmen wie Captchas oder Vollblockaden konfrontiert werden.

Screenshot eines Browser-Einstellungsfensters, das Optionen für VPN-Vorgaben, monatliche Datenlimits und die Verwaltung von Website-Einstellungen zeigt.
Über die Einstellungen können einzelne Websites direkt angesteuert werden.

Auch das ist unkompliziert zu managen und sinnvoll. Ich wünsche mir allerdings die umgekehrte Funktionsweise: ein standardmässig ausgeschaltetes VPN, das sich automatisch auf gewissen Websites aktiviert. Das wäre eine äusserst wirksame Massnahme gegen Geoblockaden im Web.

Eines ist klar: Das VPN ist ein starkes Argument für Firefox inbesondere gegenüber Google Chrome und Edge von Microsoft.

Fussnoten

1) Namentlich Australien, Belgien, Bulgarien, Chile, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Singapur, Spanien, Südafrika, Thailand, die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich.

2) Mit VPN sind es 263,25 Mb/s für den Download und 173,56 Mb/s für den Upload, ohne beträgt die Datenrate 845,25 Mb/s für den Download und 841,47 Mb/s beim Upload.

Beitragsbild: Ein Tunnel, allerdings für Züge und nicht für Datenpakete (Redd Francisco, Unsplash-Lizenz).

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