Ich habe Blut gerochen, Menschen getötet! Elarien hat den Kopf eines Banditen zum Platzen gebracht und ein Bär den eines anderen abgebissen – und ich war nicht mal schockiert!

Was sagt das über mich?

Aber ich beginne am Ende. Ich muss mir immer wieder vor Augen führen, was passiert ist. Ich habe das Gefühl, diese Eskalation war unausweichlich.

Aber zum Anfang. Nachdem wir am Abend den Plan besprochen hatten, verabschiedeten wir uns ins Bett. Ich schlief mehr schlecht als recht, aber fühlte mich halbwegs ausgeruht, als wir uns alle zum Frühstück trafen.

Liam sah mal wieder ziemlich fertig aus, er hat wieder etwas geträumt. Anscheinend hat er von seinem Gott Ba’al in einem Traum oder einer Vision ein Buch bekommen. Er fragt Snarwar, wie er zu seinem Buch gekommen sei, und legte das Buch auf den Tisch. Snarwar versuchte, das Buch zu lesen, aber Liam schlug ihm den Einband vor der Nase zu. Elarien meinte, Liam sollte das Buch lesen, es könnte uns doch nur helfen.

Tharok hatte fast unerträglich gute Laune und holte sich erst einmal was zum Frühstücken. Wie kann er an so einem Tag etwas essen? Unfassbar!

Uns war klar, dass wir uns bis zum Abend beschäftigen mussten, also einigten wir uns auf eine Art Trainingssession. Tharok ging zur Theke und bekam einen Platz genannt, der wohl geeignet war. Wie sich herausstellte, war dieser Platz bei den heißen Quellen. Also machten wir uns auf den Weg.

Während wir die Serpentinen hochstiegen, hörte ich Tharok summen. Irgendwie kam mir das Lied bekannt vor, bis ich merkte: Er summte das Rocky-Theme. Das fucking Rocky-Theme! War ihm nicht klar, dass wir heute Abend in Lebensgefahr schweben würden? Unfassbar, dieser Kerl!

Wir fanden einen abgeschiedenen Bereich, weit genug von den Bädern entfernt, dass wir nicht gestört werden würden. Unsicher, was wir jetzt tun sollten, standen wir ein bisschen verloren herum. Schließlich nahm ich meinen Degen und stupste Tharok damit an, als ob ich ihn zum Duell fordern wollte. Wir versuchten also zu sparren, aber irgendwie schien Tharok sich unsicher, was er machen sollte, und haute sich erst mal selbst ins Gesicht! Zum Glück nur mit der bloßen Faust. (Ich fand es ehrlich gesagt ziemlich witzig.)

Ich zeigte Tharok, was dieser Körper so draufhat, und bewegte mich, wie damals mit Lin, wahnsinnig schnell hin und her.

Schließlich einigten wir uns darauf, erst einmal für uns zu üben.

Ich nahm also meinen Degen und ließ den Körper von Berdur einige Bewegungen vollführen. Ich konzentrierte mich darauf, den Körper einfach machen zu lassen und mich nicht zu wehren. Ich hatte das Gefühl, dass es abends wichtig sein würde. Oh, wie recht ich hatte! Meine Hand zittert immer noch vor Adrenalin!

Aber ich greife zu weit voraus! Nachdem wir genug trainiert hatten (hier bitte eine klassische Jackie-Chan-Trainingsmontage einfügen), diskutierten wir weiter unseren Plan. Snarwar hatte eine Idee, eine Art Geisterschwert von Elarien zu kopieren – was auch immer das hieß. So ging es eine Weile hin und her, aber so langsam wurde es Zeit, zurückzugehen. Wir liefen also wieder in die Stadt und zur Taverne. Dort angekommen zeigte ich der Wirtin meine Münze, und wir gingen in den Untergrund. Elarien und ich gingen vor und suchten uns einen relativ prominenten Platz. Schließlich musste Berdur sich sehen lassen und als Chef Präsenz zeigen. (Oder so.)

Gideon ließ nicht lange auf sich warten und holte uns ab. Er flüsterte mir zu, ich solle den Körper nicht beschädigen. Was nahm der Typ sich raus? Ich hatte auch keine Lust, verletzt oder gar getötet zu werden!

Auf dem Weg zur Lagerhalle beschrieb Gideon uns, wie das Gebäude aufgebaut ist:

- große Regale

- ein Kran auf einer großen Bühne

- mehrere Ein- und Ausgänge

Plötzlich zeigte uns Gideon einen Hund, der im Müll wühlte – warum auch immer er das machte.

Wir bewegten uns immer weiter in einen Stadtteil, der fast noch heruntergekommener aussah als der, durch den wir die Stadt betreten hatten. Gideon sammelte auf dem Weg dann noch drei Ratten ein. Was hatte Gideon nur vor?

Wir kamen schließlich an der Lagerhalle an. Tharok ging gleich um die Halle herum und inspizierte die Ein- und Ausgänge. Wir wollten einen Hinterhalt legen und bauten die Kisten zu Barrieren und Gängen um, damit wir möglichst geschützt waren, während wir eine Art “Todeszone” schufen. Elarien und ich streuten noch unsere Kugellagerkugeln und Krähenfüße vor der Tür aus. Nachdem wir den Hinterhalt gebaut hatten, kam Gideon zu mir und gab mir noch zwei Dolche und zwei Heiltränke. Es wurde immer unwirklicher. Ich wollte niemanden mehr töten, ich wollte einfach gehen und verschwinden. Ich fühlte aber eine Art Verantwortung meinen Freunden und sogar Gideon gegenüber. Also blieb ich.

Wir warteten mehrere Stunden, in denen ich immer nervöser wurde. Ich fragte Tharok, wie er so als Soldat mit der Anspannung klarkäme. Die Antwort war ein unbefriedigendes “Gar nicht”. Na toll!

Plötzlich ging ohne Vorwarnung die große Tür auf und herein kam … ein Bär? Ein Bär mit einer Maus auf dem Kopf? Buck! Ich habe gar nicht gemerkt, dass Buck weg war. Jetzt kam er mit Verstärkung, wie er uns mitteilte. Der Bär war ein Druide namens Jasper und offensichtlich ein alter Bekannter von Berdur. Wieso sollte Berdur mit einem Bären bekannt sein? Egal, der Bär wollte uns helfen. Leider sah Gideon das nicht so einfach und war extremst misstrauisch. So misstrauisch, dass ich die „Berdur-ist-hier-der-Chef-Karte“ spielen musste, um ihn zu beruhigen.

Die Tür öffnete sich erneut, und drei Menschen betraten den Raum. Sie schlichen vor … und rutschten auf den Kugellagerkugeln und Krähenfüßen aus. Sie lagen am Boden und wanden sich vor Schmerz, weil sie auf die Krähenfüße gefallen waren. Der Dritte war leider so klug und trat die Kugeln und Krähenfüße weg.

Elarien zauberte irgendwas, und ich fühlte mich ein bisschen selbstbewusster. Die Banditen am Boden rappelten sich auf, und sobald ich das bemerkte, warf ich einen Dolch. Der Dolch zischte durch die Luft und traf einen der Banditen. Gleich darauf hieb der Bär nach einem der Banditen, warf ihn zu Boden UND BISS IHM DEN KOPF AB! Als ich das sah, wurde ich ganz ruhig. So sollte das also enden? Im Hintergrund hörte ich Liam etwas rufen, und einer der Banditen fasste sich an den Kopf.

Bevor ich mich sammeln konnte, zauberte Elarien ein Schwert aus Licht, das in der Luft schwebte. Das Schwert bewegte sich zu einem der Banditen – ich glaube, der sah das Schwert gar nicht kommen. Ein Schwung aus Licht, und ihm platzte buchstäblich der Kopf. Gleich darauf ertönte von fern eine Glocke, und ein grüner Strahl kam aus Elariens Finger und brachte den Kopf des letzten Banditen ebenfalls zum Platzen!

Ich versuchte, nicht zu kotzen, aber bevor es so weit kam, drängten sich 14 weitere Banditen in den Raum und verteilten sich sofort.

Ich hörte von Liam einige Worte, und plötzlich schien der Raum in der Nähe des Eingangs zu explodieren. Überall lagen nun Banditen auf dem Boden. Einer, der noch stand, griff den Bären an. Mitten im Angriff verwandelte sich der Bär zurück in einen Menschen.

Plötzlich ging alles ganz schnell: Tharok wurde von zwei Pfeilen getroffen, ich überließ mich komplett Berdurs Körper und sprintete zu einem der noch stehenden Banditen hin, durchbohrte ihn mit meinem Rapier. Er sank tot zu Boden.

Ich sah Tharok, wie er seine Äxte schwang, allerdings traf er niemanden. Er schien noch starke Schmerzen zu haben, und dies schien ihn arg zu behindern. Elarien ließ wieder das Schwert fliegen und tötete einen weiteren Banditen. Ich sah, dass Tharok inzwischen von Banditen umringt war, doch bevor ich ihm zur Hilfe kommen konnte, sprach Liam wieder dieses Wort, und wieder explodierte der Raum. Fünf Banditen standen nicht mehr auf. Liam tanzte wie verrückt herum und lachte wie wahnsinnig.

Ich erreichte Tharok, der schwer angeschlagen war, tauchte hinter einem der Banditen auf und schnitt ihm fast den Kopf ab. Auch er sank tot zu Boden.

Elarien rief ein anderes Wort, und eine Aura umfasste Tharok. Seine Wunden schlossen sich zum Teil, und er sah wieder ein bisschen besser aus. Snarwar schaltete sich in den Kampf ein und schickte eine Kopie von Elariens Schwert auf die Reise – tötete einen weiteren der Banditen. Tharok warf sich auf den letzten seiner direkten Gegner und tötete diesen mit zwei brutalen Axthieben.

Auch Gideon erledigte mit Pfeil und Bogen einen der Gegner. Liam rief eine schwere Beleidigung, und einer der letzten Banditen verdrehte die Augen und sank tot zu Boden. Hat Liam den Banditen zu Tode beleidigt? Was hier in dieser Welt alles möglich ist ...

Ich ließ Berdurs Körper über das – man kann es nicht anders nennen – Schlachtfeld tanzen, wich dabei geschickt den herumliegenden Leichen aus und schaffte es, den letzten Gegner zu fällen.

Plötzlich lief alles wieder in Normalgeschwindigkeit. Wir atmeten alle schwer, überall war Blut, Leichen lagen verdreht auf dem Boden, die Luft roch nach Eisen und noch etwas viel Schlimmerem. Ich holte tief Luft und versuchte, meinen Magen zu kontrollieren und nicht zu kotzen. Ich sah, dass Tharok, ganz der Soldat, anfing, die Tür mit Leichen zu verbarrikadieren. Irgendwie brachte mich seine Ruhe dazu, mein Hirn wieder einzuschalten. Ich holte meinen geworfenen Dolch zurück und verteilte die beiden Heiltränke, die ich von Gideon bekommen hatte, an Tharok und Elarien. Tharok nahm ihn dankbar an und trank ihn sofort. Elarien hatte auch etwas abbekommen, aber steckte seinen Heiltrank in die Tasche. Ich wurde zum Glück nicht verletzt und war (noch) bester Gesundheit.

Plötzlich öffnete sich die Tür, schloss sich aber direkt wieder. Draußen warteten noch mehr Banditen, und wir hörten Stimmen, die diskutierten. Ich machte meinen Dolch bereit. Sobald sich die Tür öffnete und einer der hereinkommenden Banditen in den Raum sprintete, warf ich meinen Dolch und traf auch diesen Banditen. Liam und Elarien müssen die Banditen auch bemerkt haben, denn auch sie feuerten ihre Zaubersprüche ab. Die verpufften allerdings wirkungslos. In der Zwischenzeit waren die restlichen Banditen in den Raum gekommen. Auch der gegnerische Anführer war dabei. Er betrat den Raum, als ob ihm hier alles gehörte, und rief: „Das alles wird bald mir gehören!“, während er auf mich zukam. Er holte mit seinem Krummschwert aus und traf mich voll mit der Schneide. Die Schmerzen waren sogar schlimmer als die damals in der Höhle. Snarwar rief plötzlich „Tricky Cannon“ (was auch immer das heißt), und einer der Neuankömmlinge sank tot zu Boden. Plötzlich zischte ein Speer an mir vorbei und blieb im Boden stecken. Tharok hatte ihn geworfen, aber nicht getroffen. Gideon warf sich mit zwei Dolchen in den Händen auf den Anführer und rief etwas wie: „Wir hatten einen Deal.“ Bevor ich reagieren konnte, schlug einer der verbliebenen Banditen nach mir, und ich wurde erneut getroffen. Aber ich hatte keine Zeit für Schmerzen. Ich sah aus den Augenwinkeln, wie Tharok und Liam erneut ihre Waffen warfen, aber nicht trafen.

Gideon wurde nun hart bedrängt, und ich tauchte wieder hinter einem der Banditen auf. Berdurs Körper fand wie von selbst das Herz mit dem Degen. Tot ließ ich den Körper von der Klinge gleiten.

Tief in mir drinnen – ich glaube kaum, dass ich das schreibe – empfand ich so etwas wie Freude. Eine Fast-Freude am Töten! Was war nur los mit mir?

Bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, rannte Tharok an mir vorbei und schwang seine Äxte, wurde aber direkt von den Banditen bedrängt.

Ich sah, wie Liam seinen Bumerang warf und den gegnerischen Anführer voll traf. Ein Donnerschlag hallte durchs Lagerhaus. Berdurs Körper (oder doch ich? Ich erinnere mich, wie ich grinste!) nutzte die Gelegenheit und stürmte in Richtung des Anführers. Ich (oder Berdur) stach zu, fand eine Lücke, und meine Klinge drang tief in den Oberkörper des Anführers ein. Ich sah, wie er auf mich herabblickte und das Leben aus seinen Augen verschwand. Ich empfand eine wilde Freude und rief ihm im Moment seines Todes zu: „Wem gehört das hier? Nicht dir!“ Was war nur los mit mir? Warum empfand ich diese Freude daran, den Menschen zu töten?

Wie im Rausch wirbelte ich herum und stach nach dem letzten verbliebenen Gegner. Auch dieser fiel Berdurs Klinge (oder doch mir?) zum Opfer. Ich schrie meinen Triumph heraus.

Der Kampf war vorbei, noch mehr Leichen lagen auf dem Boden, meine Klinge und ich waren über und über mit Blut bedeckt. Zwischen den Leichen lag Gideon. Bevor einer von uns zu Gideon hinkonnte, erschien plötzlich eine silberne Eule über Gideon und tauchte alles in silbernen Schein. Liam erreichte Gideon als Erster, und nach kurzer Zeit stand Gideon wieder.

Nur Snarwar hatte den Kampf unbeschadet überstanden. Nach kurzer Erholung begann Gideon, die Leichen zu durchsuchen. Ich zuckte innerlich mit den Achseln, immer noch in einer Art Rausch, und begann ebenfalls, die Leichen zu durchsuchen. Ich fand einen Heiltrank und eine Art Schriftrolle, auf der komische Zeichen geschrieben waren.

Gideon schlug vor, zu Berdurs Haus zu gehen. Berdurs Haus? Berdur hat ein Haus? Warum sagte er das erst jetzt? Gideon hat uns in der Taverne für Zimmer zahlen lassen? Oh Mann ...

Jedenfalls schleppten wir uns durch die dunklen Gassen und standen nach einer Weile vor einem netten kleinen Stadthaus. Wir betraten das Haus und fanden ein voll ausgestattetes Heim mit zwei Zimmern und einer Küche. Rustikale, einfache Möbel, die aber gut in Schuss waren. Überall war eine Staubschicht, Berdur war wohl länger nicht zu Hause gewesen.

Tharok wollte sich gerne waschen, fand aber nichts. Ich ging in die Küche und suchte etwas Hochprozentiges. Ich fand einen klaren Schnaps und Gläser für alle und stellte sie auf den großen Tisch. Ich schenkte ein und verteilte die Gläser. Elarien zauberte wieder „Waschmaschine“, und wir fühlten uns alle wieder einigermaßen sauber. Wir stießen auf unser Überleben an. Der Schnaps brannte, tat aber gut, um die Nerven zu beruhigen.

Die Gruppe beschloss, den Tisch zur Seite zu schieben und im Wohnraum zu übernachten. Ich wollte nicht in Berdurs Bett schlafen, aber ich glaube, ich wollte eigentlich nicht alleine in einem fremden Bett liegen.

Ich sitze jetzt also am Tisch und schreibe mit zittriger Hand diese Zeilen und versuche zu verarbeiten, was heute geschehen ist. Was war da los mit mir?

Ich rufe mir immer wieder ins Gedächtnis, dass ich heute fünf Menschen getötet habe, und versuche, etwas anderes zu empfinden als diese unsägliche Freude ...

Ein Tagebucheintrag von Berdur Donnerherz, der eigentlich nur nach Hause möchte