Nachdem ich den letzten Eintrag geschrieben hatte, muss ich eingeschlafen sein. Ich wollte mich nur kurz ausstrecken und als die Augen wieder öffnete, sah ich die anderen wie sie ramponiert im Lager herumgingen und Wunden versorgten. Scheiße! Hatte ich was verpasst? Anscheinend ja, denn die anderen sind nochmal in die Höhle gegangen und haben nach Hinweisen für den Verbleib von Elarien gesucht. Gefunden haben sie Mimics! Und einen Hinterausgang aus dem die restlichen Banditen abgehauen sind, wahrscheinlich mit Elarien.
Nesryn hatte es mal wieder übel erwischt, aber auch Tharok sah nicht wirklich gut aus. Die beiden versorgten ihre Wunden während Snarwar in seinem Buch blätterte und etwas von „helfen ohne zu töten“ murmelte. Nach und nach kamen alle zur Ruhe und letztendlich schlief ich auch wieder ein. Die Verletzungen die mir die Banditen zugefügt hatten waren ziemlich schlimm.
Lin weckte mich auf, als sie selbst aus dem Schlaf aufschreckte. Sie hatte einen seltsamen Traum bei dem „etwas“ aus Ihren Händen kam. Sie versuchte es zu wiederholen und nach ein paar versuchen erschien eine Art Klinge in ihrer Hand. Auf meine Frage, was denn das wäre, erzählte sie etwas von „Soulknife“ und wie sich die Fähigkeiten dieser Personen verbessern und verändern. Krass!
Ich hatte allerdings auch nachgedacht: Warum sollte ich mir diesen Körper und seine Fähigkeiten nicht zu nutze machen? Der Körper von Berdur ist recht schnell und ehe Lin sich versah, schnellte ich vor und tippte ihr gegen den Arm. Ein Wimpernschlag später stand ich wieder dort wo ich war! WOW! Ich bin echt schnell!
Lin meinte ich wäre wohl ein „Swashbuckler“. Hat man früher nicht Piraten so genannt? Egal! Ich nahm mir übermütig einen Stock und forderte Lin zum Duell. Sie warf mir ein kurzes Schwert zu. Das Schwert kam mir ziemlich plump vor, aber wir übten. Und wie wir übten! Meine Klinge war überall dort wo sich Lins Zauberklinge befand und umgekehrt. Es ging hin und her und hin und her! Nach einigen Minuten standen wir uns schnaufend gegenüber und grinsten uns an. Ich hatte zum ersten Mal seit ich hier gelandet bin, den Körper von Berdur bewusst eingesetzt, davor war alles nur Instinkt!
Ich wog das Schwert in der Hand und mir wurde bewusst, dass ich einen neuen Degen bräuchte. Das Schwert war zwar gut, aber der Degen lag noch natürlicher in Berdurs Hand. Irgendwie schweiften meine Gedanken weg vom Degen und hin...zum Döner! Ich vermisse zu Hause wirklich. Ich fragte Lin also ob ein Schmied einen Spieß herstellen und verkaufen würde, was sie ziemlich verwirrte.
Ich wechselte das Thema. Die Mimics auf die die anderen stießen, waren wohl anders als die die wir schon einmal getroffen hatten. Diesmal sahen sie aus wie Möbel! Bissige Möbel war auch Lin ziemlich neu. Das lenkte das Gespräch auf die Monster die es sowohl hier als auch bei uns gibt. Unsere Welten sind schon sehr verschieden, das wird mir in solchen Gesprächen immer wieder bewusst! Snarwar mischte sich ins Gespräch ein und plötzlich waren wir eher bei der Natur des Menschen statt bei wilden Tieren. Snarwar mag in unserer Welt das hübsche Blondchen sein, aber sie hat echt was im Kopf!
Lin sah traurig aus und erzählte uns dann, wie sie ihre beste Freundin verloren hatte. Sie hatte es echt nicht leicht im Leben und in diesem Moment tat sie mir echt leid!
Wir brachen kurz danach auf und suchen am Hinterausgang der Höhle nach Spuren. Wir fanden auch welche: Schleifspuren die zu Elariens Gewicht passten. Wir hetzten also den Spuren hinterher und trafen nach einer Weile auf eine Straße mit tief eingegrabenen Räderspuren, in die die Schleifspuren mündeten. Sie hatten Elarien auf einen Wagen gepackt und sind losgefahren. Wir folgten den Spuren nach Norden, trafen unterwegs auf einen kleinen Weiler, an dem der Wagen allerdings nicht angehalten hatte.
Wir waren insgesamt 2 Tage unterwegs, mit nur einen kurzen Rast zwischendurch. Wir aßen und tranken während des Laufens und gönnten uns keine Verschnaufpause. Schließlich trafen wir auf eine Schlucht, deren Durchgang sich zu einer großen Stadt in einem Kessel öffnete: Wir waren in Silbermark angekommen.
Nach einer kurzen Verschnaufpause und Beratung beschloss die Gruppe in den ärmeren Vierteln, die hier am Rande der Stadt waren, nach Hinweisen zu suchen. Lin ließ ganz beiläufig, beinahe in einem Nebensatz die Information fallen, dass Berdur erkannt werden könnte. Na toll! Hätte sie das nicht vorher sagen können? Also hieß es vorsichtig sein! Wir gingen zur herunter gekommensten Kneipe die ich jemals gesehen hatte. Sobald wir die Tür öffneten traf uns eine Welle widerlichen Gestanks. Die schlimmste Bahnhofskneipe die ich jemals besucht hatte, hatte nicht s einen klebrigen Boden, die Luft war nicht so dick und stinkig und die Leute sahen nicht so finster aus. Lin schlug vor wir sollten die Wirtin nach Arbeit fragen. Auf dem Weg zum Tresen blieb Tharok mehrmals an Schultern und Ellbogen hängen aber konnte eine Schlägerei vermeiden. Am Tresen selbst wollte ich die Wirtin ansprechen, erstarrte erst aber: Hinter dem Tresen stand eine Echse mit abgebrochenen Hörnern und tiefen Augenringen. Was es nicht alles gibt! Ich fragte also nach Arbeit, wurde aber sehr schnell abgewimmelt. Da fiel mir etwas ein. Ich kramte nach der Münze, die laut Lin das Erkennungssymbol der Diebesgilde ist, aber als ich die Hand in meinen Bart steckte, biss mich Bob! Zweimal! Das sollte wohl eine Warnung sein. Wir machten uns, nachdem wir so abgefrühstückt wurden, wieder auf den Weg hinaus. Die Stimmung wurde immer aufgeheizter und aggressiver, so dass wir es alle nur mit Müh und Not hinausschafften und gerade so einer wilden Prügelei entgingen.
Nachdem wir uns sortiert hatten, steuerten wir die nächste Taverne an, die am Marktplatz lag.
Wir gingen also nichts ahnend um eine Ecke und plötzlich steht vor uns....ELARIEN!
Er umarmte Lin und sagte uns anderen „Hallo“ als ob nicht passiert wäre. Dabei sah Elarien ziemlich mitgenommen und fertig aus. Er trug einfache Kleidung und hatte mehr blaue Flecken als normale Haut an den Körperstellen die ich sehen konnte. Er wurde entführt, gefoltert und befragt, dann aber wieder freigelassen, da er keine Antworten geben konnte. Freigelassen ist ein großes Wort, er wurde in die nächste Gasse geworfen und schleppte sich schwer verletzt in ein Kloster. Die Mönche flickten ihn wieder zusammen und zum Dank half er ihnen an ihrem Marktstand. Bevor er weiter erklären konnte, was passiert war, stürmte Lin vor und warf sich Elarien mit einem Kuss in die Arme, welchen Elarien erwiderte.
Jetzt, nachdem wir wieder vereint waren, wollte Lin einen Schlafplatz für Elarien besorgen, während wir anderen endlich die Karte aus Eichenhain abgeben wollten. Die beiden verabschiedeten sich also und wir restlichen gingen zum Kartographen, welcher praktischerweise ganz in der Nähe der Taverne, wo wir sowieso hinwollten, liegt.
Der Kartograph war ein Zwerg, der in einem mit Regalen und Karten vollgestopften Verkaufsraum saß. Wir gaben die Karte ab und fragten nach Ersatz. Karten hier sind sehr teuer und schwer und aufwändig herzustellen. Der Kartograph versprach sich nach einer günstigeren Karte umzusehen. Wir sollten doch am nächsten Morgen wieder kommen. Liam fragte nach Papier und wurde zu einem Händler auf dem Markt verwiesen. Tharok hatte noch einige Fragen zu einer Gilde, die der Kartograph aber nicht beantworten konnte. Wieder auf der Straße entschlossen Tharok und ich uns nach Waffen um zu sehen. Wir kamen zu einem Schmied und nach zähen und schwierigen Verhandlungen, verkaufte ich Berdurs Kriegshammer und das Kurzschwert und erwarb wieder einen Degen. Wie natürlich sich der Degen in meiner, in Berdurs Hand anfühlte. Als ob er eine Verlängerung meiner,oder besser Berdurs selbst wäre. Ein komisches Gefühl! Tharok wollte Boxhandschuhe erwerben, aber der Schmied war sehr verwirrt von der Anfrage und konnte Tharok leider nicht weiterhelfen.
Nach unsernm erfolgreichen Einkäufen ( Snarwar konnte noch ein paar Kräuter erwerben) fanden wir uns in der Taverne ein. Lin hatte wieder die Zimmer besorgt und saß mit Elarien an einem Tisch. Ich wollte den beiden Ihre Zweisamkeit lassen und bog zur Theke ab, wurde aber von Lin bemerkt und sich winkte mich an den Tisch. Elarien sah schon besser aus. Nach und nach trafen die anderen ein und wir aßen etwas und tranken ein bisschen. Alle gingen ziemlich früh ins Bett, weil wir alle müde oder noch verletzt waren.
Als ich am nächsten Morgen die Treppe herunterkomme, ist Lin schon wieder (immer noch?) wach und wartet auf uns. Snarwar stößt dazu und berichtet das Liam Migräne hatte und heute im Zimmer bleibt. Nach und nach kamen die anderen dazu. Elarien wirkte wie beiläufig Waschmaschine auf Tharok, was Tharok sehr freute. Wir besprachen die Vorgehensweise für den Tag. Ich wollte noch zum Kartographen und schauen ob er eine günstige Karte für uns hätte. Lin hatte am gestern Abend noch bemerkt, dass diejenigen die hinter Elarien her waren, höchstwahrscheinlich auch hinter Berdur her seien. Snarwar schlug also allen ernstes vor, mich, also eher Berdur als Köder zu verwenden. Hat die noch alle Latten am Zaun?? Zum Glück waren die anderen der selben Meinung wie ich...Elarien fragte nach Geld und ein bisschen Ausrüstung und bekam von Lin einen Dolch und ein wenig Geld.
Lin und Tharok wollten einiges an Kram verkaufen und gingen zum Markt. Snarwar, Elarien und ich gingen zum Kartographen und bekamen eine KArte vorgelegt, sehr ähnlich derjenigen die wir abgegeben hatten. 20 Gold wollte er dafür haben. Nach einigen Preisvorschlägen, Gegenvorschlägen und Gegengegenvorschlägen einigten wir uns. Vor allem da inzwischen auch Tharok und Lin bei uns ankamen und Lin meinte es wäre ein sehr guter Preis für eine Karte. Wir warfen unser Geld zusammen und kauften die Karte. Jetzt konnten wir uns wenigsten orientieren.
Da es noch ziemlich früh war, einigten wir uns darauf die heißen Quellen hier in Silbermark zu besuchen. Nach einiger Diskussion einigten wir uns auf das Bürgerbad. Die beiden anderen Bäder wären das Adelsbad ( zu teuer) und der Wanderpfad ( zu öffentlich) gewesen. Wir stiegen also die Serpentinen zum Bad hoch, da es auf dem Gipfel der Westseite des Kessels liegt. Nachdem wir den Eintritt bezahlt hatten ( 3 Silberstücke) suchten wir uns ein Becken und ließen uns darin nieder. Ahhhh das tat gut. Sogar Bob ließ sich mit einem Mäuseseufzer in das warme Wasser sinken. Elarien schlief quasi sofort, nachdem er sich in warme Wasser gesetzt hatte, ein. Irgendwie erinnerte ich das Bad an Island mit seinen heißen Quellen, was ich auch Lin erzählte. Sie verstand nicht, wie man eine vulkanische Insel schön finden könnte. Naja egal.
Nach einer Weile wurde mir ziemlich schwindelig. Ich hatte wohl die Hitze unterschätzt. Snarwar bot sich an, mich zurück zur Taverne zu begleiten. Dort sitze ich nun im Zimmer und versuche mich an jedes Detail der letzten Tage zu erinnern. Es fällt mir schwer nicht einzuschlafen, aber es muss aus meinem Kopf raus und auf das Papier! So geschafft! Ich werde jetzt ein kleines Nickerchen machen.....
Ein Tagebucheintrag von Berdur Donnerherz, der eigentlich nur nach Hause möchte