Ein Smartphone-Gefängnis für Leute ohne Selbstdisziplin (wie mich)

Dieses Gadget ist mir peinlich. Es ist ein beredter Zeuge meiner Willensschwäche. Der einzige Trost ist, dass es nicht nur mir so geht – denn allein meinetwegen wurde dieser Gegenstand hier nicht hergestellt.

Das Gadget heisst Keepin Box. Es wird umgangssprachlich auch «Handy-Gefängnis» genannt und kostet um die vierzig Franken. Bei Apfelkiste gibt es exakt meine Variante in Blau. Bei Amazon wird dieses Produkt als «derzeit nicht verfügbar» gelistet. Das macht aber nichts, weil genügend Alternativen existieren. Hier zum Beispiel eine, die meiner Variante sehr ähnlich sieht und für 27 Euro zu haben ist.

Resozialisiert wird nicht das Telefon, sondern dessen Besitzer

Der Zweck dieses «Gefängnisses» besteht darin, uns tatkräftig dabei zu unterstützen, nicht unnötigerweise zum Handy zu greifen. Wenn wir beispielsweise mit der Familie zusammensitzen oder uns einen Film ansehen und das Gefühl haben, dass längst der Second Screen der dominierende ist, dann nehmen wir das Smartphone, stecken es in die Box, geben die Länge der «Haftstrafe» vor und verriegeln die Box. Ein Display zeigt an, wie lange das Telefon unzugänglich ist (es sei denn, wir betätigen uns als gewaltsame Fluchthelfer).

Eine Hand berührt ein modernes, blaues Gerät mit dem Aufdruck «KEEPIN BOX», das auf einer dunklen Oberfläche liegt. Ein Kabel ist angeschlossen. Hintergrund unscharf.
Es bringt nichts, nach dem iPhone zu greifen: Bis zum Ablauf des Countdowns ist es in der Box eingesperrt. Man beachte: Über das Kabel rechts lässt es sich während der Auszeit aufladen.

Bemerkenswert sind folgende Dinge:

  • Am unteren Ende hat die Box ein Loch, durch das wir ein Stromkabel ins Innere führen. Das Handy lässt sich während seiner Auszeit aufladen.
  • Auf der Hinterseite gibt es ein blumenförmiges Loch, das mit einer Gummiabdeckung versehen ist. Richtig eingeführt, wären dort die Knöpfe zu finden, mit denen wir einen Anruf annehmen könnten. Ich stellte mir das schon so vor, dass wir nach Annahme eines Anrufs in die Box reinschreien, man solle es in x Minuten gefälligst noch einmal probieren. Aber nein, wir nehmen an und telefonieren mit drahtlosen Ohrstöpseln.
  • Es gibt eine sofortige Entriegelung für Notfälle, die aber nur zweimal betätigt werden kann.

Die Handhabung ist simpel: Wir stecken das Telefon in die Box, verbinden es bei Bedarf mit unserem Ladekabel, schliessen den Deckel und stellen über den grossen runden, auf der Vorderseite angebrachten Knopf die Zeitdauer der Verriegelung ein. Jedes Mal drücken erhöht die Dauer um fünf Minuten. Zweimaliges schnelles Drücken bewirkt eine Erhöhung um eine Stunde. Langes Drücken des grossen Knopfs schliesst die Eingabe ab.

Ist der Countdown hinterlegt, gibt es eine Gnadenfrist bis zur Verriegelung von fünf Sekunden. Die können wir nutzen, um es uns anders zu überlegen und den kleinen Knopf an der rechten Seite zu betätigen. Ansonsten macht es Klack, und das Schloss ist zu.

Der Geist ist willig, doch der Touchfinger ist schwach

Und ja, das ist albern: Man sollte meinen, ein erwachsener Mensch sei in der Lage, sich via Bildschirmzeit, über das Auszeit-Feature oder die tolle Forest-App zu disziplinieren. Bei mir klappt das manchmal besser, manchmal schlechter. Der Vorteil der Box ist das physische Wegsperren: Das ist auch für uns digitalaffine Menschen ein deutlicheres Signal, dass das Handy jetzt nicht gefragt ist, als all die digitalen Methoden.

Darum das Bekenntnis, dass mir die Box hilft. Ein Tipp noch, wie man nicht auf alle Smartphone-Möglichkeiten verzichten muss. Über die drahtlosen Kopfhörer oder per Siri können wir nach wie vor gewisse Interaktionen vornehmen, etwa ein Hörbuch, einen Podcast oder eine Spotify-Playlist zu starten. Wenn wir uns etwas anhören möchten, ist es wichtig, den entsprechenden Inhalt kurz anzuspielen, bevor wir das Handy wegschliessen. Dann führt ein Druck auf den Play-Knopf am Kopfhörer dazu, dass die Wiedergabe fortgesetzt wird.

Wir können ansonsten versuchen, Siri dazu aufzufordern, Audio über eine bestimmte App wiederzugeben (siehe dazu: Siri und Spotify und How to set a preferred music app for Siri on iPhone). Dummerweise funktioniert das nicht hervorragend. Frustpotenzial ist vorhanden, und darum bleibt es der bessere Weg, die Musik, das Hörbuch oder den Podcast abspielbereit vorzuhalten.

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Beitragsbild: Die Keepin Box mit laufendem Countdown: Noch gut 35 Minuten sind auszuharren.