Ich trage mich mit dem Gedanken, Adsense von meinem Blog zu verbannen. Das ist das Werbenetzwerk von Google bzw. Alphabet, das euch die Anzeigen hier präsentiert – zumindest, falls ihr keinen Werbeblocker eingerichtet habt. Es läuft seit 2010 und war ursprünglich als Experiment gedacht, mit dem ich ausloten wollte, wie viel Geld sich damit verdienen lässt. Über den Daumen gepeilt hat mir Google in den letzten 16 Jahren zwei bis drei Monatslöhne überwiesen.
Das ist kein Einkommen, das mich dazu bewogen hätte, meinen Brotjob zu kündigen. Aber es ist mehr, als dass ich schulterzuckend darauf verzichten wollen würde. Der Kritik zum Trotz, die ich zwischendurch einstecken musste.
Der Grund für meine Überlegungen ist einfach: Im letzten Jahr sind die Einnahmen so drastisch zurückgegangen, dass ich zunehmend Mühe habe, euch fürs Kleingeld mit den teils aufdringlichen, teils billigen, teils betrügerischen Online-Anzeigen zu behelligen.
Tausende Aufrufe und bloss einige Rappen an Einnahmen

Das Beispiel hier soll es illustrieren: Am 26. Juni erzielte ich eine beachtliche Zahl von 5386 Seitenaufrufen. Vier Klicks auf die Banner generierten einen Umsatz von 79 Rappen. Ich bin kein Experte für Online-Werbung und das Thema interessiert mich nur mässig. Aber wenn wir die Click-Through-Rate (CTR) als Messgrösse heranziehen, dann beläuft sie sich auf 0,09 Prozent. Das bedeutet, dass eine riesige Menge von Leuten mit Werbung konfrontiert wird, die sie offensichtlich nicht interessiert.
Naturgemäss schwankt die CTR extrem; das Maximum in den letzten drei Jahren lag für mein Blog bei zwei Prozent. Das Minimum lässt sich nicht so leicht feststellen, aber selbst die Tiefpunkte sanken bislang kaum unter ein Promille.

Wie ist das zu erklären? Vielleicht handelt es sich um einen temporären Tiefpunkt, der daherrührt, dass in der Sommerzeit weniger Kampagnen gefahren werden, die die Leserinnen und Leser meines Blogs interessieren. Es scheint mir auch die Interpretation zulässig, dass die «gute» Werbung zunehmend aus dem Web verschwindet – oder zumindest von Google Adsense.
Wer ist schuld? Ist die KI schuld?
Um das zu erklären, ziehe ich eine zweite Messgrösse heran: die Seitenaufrufe. Es ist zwar leider nicht so, dass jeden Tag über 5000 Leute vorbeischauen. Aber ich stelle fest, dass seit Ende 2025 immer wieder Ausschläge nach oben stattfinden.
Die widersprechen der Überlegung, dass die KI zu einer Austrocknung des Webs führen müsste. Es ist nicht undenkbar, dass die Ausschläge daher rühren, dass die KI tatsächlich für «qualitativ hochwertigere Klicks» sorgt, wie Google behauptet. Sprich: Leute, die mittels AI-Mode bei Google oder über einen KI-Chatbot Informationen suchen, landen eher auf meinem Blog als auf irgendeiner per KI zusammengeschusterter SEO-Ramschsite.
Genauso gut kann es sein, dass viel mehr Scraping stattfindet und diese Abrufe durch Bots verursacht werden, die jegliches Material fürs Training von noch einem LLM im Web zusammenkratzen. Zu dieser Deutung passt, dass die Zahl der Impressions (also der Werbeausspielungen) nicht im gleichen Mass ansteigt wie die Seitenaufrufe. Denn solche Bots interessieren sich typischerweise nicht für Werbung. Zu dieser Interpretation passt, dass sich die Ausschläge kaum in der (allerdings ihrerseits lückenhaften) Statistik von Jetpack abbilden.
In die Lücke springt – das Buch!
Der langen Rede kurzer Sinn: Angesichts dieser Entwicklung bin ich zuversichtlich, die Werbeeinnahmen locker ersetzen zu können. Meine Idee ist, einige der Inhalte als E-Book zu vertreiben – mit Print-on-Demand-Option für gedruckte Ausgaben. Naheliegend sind die KI-Tipps, ferner die gesammelten Beiträge der Rubrik Tech-Premieren und der Evergreens.
Den endgültigen Entscheid überlasse ich euch. Die Frage lautet: Würdet ihr es schätzen, wenn dieses Blog werbefrei würde? Und würdet ihr dafür in Erwägung ziehen, ab und zu ein solches Werk zu erwerben – für euch, zum Verschenken oder wofür auch immer¹?
Fussnoten
1) Bei meiner letzten Umfrage wurde ich gebeten, diese aus Datenschutzgründen nicht mit Google Forms abzuhalten. Ich habe das beherzigt und stattdessen Typeform benutzt – dabei aber leider übersehen, dass in der Variante mit Gratis-Abo nur zehn Antworten pro Monat entgegengenommen werden. Das ist zu wenig für diesen Zweck hier und der Basic-Preisplan für geschlagene 25 Euro pro Monat ist nur auf hundert Antworten ausgelegt – selbst die würde ich hoffentlich sprengen. Ich musste daher reumütig zu Google zurückkehren. Sorry! ↩
Beitragsbild: Es könnte ein freundlicher, aber entschlossener Abschied werden (Vitaly Gariev, Pexels-Lizenz).
