Mit einer leichten Verzögerung von schlappen 46 Jährchen komme ich dazu, ein Gadget zu besprechen, das in meiner Mediennutzung eine zentrale Rolle einnimmt und zu meinen Gerätschaften mit der längsten Nutzungsdauer gehört. Es handelt sich um einen Vertreter der Kategorie der Radiorekorder mit der Produktbezeichnung Asahi RD-740, der hierzulande unter dem Label Fair Mate von der Migros in den Handel gebracht wurde.

Ich erwarb ihn Anfang der 1980er Jahre für rund 200 Franken. Das Anschaffungsdatum lässt sich nicht mehr exakt bestimmen, aber der Kauf erfolgte definitiv vor dem 1. November 1983. An diesem Datum ging DRS3 auf Sendung, was mir die Gelegenheit gab, endlich einen Vorteil aus der Stereowiedergabe dieses Geräts zu ziehen. Denn Radio 24 war im Zürcher Weinland nicht zu empfangen und SWF3 schien mir oft zu exotisch. Daher hörte ich trotz der oft schwer erträglichen Musikauswahl das nur in Mono sendende erste Programm des Schweizer Radios (DRS1).

Alles, was man sich fürs Jugendzimmer wünscht

Dieses elegante Gerät verdient eine hervorragende Gesamtnote: Es umfasst die wesentlichen Features, die man sich für sein Jugendzimmer wünscht: Es ist für alle vier Radiobänder gerüstet, wobei sich der Senderwahlschalter mit den Positionen FM, LW, MW und SW auf der schmalen Seite rechts unterhalb des grossen Drehrads für die Frequenzwahl befindet. Das Gerät gibt Kompaktkassetten wieder, wobei der analoge, dreistellige Bandzähler selbstverständlich keinen Bezug zu einer Masseinheit wie Sekunden hat, sondern rein auf den Umdrehungen des Wickeldorns basiert.

Eine Illustration eines tragbaren Kassettenrecorders mit Antenne, Bedienelementen für Lautstärke und Ton sowie zwei Lautsprechern. Das Design ist retro und stilisiert.
Der Radiorekorder Asahi RD-740, in der Schweiz unter dem Handelsnamen Fair Mate bei Migros erhältlich. Anhand von Fotos von Ricardo von Nano Banana toll umgesetzte Illustration, die indes einen Fehler aufweist: Der rote Skalenzeiger beim Frequenzband rechts kann keine unterschiedliche Position für FM/LW und MW/SW haben, weil es sich um ein durchgängiges Stäbchen handelt, das mittels Seilzug horizontal bewegt wurde.

Besonders herauszustreichen sind die sechs roten LED-Lämpchen, die prominent auf dem schmalen, durch zwei schwarze Bänder akzentuierten, etwas heller silbern glänzenden Frontpanel prangen. Die fünf Lämpchen links geben den Pegel der Wiedergabe an (Level), können durch den linken der drei Kippschalter jedoch zur Anzeige der Stärke des Radiosignals (Tune) und zum Ladestand der Batterie (Batt) verwendet werden. Das sechste LED-Lämpchen, das neben der Empfangsskalen der Radiobänder platziert ist, signalisiert den Empfang von FM-Stereo. Übrigens: Der zweite der drei Kippschalter schaltet von Mono auf Stereo um. Die dritte Position ist Stereo Wide, sie erhöht die Trennung zwischen den beiden Kanälen künstlich.

Zu den weiteren Stärken des Geräts zählen die beiden Mikrofone rechts und links. Sie gewährleisten die Aufzeichnung von eigenen Hörspielen im Kinder- und Jugendzimmer. Und bevor ihr fragt: Nein, leider sind keine historischen Aufnahmen erhalten geblieben. Unbedingt erwähnenswert sind ausserdem die Anschlüsse, zu denen eine fünfpolige DIN-Buchse zählt. Über ein (damals schwer erhältliches) Adapterkabel mit Cinch-Anschlüssen konnte ich den Rekorder an den Verstärker der väterlichen Stereoanlage anschliessen und Schallplatten überspielen. Dafür schätze ich, wie mobil das Gerät dank des grosszügigen Tragegriffs ist und wie erwähnt im Batteriebetrieb benutzt werden kann.

Der Säntis bleibt ein Problem

Zwei Schwachpunkte dürfen nicht unterschlagen werden:

  • Das UKW-Band reicht von 88 bis 104 MHz. Das ist für Geräte, die vor Mitte der 1980er-Jahre produziert wurden, nicht ungewöhnlich. Es ist indes ein Nachteil, weil der neue Radiosender wie DRS 3 im Zürcher Weinland über den Sender auf dem Säntis auf 105,6 MHz am besten zu empfangen ist (bzw. war, als es UKW noch gab).
  • Die drei Drehregler rechts umfassen einen Höhenregler links und zwei Lautstärkeregler für den linken und den rechten Kanal rechts daneben. Ja genau: zwei Regler, die man beide synchron betätigen musste, um die Lautstärke gleichmässig zu erhöhen und zu verringern. Ein Balance-Regler wäre unzweifelhaft die benutzerfreundlichere Lösung.

Das Fazit ist ungeachtet dieser zwei Abstriche positiv: ein Gerät, das alle Ansprüche der Zielgruppe erfüllt und laut genug aufgedreht werden kann, damit sich die Eltern ordnungsgemäss belästigt fühlen!

Beitragsbild: In der Mitte mein besagtes Alter Ego in nachdenklicher Pose. Das Jugendzimmer ist kaum zehn Quadratmeter gross, und wegen der beidseitigen Dachschräge können Leute mit weniger als 1,80 Meter Körpergrösse nur direkt unter dem Giebel aufrecht stehen.