Als würde ein Kalenderblatt umgeblättert

schmilzt das Eis, verschwindet der Schnee,

die Zweige werden biegsam, die Sonne schmeichelt

warm und sanft den Gesichtern.

Knospen verdicken, Vögel zwitschern, die Wellen

wogen anmutig über den sandigen Strand.

Ungetüme baggern, Möwen schreien, Boote tuckern,

Pötte gleiten, Verliebte pfeifen, Räder surren,

Cafébesucher blinzeln ins Licht

Denn zack! – Es ist Frühling!

Quelle: Pinterest

“Ich werde etwas.”

Die Maler:innen der Künstlerkolonie in Worpswede waren eng mit der Natur verbunden. Unter ihnen war auch der junge Lyriker Rainer Maria Rilke, der 1902 eine Monographie über die Landschaft und ihre Maler schrieb.

In der Monographie fehlt eine bedeutende Person: Paula Modersohn-Becker. Rainer Maria Rilke und Paula trafen sich häufig und führten viele Gespräche. Er besuchte Paula häufig in ihrem Atelier. Und doch ging deren künstlerische Entwicklung an ihm vorbei. Frauen zählten nicht.

“Die Aufgabe der Frau ist es aber, im Eheleben Nachsicht zu üben und ein waches Auge für alles Gute und Schöne in ihrem Mann zu haben und die kleinen Schwächen, die er hat, durch ein Verkleinerungsglas zu sehen.”

schreibt der Vater 1901 an Paula.

Am 8. Februar 2026 jährte sich zum 150. Mal der Geburtstag der Malerin. Sie lebte gerade mal 31 Jahre und beschritt in dieser Zeit mit einem unerschütterlichen Glauben an sich selbst über alle patriarchalen Zwänge hinweg ihren künstlerischen Weg.

“Ich werde etwas.”

Paula Modersohn-Becker

Mit 16 schrieb sie in ihr Tagebuch:

“Ich will malen, ich muss malen. Es ist, als ob etwas in mir brennt, das nur durch die Farbe gelöscht werden kann.“

Das sagte sie immer wieder zu sich selbst und schrieb es auch an Freunde und Familie, in der Bitte darum, ihr zu vertrauen, dass sie ihren Weg machen würde.

Das wirkliche Ausmaß des Werks wurde erst nach ihrem Tod bekannt. Selbst ihrem Mann waren viele Werke, die im Atelier in Worpswede entdeckt wurden, nicht bekannt. In nur 14 Jahren malte sie 750 Gemälde und 2000 Zeichnungen. Nur vier davon wurden während ihrer Lebzeiten verkauft.

Paula hat sich aus den Zwängen ihrer Zeit befreit.

Sie gilt heute als eine der bedeutendsten deutschen Malerinnen des frühen Expressionismus.

gelesen – gesehen – gehört

  • Marina Bohlmann-Modersohn: Paula Modernsohn-Becker, eine Biographie mit Briefen: Anschaulich locker erzählt die Autorin anhand von Briefen und Tagebuchauszügen die Geschichte der Malerin. Beeindruckend fein zeichnet sie die Entwicklung der ihr eigenen Kunstform.
  • Becoming Karen Blixen ist eine Miniserie, die zurzeit in der Mediathek von Arte zu sehen ist und das Leben der Karen Blixen nach ihrer Rückkehr aus Afrika darstellt. In der engstirnigen Welt der Bourgeoisie muss sie zahlreiche Herausforderungen meistern. Sie beweist dabei eine außergewöhnliche Charakterstärke und verwirklicht ihren sehnlichsten Wunsch: Mit 47 Jahren wird sie Schriftstellerin.
  • Mein wunderbarer Buchladen am Inselweg von Julie Peters. Das Hörbuch erzählt die Geschichte einer Frau, die auf der Insel Spiekeroog einen Neustart wagt und dort am Ende einen Buchladen übernimmt, da sie häufig weiß, welches Buch gerade das Richtige für den Lesenden ist.

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