Das neue Jahr,

stürmt herein,

eisig und weiß.

Schnee auf weißem Sand

und Tannenspitzen.

Der Wind pfeift um

die Häuser,

rüttelt an den Fenstern.

Die Wintersonne

grüßt mit kühlem

Schein.

Eiszeit.

Still und starr.

Auf den Spuren von ….

Annette von Droste-Hülshoff reiste Mitte des 19. Jahrhunderts vom westfälischen Münster nach Meersburg am Bodensee und es war ein einziges Geschaukele in Kutschen, Eisenbahnen und Dampfschiffen.

In einem Brief an ihre Freundin Elise Rüdiger heisst es:

„Sie hatten mir alle Karten für Dampfboote und Eisenbahnen, sogar für den Omnibus bis Freyburg verschafft (diese Anstalten stehn miteinander in Berechnung) und zugleich ein Empfehlungsschreiben vom Direktor der Cölnischen Dampfschiffahrt, was an sämtliche Wagen- und Schiffkondukteure gerichtet, ihnen jede Rücksicht für mich auf die Seele band, so bin ich übergekommen fast so bequem wie in meinem Bette (d. h. bis Freyburg) — die Herrn Kondukteure führten mich immer gleich in den Pavillon, nahmen andern Kanapees ihre Kissen, um es mir bequem zu machen, versorgten mein Gepäck, banden mich den Marqueurs so eng aufs Gewissen, daß fast jede Viertelstunde einer kam, nachzusehen, ob ich etwas bedürfe, und wenn wir angekommen waren, ließen sie mein Gepäck gleich auf das morgige Dampfboot bringen und führten mich selbst an den Omnibus.

Auf der Eisenbahn ging es ebenso; ich bekam beide Male einen Waggon für mich allein, und fast bei jeder Station erschien ein Gesicht am Wagenschlage, um zu fragen, ob ich etwas bedürfe — und doch hat dies alles meine Reise nur unbedeutend vertheuert; die Kondukteure nahmen nichts und meine männlichen Wartfrauen waren am Rheine mit einem Gulden, weiterhin schon mit 30 Kreuzern, überglücklich.

Sie sehen, lieb Lies, ich bin wie in einem verschlossenen Kästchen gereist und habe (außer meinen lieben Wartfrauen) kein fremdes Gesicht gesehn, nicht mal in den Gasthöfen, wo ich mir gleich ein eigenes Zimmer geben ließ, wenn ich auch nur eine halbe Stunde blieb; so fühlte ich mich in Freyburg so wenig erschöpft, daß, statt (wie früher beschlossen) Extrapost zu nehmen, ich mich dem Eilwagen anzuvertrauen beschloss, obwohl er abends abging.

Meine Empfehlungen waren zu Ende, aber mein Glück verließ mich auch hier nicht, ich hatte bis Mitternacht einen Beiwagen ganz für mich allein, dann muste ich freylich in den allgemeinen Rumpelkasten, voll schnarchender Männer und Frauensleute, die brummend und ächzend zusammenrückten, als ich mich einschob; dann ging das Schnarchen wieder an, ich allein war wach bey dieser scheußlichen Bergfahrt und merkte allein, wie den Pferden die Knie oft fast einbrachen und der Wagen wirklich schon anfing rückwärts zu rollen. Mein Vis-a-Vis stieß mich unaufhörlich mit den Knien und die Köpfe meiner Nachbarn baumelten an mir herum. Doch gottlob nicht lange!

Es war noch stockfinster, als wir mit der Post nach Konstanz zusammentrafen, und siehe da, meine ganze Bagage kugelte und kletterte zum Wagen hinaus, und ich war wieder frey! frey! und machte mir ein schönes Lager aus Kissen und Mantel, auf dem ich es sehr leidlich aushalten konnte, bis nach Stockach, wo ich um zehn ankam, gleich Extrapost nahm und in Meersburg die Meinigen noch bey Tische traf.“

Gelesen, gesehen, gehört.

Der Lesestart ins Jahr: „Sommernachtstraum“ von Tanya Lieske. Eine Schulklasse führt das Stück von Shakespeare auf, und zeitgleich finden sich Lehrer:innen wie Schüler:innen in vergleichbaren persönlichen Geschichten wieder. Das Ende war ein wenig durcheinander. Ansonsten ein tolles Konzept!

Versprich mir Morgen” handelt von den ersten Wochen und Monaten einer jungen Frau im Wohnheim eines Krankenhauses, in dem Auszubildende zusammen in einer WG leben. Die Herausforderungen des angehenden Berufs und die persönliche Entwicklung werden mit Detailkenntnis und spannend erzählt.

Das Hörbuch “The happiness blueprint”. Der Schauplatz ist ein Handwerksbetrieb in Schweden und kurzzeitig auch in London. Die Autorin lebt in beiden Ländern. Der Roman ist schön hyggelig.

Ein gutes Jahr“: ein unterhaltsamer Film aus dem Jahr 2006, der Lust auf Frankreich macht!

#Winter #gelesen #gesehen #gehört #Möwenlyrik