Es ist so viel passiert! Ich kann sowieso noch nicht schlafen. Vielleicht will ich auch nicht schlafen, weil dann die Alpträume kommen. Jedenfalls versuche ich mal niederzuschreiben was heute passiert ist. Es verschwimmt alles irgendwie, aber mal sehen ob ich alles noch zusammen bekomme:
Tharok weckte mich gegen Abend. Anscheinend habe ich den Schlaf gebraucht, was ja auch kein Wunder nach den Erlebnissen der letzten Tage ist. Ich muss ziemlich fertig gewesen sein. Alles woran ich ich erinnere, ist, das sich mich letzter Kraft meinen Tagebucheintrag geschrieben habe. Direkt danach muss ich eingenickt sein, allerdings habe ich eher das Gefühl nur geblinzelt zu haben, so müde war ich noch. Tharok meinte, wir müssten uns wegen irgendwas absprechen was Berdur, also der alte Berdur, gemacht hatte. Snarwar meinte ich solle Bob mitnehmen, was Buck dazu veranlasste laut zu rufen: „Ich bin Buck“. Tharok stand da wie vom Donner gerührt. Man sah es in seinem Kopf arbeiten, bis er dann mit einem fast sichtbaren Schulterzucken Buck begrüßte. Buck antwortete aber nicht, ihm ging es nur darum etwas klar zu stellen.
Snarwar, Tharok, Buck und ich gingen also die Treppe hinunter und im selben Augenblick kam Elarien zur Tür hinein. Wir setzten uns also an einen Tisch. Elarien erzählte Snarwar und mir was geschehen war: Die anderen trafen jemanden an den Quellen, beziehungsweise hat der andere wohl gewartet bis Berdur verschwunden war um sich der Gruppe zu nähern. Gideon Braunfinger, so der Name des Fremden, setzte sich gezielt zu Elarien und begann ihn über Berdur auszufragen. Die anderen haben versucht ihm eine Geschichte auf zu tischen, allerdings glaubt Gideon uns wohl nicht.
Der Grund warum Gideon uns kontaktiert hatte ist nämlich (ich konnte es selbst nicht glauben), dass Berdur der Chef der Diebesgilde in Silbermark ist. Was zur Hölle? Komm ich denn nie davon los? Jedenfalls soll diese Diebesgilde angegriffen werden und Gideon braucht, eher verlangt, Berdurs Hilfe. Die Gilde zweifelt wohl die Führungsqualitäten von Berdur an. Na Toll! Buck kam daraufhin aus meinem Bart gehüpft und fing an vor allen anderen zu sprechen. Er fragte, seit wann die Diebesgilde angegriffen wird. Die anderen sind ein wenig überrascht von Buck, aber stellen sich mit demselben geistgen Schulterzucken darauf ein. Buck wollte wissen, wie es sein kann, dass die Diebesgilde angegriffen wird, sie sei mehr als doppelt so groß wie die Abenteurer-Gilde. Darauf hatten wir, wie zu erwarten aber keine Antwort.
Die anderen erzählten, das wir uns „Im Untergrund“ mit Gideon treffen und alles weitere besprechen sollten. Wir fragten Buck nach dem „Untergrund“ er konnte uns aber nicht wirkich weiterhelfen, schließlich sei er ja hauptsächlich in Berdurs Bart. Er wisse nur, dass der Untergrund hier in der Taverne sein muss. Er hatte immer ein „schwebendes Gefühl“, wenn Elarien und Berdur den Untergrund betraten. Er meinte noch, dass Berdur immer die Münze vorgezeigt hatte, die in seinen Bart geflochten ist. Ich wollte zur Münze greifen, aber Buck biss mich wieder. Verdammte Maus, reicht es nicht einfach die Hand weg zu schieben?
Wir nahmen das als Zeichen uns auf ein Zimmer zu verziehen. Im Zimmer nahm ich die Münze in Augenschein. Sie hat ein Zeichen eingeprägt, dass eindeutig auf die Diebesgilde hinweist. Snarwar prüfte die Münze auf magische Eigenschaften, fand aber ebenfalls nichts. Wir diskutierten ob di eMünze ein Schlüssel sei, aber Buck meldete sich darauf hin wieder. Ob wir denn wüssten, was die Münze sei? Er erklärte uns, dass die Münze quasi das Erkennungszeichen von Berdur ist. Jedes Mitglied der Diebesgilde hat so ein Zeichen. Diese Zeichen dürfen niemals abgelegt werden, damit sichergestellt ist, das jedes Mitglied von jedem Mitglied weiß. Wow, das sind viele Zeichen zu merken!
Wir diskutierten noch ein wenig und beschlossen dann im Schankraum nach Diebesgildenabzeichen Ausschau zu halten. Tharok, Liam und Snarwar sollten sich an einen Tisch setzen, während Elarien und ich uns an einen anderen niederließen und „wichtige Diebesgildenangelegenheiten“ besprachen. Da wir auch wirklich reden mussten um es echt wirken zu lassen, untehielten wir uns über den Schlamassel in dem wir steckten. Ich erzählte ihm ein bisschen aus meiner Vergangenheit als „Besorger und Verkäufer“ von Sachen, aber dass ich mit Diebesgilden keine Erfahrung habe. Wir taten dabei so, als ob wir ein wichtiges und htziges Gespräch führen würden. Währenddessen ließ ich, so gut e eben ging, meine Blicke schweifen, konnte aber nichts entdecken. Den anderen ging es ebenso, also beschlossen wir die Zeit zu nutzen und zum Kloster zu gehen, damit Elarien sich bei den Mönchen bedanken konnte Wir standen also auf und verließen die Taverne, die anderen folgten uns. Tharok kam ein bisschen später, er hatte unsere Rechnung bezahlen wollen (Upsi!), hat aber als die Wirtin bemerkte, dass er zu Elarien und Berdur gehört, von ihr ein Goldstück erhalten. War das Schutzgeld? ( Na toll, früher habe ich mich immer von solchen organisierten Sachen ferngehalten und jetzt bin ich, vielmehr Berdur, ein Teil davon? ).
Wir gingen also die Serpentinen auf der gegenüberliegenden Seite der Stadt hinauf und standen vor dem riesigen Kloster. Sehr beindruckend! Elarien suchte jemanden, den er ansprechen konnte und fand einen Mann in Rüstung. Dieser Mann war wohl ein Paladin (was immer das auch ist). Elarien wollte sich bei ihm bedanken aber Wulfgar, so sein Name, kam ihm zuvor und bedankte sich seinerseits in meine Richtung, da Berdur schon so viel für das Kloster tun würde und mit seinen Truppen (nochmal: Was zuu Hölle?) das Gesindel hier weghalten würde. Natürlich zusätzlich zu dem Geld und Geleitschutz, die Berdur für das Kloster bereithält. Klar, was auch sonst! Wulfgar verabschiedete uns und wir machte uns wieder auf dem Weg in die Stadt.
Buck kam wieder aus meinem Bart und klärte uns auf, dass Berdur NICHT der Chef der Diebesgilde ist, sondern NUR der Leiter dieses Standorts. Als ob das was ändert! Buck meinte noch, er gehe davon aus, dass eines der Lagerhäuser die zur Gilde gehören überfallen werden soll. Achja und wir sollten gegenüber Gideon die Wahrheit erzählen, weil Berdur und er quasi beste Freunde sind und sich schon sehr lange kennen würden. Oh Mann, Berdur ist quasi der Don von Silbermark! So langsam geht er mir auf die Nerven!
Elarien verabschiedete sich von uns. Er wollte noch beim Kloster bleiben und sich bedeckt zu halten. Wir anderen beschlossen unser weiteres Vorgehen in der Taverne zu besprechen und machten uns wieder auf den Weg. Während wir die Serpentinen herunterstiegen, besprachen wir, wie wir Gideon begegnen sollten und kamen zum Schluss ihm die Wahrheit zu sagen. Wie es der Zufall so will, trafen wir Gideon als wir die Stadt betraten. Im nachhinein ist es wohl weniger Zufall, eher hat er uns beobachtet und auf uns gewartet.
Bevor er irgendetwas sagen konnte, bat ich ihn um ein Gespräch im Vertrauen und unter 4, nunja 10 Augen. Gideon willigte ein und führte uns zurück zur Taverne. Dort angekommen gab Gideon der Wirtin ein Zeichen und sie führte uns in einen Hinterraum, der offensichtlich ein versteckter Fahrstuhl war. Jetzt verstand ich auch, was Buck mit „schwebend“ meinte.
Unten angekommen, tat sich uns ein großer Raum auf, gefüllt mit Bänken Tischen und Stühlen. Sogar eine Bar war vorhanden. Der „Untergrund“ ist tatsächlich wortwörtlich zu nehmen.
Gideon führte uns durch das Getümmel, was hier herrschte zu einem Hinterraum, der tatsächlich aussah wie ein Konferenzraum zu Hause. Ich schätze, Organisationen sind überall gleich! Gideon bat uns Platz zu nehmen. Äußerlich entspannt, aber ich sah dass er sehr angespannt war. Nachdem wir uns alle hingesetzt hatten, begann ich ihm die Wahrheit zu erzählen: Das wir nicht aus dieser Welt kämen und erst seit einigen Tagen hier wären. Natürlich glaubte uns Gideon nicht, ich hätte mir an seiner Stelle auch nicht geglaubt. Er packt mich fest an der Schulter und schaut mir ins Gesicht. Lange! Nach ein paar Sekunden oder auch ein paar Minuten, ich weiß es nicht mehr, lässt er los. Irgendetwas hat er wohl in meinen Augen gesehen, denn er scheint uns ein bisschen mehr zu glauben. Nur war er nicht verständnissvoll sondern sauwütend. Er wollte wissen, was wir mit den Personen gemacht hätten, denen die Körper gehören. Wir konnten ihn davon überzeugen, dass wir das nicht wissen. Darauf hin trat Gideon erst mal einen Stuhl in die Ecke. Er begann von einer Legende zu erzählen in der einige Helden aus einer anderen Welt einen Drachen erschlugen und danach in Ihre Welt zurückgekehrt sind. Das deckt sich erstaunlich mit unserer Geschichte!
Gideon verlangte zu wissen, was diese, unsere Welt ist. Ich holte also die Karte, die wir beim Kartographen gekauft hatten heraus und legte sie auf den Tisch. Snarwar zauberte wieder, wie damals bei Lin, eine Abbildung unserer Welt darüber. Wir zeigten jeder wo wir herkommen und es schien als ob Gideon uns glauben würde. Er bräuchte jetzt erst mal ein Bier, meinte er. Ich stimmte ihm zu und wir gingen an die Bar ein Bier holen. Natürlich aufs Haus, schließlich ist Berdur hier der Chef!
Zurück im Separee begann Gideon uns auszufragen über unsere Welt, aber nach einer Weile begann er von seiner Situation zu erzählen: Berdur würde ihm fehlen und nicht nur ihm sondern auch der Diebesgilde als Anführer. Er selbst sein nur die rechte Hand von Bedur. Anscheinend hat Berdur hier alles von Anfang an aufgebaut. Gut für Ihn, er scheint ein richtiger Macher zu sein. Ich will doch nur nach Hause und niemanden stören und nur in Ruhe gelassen werden. Jetzt muss ich hier den Chef spielen? Wir beschlossen Gideon bei seinem Problem zu helfen. Eine konkurrierende Truppe versucht, die Gilde hier zu verdrängen.
Gideon erzählte, was uns seiner Meinung nach in dem Lagerhaus erwartete: 15-20 Angreifer die die Diebesgilde bestehlen und ihr Schaden zufügen wollen. Ich fragte, ob man eventuell mit denen Reden könnte, aber Gideon lachte nur und meinte, die Zeit zu reden sei vorbei. Na super, wir sind mitten in einen Bandenkrieg gekommen.
Wir unterhalten uns noch ein bisschen über die Unterschiede zwischen unserer und dieser Welt und lassen den Abend ausklingen bevor wir wieder nach oben gingen.
In der Zwischenzeit war Elarien wieder zurückgekehrt und wartete in der Taverne. Er hatte einen Brief in der Hand und sah sehr traurig aus. Um ehrlich zu sein, das machte mir ein bisschen Angst. Er zeigte uns den Brief. Er war von Lin. Sie schrieb:
“An euch, meine Weggefährten… und an dich, Elarien. Ich weiß, es ist nicht fair, einfach zu gehen. Aber das Leben war noch nie fair mit mir. Und vielleicht… ist das hier mein erster Moment, in dem ich wirklich wähle. Als ich vier Jahre alt war, wurde ich ausgesetzt – wie es Brauch ist bei meinem Volk. Ich erinnere mich kaum an das Gesicht meiner Mutter. Ich erinnerte mich nur an dich, Elarien. An dein Lächeln. Und an dein Schweigen, als du mich das erste Mal zurückgewiesen hast. Doch jemand hat mich gefunden. Meine kleine Schwester – sie hat mich gesucht. Mich gefunden. Sie hat mir erzählt, dass Mutter mich nie vergessen hat. Dass sie den Brauch gebrochen hat, als sie meine Schwester zur Welt brachte. Dass sie den Schmerz nicht noch einmal ertragen konnte. Dass sie mich vermisst hat. Ich wusste nicht, dass ich so etwas wie ein Zuhause noch haben könnte. Aber ich will es wissen. Ich muss es wissen. Ich gehe nicht, weil ihr mir nichts bedeutet. Ich gehe, weil ich jemand für jemanden bin, den ich nie kannte. Und vielleicht, wenn ich zurückkehre… bin ich mehr als ein Schatten. Elarien… ich habe dich gesehen. Ich meine dich – den neuen dich. Und vielleicht war es nicht echt. Vielleicht war es nur der Wunsch, dass irgendetwas von früher doch hätte anders sein können. Ich hoffe, du findest das, was du suchst. Und ich hoffe, du wirst nicht wieder so kalt. Passt aufeinander auf. – Lin (P.S.: Ich lasse euch eine kleine Phiole mit tränenförmigem Kristall da. Gebt sie Snarwar. Er weiß, was er damit tun kann.)”
Wow, kein Wunder, dass Elarien so traurig aussah. Da war er mir verwirrt lieber!
Ich brachte Elarien auf den neuesten Stand und erzählte ihm, dass wir Gideon helfen würden und ihm die Wahrheit erzählt hatten. Elarien stimmte zu und murmelte etwas von es würde ihn ablenken. Wir beschlossen auf ein Zimmer zu gehen und uns einen Plan zu überlegen. Gideon verabschiedete sich und wir verabredeten uns für morgen abend.
Vorher tat Snarwar etwas von dem ich hoffe, dass es nie wieder passiert. Er hielt seine Hand in die Mitte des Tisches und überredete uns es ihm gleich zu tun. Dann rief er irgendwas und das Gefühl sich im Boden zu vergraben wurde übermächtig. Ich bat Snarwar so etwas in Zukunft bitte sein zu lassen! Mine Güte!
Wir waren also im Zimmer und nach und nach schälte sich ein Plan heraus. Meine Kugellagerkugeln und Elariens Krähenfüße sollten zum EInsatz kommen, genauso wie die Unsichtbarkeit die Snarwar wirken kann. Dazu ein wenig Illusion und eine Art Spektralwaffe.
Wir waren ganz zufrieden mit dem Plan und verabschiedeten uns einer nach dem anderen in unsere Betten. Ich liege hier, während im anderen Bett Tharok vor sich hin schnurrt und schreibe das alles auf. Ich habe es schon einmal erwähnt, aber es erscheint mir immer wichtiger dieses Tagebuch zu führen um mich selbst nicht zu verlieren. Ich habe Angst vor morgen Abend...
Ein Tagebucheintrag von Berdur Donnerherz, der eigentlich nur nach Hause möchte