Wow, die letzten Paar Tage waren intensiv. Es ist so viel passiert, dass ich kaum weiß, wie ich anfangen soll. Siegmund würde meinen, am besten von vorne. Siegmund… Ich muss unbedingt Weihrauch finden!
Aber von Anfang an: Wir waren in Berdurs Haus und haben dort übernachtet, ich hatte dabei einen komischen Traum. Ich sah wieder den Kampf vom vorherigen Tag, ich fühlte wieder diese Fast-Freude beim Töten, Liam, der beinahe wahnsinnig wirkte. Gleichzeitig verspürte ich eine Art Sorge oder Angst. Angst, mich selbst zu verlieren. Da ist wieder das Messer, ich bin wieder an dem Ort, wo ES passierte. Damals! Heute! Alles vermischte sich zu einem blutigen Alptraum. Und dann, plötzlich, ist alles ruhig. Ich fühlte mich ruhig, da ist kein Blut, da ist keine Angst. Da war nur ein Tier mit Flügeln. Ich wusste, dass ich das Tier kenne. Und es kannte mich. Von früher. Damals im Wald… Ich sah ein Bild in meinem Kopf, ein Gewitter, Blitz und Donner! Unter einem Überhang im Wald saß ich, ein kleiner Junge damals, und das Tier lag in meinem Schoß und leistete mir Gesellschaft gegen meine Angst. Das Tier, ein Wiesel, tippte mit der Schnauze gegen meine Stirn. Plötzlich durchfuhr mich eine Erkenntnis: ICH BIN NOCH DA!
Ich dachte als Kind, das Tier wäre nur ein Traum gewesen. Bevor ich meinen Gedanken in Worte fassen konnte, antwortete das Wiesel: „Damals – vielleicht. Heute bin ich eher dein Unterbewusstsein. Nicht so ganz real, nicht so wirklich Einbildung… aber erstaunlich zuverlässig, dich einzufangen, wenn du mal wieder Gefahr läufst, dich zu verlieren. Du kannst mich Siegmund nennen, weil Unterbewusstsein und so…”
Als ich aufwachte, war Siegmund einfach da, eng an mich gedrückt. Ich weiß nicht genau, was er ist, aber er ist ein Freund und er hilft mir mit den Alpträumen. Jedenfalls wachte ich auf, die anderen waren entweder schon wach oder waren gerade dabei, aufzuwachen. Siegmund sorgte für einige Verwirrung und Verwunderung, während ich den Fehler machte und versuchte, diesen Kaffee-Ersatz zu kochen. Das Gebräu hatte die komplett gegenteilige Wirkung. Plötzlich waren alle so hektisch! Was ich mitbekommen habe, während mein Hirn durch einen langsam aufgehenden Hefeteig ersetzt war, ist, dass Tharok Liam fragte, was das gestern gewesen war, das verrückte Lachen und Tanzen. Liam konnte sich an nichts erinnern, außer dass er Gideon aufhalf und eine silberne Eule gesehen hatte. Komisch, hatte das Liams Mördergott die Hände im Spiel?
Als die Wirkung des Gebräus nachließ, begannen wir, unsere Beute von letzter Nacht zu durchsuchen. Ich hatte zwei dieser Heiltränke und eine Schriftrolle mit Zeichen darauf, die ich aber nicht lesen konnte. Ich reichte die Rolle an Elarien weiter, der damit aber auch nicht wirklich etwas anfangen konnte. Tharok hatte dasselbe Problem mit seiner Schriftrolle und fragte bei Snarwar um Hilfe.
Snarwar und ich machten uns danach daran, das Haus ein wenig zu durchsuchen. Siegmund war dabei die ganze Zeit bei mir und gab hin und wieder ein paar Kommentare ab, die ich allerdings ignorierte. Snarwar fand einen Durchgang hinter einem alten Regal, der zu einer Treppe in eine Art Keller führte. Dort sahen wir eine Nische, in der ein Bild eines Zwerges stand, der verdächtige Ähnlichkeit mit Berdur hatte, wahrscheinlich sein Vater. Das war aber alles vergessen, als wir den großen Raum am Ende der Treppe betraten, nachdem ich das Schloss mit Dietrichen geknackt hatte. (Ich wusste gar nicht, dass ich das kann!) Drinnen waren, neben Ketten an der Wand und ein paar Eimern und Unrat, ein großer Holztisch mit ziemlich unangenehm aussehenden Werkzeugen darauf. Berdurs Folterkeller! Wir hatten seinen Folterkeller gefunden. Ich ging sofort wieder raus. Tharok fragte mich, ob er sich umschauen könnte und etwas mitnehmen. Ich gab ihm die Erlaubnis. Warum auch nicht? Schließlich gehört der Kram ja nicht mir. (Siegmund schickte mir ein zustimmendes Gefühl.) Wir gingen die Treppe wieder hoch und ich wanderte in Berdurs Schlafzimmer zu der Truhe vor seinem Bett. Wieder ließ mich Berdurs Talent mit Dietrichen nicht im Stich und die Truhe öffnete sich. In der Truhe finde ich neben einem Stapel mit Papieren mit kritzeliger Handschrift, einem Kästchen, das ein Medaillon und ein Bild von Berdurs Vater enthält, auch zwei Beutel, in denen es verdächtig klimperte, und einen abgegriffenen, oft gelesenen Brief von Rurik Donnerherz, Berdurs Vater. Der Brief enthält einige Worte, die wohl motivierend sein sollten, mich ließen sie aber ein wenig traurig zurück. Berdurs Leben muss von Anfang an ziemlich beschissen gewesen sein.
Ich schaute mich weiter im Schlafzimmer um und fand ein paar Steine, die farblich nicht so ganz zu den anderen passten, und drückte drauf. Ich hatte echt nicht erwartet, dass sich eine Geheimtür öffnen würde, aber genau das passierte. Also schauten wir uns natürlich auch dort um. Wir fanden einige Karten, die laut Snarwar Markierungen für Schmugglerpfade, feindliche Territorien und so weiter zeigten. Wir fanden auch Listen mit „beschützten” Leuten und Läden, wer welches Bestechungsgeld bekommen hatte und so weiter. (Mann, bin ich froh, nicht Berdur zu sein, sein ganzes Leben scheint sich ums Verbrechen zu drehen und ziemlich gefährlich zu sein. In seiner Haut möchte ich nicht stecken… und die Ironie ist mir bewusst.) Wir fanden noch ein paar verschlüsselte Briefe, die wir mitnahmen.
Wieder im Wohnzimmer machten wir uns alle daran, die Briefe zu entschlüsseln. Es hat eine Weile gedauert, aber wir konnten die Briefe entschlüsseln! Diese Briefe waren Korrespondenz zwischen Elarien und mir. Naja, eigentlich zwischen dem alten Berdur… und natürlich dem alten Elarien. Darin steht mehr oder weniger, wie Berdur auf Anweisung von Elarien die Kontrolle über den Schwarzmarkt in einem Ort namens Falkenruh übernimmt und daraufhin eine Audienz bei einem König gewährt zu bekommen. Das ist interessant, aber auch ein wenig beängstigend. War… IST Berdur wirklich nur ein Dieb und Chef der Diebesgilde, oder war er auch ein Agent? Oh Mann, Berdur wird mir immer unheimlicher!
Nachdem wir über die Briefe und Elariens und Berdurs Rolle darin gesprochen hatten, kam unser Gespräch auf unsere nächsten Schritte. Elarien benötigt auf jeden Fall Ausrüstung und wir müssen Geld verdienen, um uns zumindest etwas zu essen kaufen zu können. Ich erinnerte mich an die beiden Beutel, schaute hinein und fand 66 Goldmünzen darin – quasi ein Vermögen. Just in diesem Moment klopfte es an der Tür. Tharok ging in seiner Funktion als Bodyguard von Berdur und öffnete. Draußen stand Gideon, der ein bisschen außer Atem und ratlos wirkte. Er fragte uns, ob wir etwas in den südlichen Wäldern untersuchen könnten, etwas, was dort herumstreift und die Gestalt einer großen Ziege hätte. (Mich wundert in dieser Welt gar nichts mehr…) Ich habe es geschafft, Gideon davon zu überzeugen, dass Elarien erst eine Rüstung und weitere Ausrüstung benötigte, um mit uns auf Abenteuer zu gehen. Zähneknirschen rückte Gideon mit einer Lederrüstung und ein wenig Ausrüstung raus. Wir machten uns also auf den Weg, auch um den Anschein von Normalität bei Berdur und Elarien zu wahren. Im Wald angekommen – wir waren noch nicht lange unterwegs – traten wir auf eine Lichtung und fanden ein Lager. Wir fanden auch besagtes Etwas, was herumstreifte. Nur war das keine große Ziege. Dieses Etwas war ein Wesen, halb Mensch, halb Ziege: ein menschlicher Oberkörper, der Unterkörper einer Ziege. Oh und natürlich Hörner auf dem Kopf – was auch sonst…
Dieses Wesen starrte uns an, wir starrten zurück, und plötzlich wirkte dieses Wesen gar nicht mehr gefährlich. Elarien fragte ihn, wo er denn herkäme, und das Wesen sagte: Deutschland. Wir waren wie von Donner gerührt. Noch jemand, den es hierher verschlagen hatte? Theo, so sein Name in unserer Welt, ging im Wald campen, schlief ein und ist hier wieder aufgewacht. Das hörte sich verdächtig wie unsere Geschichte an! Snarwar klärte uns auf, dass es sich bei Theo um einen Satyr handeln würde. Ein Satyr? Sind wir jetzt im alten Griechenland? Nachdem Theo sich ein wenig gefangen hatte (ich habe ihn freundlich angeknatufft, damit er nicht in Panik gerät), durchsuchte Theo seinen Rucksack. Er fand neben Ausrüstung und Krams dann auch auf einem Namensschild den Namen „Charisma”.
Wir entschieden uns mit Theo – oder Charisma – in die Stadt zurückzugehen. Vorher erklärten wir ihm, wie die Welt hier funktioniert, soweit wir das verstünden. Wieder in der Nähe der Stadt schauten uns die Bewohner komisch an. Seltsam, bis wir darauf kamen, dass Charisma der Grund war. Nun, dieses Problem war schnell gelöst. Snarwar hatte noch eine „magische Gesichtsfarbe” (was es nicht alles gibt), die Charisma quasi in einen Menschen verwandelte. So kamen wir wieder ungefährdet zu Berdurs Haus zurück. Ich schickte umgehend Siegmund los (Weihrauch!) um Gideon zu holen. Als er ankam, war er erst einmal schockiert, Theo, nein Charisma, zu sehen. Liam erklärte ihm die Situation, dass Charisma wie wir nicht aus dieser Welt wäre. Gideon erklärte uns, dass Satyrn sehr selten wären und quasi eine Art Fabelwesen sind. Wow, aufschlussreich… Nicht!
Nachdem Gideon, bevor er ging, noch einen Schild für Elarien herausgerückt hatte, verbrachten wir anderen einen mehr oder weniger gemütlichen Abend und brachten Charisma up to speed, was die Welt hier anging. Wir legten uns zum Schlafen hin. Die Nacht war ruhig. Am nächsten Morgen wollten wir uns auf den Weg in den Untergrund machen, um den Druiden und Buck zu suchen. Vorher brauchte Charisma noch eine Verkleidung. Er fand einen Hut, der seine Hörner gut versteckte, und ein paar Hosen, um seine Ziegenbeine zu verbergen. Dann machten wir uns auf den Weg. Wir stiegen, wie letztes Mal, in den Aufzug. Plötzlich, aus einem mir nicht bekannten Grund, beginnt Snarwar PLÖTZLICH FUCKING DUDELSACK ZU SPIELEN! UND WIRD DABEI AUCH NOCH UNSICHTBAR!! Wer überlegt sich sowas? Ein Dudelsack, der unsichtbar macht? Warum? Was ist der Nutzen? Unten angekommen – Snarwar war wieder sichtbar – winkten mich zwei Zwerge an ihren Tisch. Sie luden uns zu einem Würfelspiel ein, versuchten währenddessen aber, uns auszufragen. Berdur – also ich als er – schaffte es, beide irgendwie zu beeinflussen und ihnen klarzumachen, dass sie sich um ihre Angelegenheiten kümmern sollten. Die beiden meinten noch, dass Jasper, der Druide, nirgends gesehen wurde. Dann verließen wir wieder den Untergrund. Ich hasse es, Berdur zu spielen!
Elarien war in der Zwischenzeit im Kloster und hat versucht, etwas über die Legende herauszufinden. Leider war das nicht so erfolgreich. Wir trafen uns wieder bei Berdur und verbrachten ein wenig Zeit im Haus, als Gideon wieder eintraf. Wir fragten ihn nach Jasper. Gideon meinte, er sei meist abends im Untergrund anzutreffen. Also machten wir uns abends wieder auf den Weg dorthin. Vorher machte ich noch den Vorschlag, Berdurs Gold gerecht aufzuteilen, der einstimmig angenommen wurde. Wieder im Untergrund angekommen, trafen wir auch auf Jasper. Buck war bei ihm, hat sich aber bald nach dem Kampf in eine Stadt namens Rutenheim oder Marktfeld abgesetzt, um dort Probleme zu lösen? Ich dachte, er wohnt nur in meinem Bart und möchte in Ruhe gelassen werden. Ich werde nicht schlau aus dieser Maus!
Ich fragte ihn noch, was er über Satyrn wissen würde. Leider auch nicht viel, wie sich herausstellte. Laut Jasper sind Satyrn irgendwie mit den Elfen verwandt. Wenn wir mehr wissen wollen, müssten wir uns in der geheimen Bibliothek von Varndor oder bei den Elfen von Eldrath erkundigen. Na, da war ja nicht sehr ergiebig.
Als wir wieder oben sind, bittet Charisma um eine Art Trainingssession, die wir gerne mit ihm machen. Wir gingen wieder in die Nähe der heißen Quellen und fingen dort an zu trainieren. Zusammen mit Siegmund habe ich wohl auch noch ein bisschen Magie gelernt und kann wie Snarwar Abbilder von Dingen oder Personen erschaffen und ein paar kleinere Dinge mit einer unsichtbaren Hand bewegen… Snarwar war wohl ein bisschen beleidigt deswegen und musste direkt einen Seiltrick vorführen, um die Scharte auszuwetzen. Nach dem kleinen Training gingen wir zum letzten Mal zu Berdurs Haus und schliefen dort ein.
Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg, um Buck zu finden. Bevor wir gingen, schickte ich noch Siegmund mit Anweisungen für Gideon los: Brief und Siegel dafür, dass Berdur ihm die Amtsgeschäfte überlässt. Hoffentlich höre ich nie wieder etwas von Gideon! Der Weg war ganz angenehm. Wälder und Felder wechselten sich neben der gut ausgebauten Straße ab. Das Wetter war gut und wir machten gute Strecke. Fast fühlte ich mich an zu Hause erinnert – einfach nur Wandern, ohne Ziel, nur mit mir selbst. Einzig die Musik hat gefehlt. Aber man kann ja nicht alles haben.
Wir waren einige Tage unterwegs, als Elarien plötzlich etwas bemerkte: Wir wurden verfolgt! Laut Elarien folgte uns ein Busch. Ein Busch? Elarien weiß auf einen Busch ungefähr 100 m hinter uns. Ich nutzte Berdurs Fähigkeiten und schlich mich an den Busch an. Was ich sehen konnte, waren zwei orange Augen, die jeder Bewegung der anderen folgten. Ich schlich zurück, unentdeckt, und erzählte den anderen von den Augen. Elarien sah plötzlich leicht paranoid aus. Tharok ging auf den Busch zu und versuchte so friedlich auszusehen, wie es ihm möglich war. Also fast gar nicht! Als Tharok in die Nähe des Busches kam, sprang plötzlich ein Goblin aus dem Busch, bewarf Tharok mit einer Goldmünze und rannte weg. Was zur Hölle? Elarien hob die Goldmünze auf, aber es war eine normale Münze, nach allem, was wir wussten. Wir gingen also noch ein paar Stunden weiter. Es begann zu regnen und wir machten uns auf die Suche nach einem Unterschlupf. Charisma fand eine Höhle – ein sauberer und trockener Unterschlupf. Wir teilten die Wache auf und verbrachten eine sehr ruhige Nacht. Um ehrlich zu sein: Die Nacht war ein bisschen zu ruhig! Ich schickte Siegmund herum, aber er fand auch nichts Außergewöhnliches. Es fing an zu dämmern und als alle wach waren, gefrühstückt hatten und sich soweit fertig gemacht hatten, zogen wir weiter.
Wir sollten die Stadt schon lange erreicht haben zu diesem Zeitpunkt. Ich schicke Siegmund nach oben. Er sieht aber auch nichts als Wald und Felder um uns herum. Nach einer Weile weiteren Gehens fanden wir einen halb überwucherten Pfad. Ich schickte wiederum Siegmund (Ich vermisse ihn!) vor, um den Pfad zu erkunden, und sah durch seine Augen eine Lichtung und darauf ein halb verfallenes Gebäude. Wir entschlossen uns, dem Pfad zum Gebäude zu folgen. Vielleicht ließ sich etwas Nützliches finden. Wir konnten nicht falscher liegen! Wir standen vor dem Gebäude und wir ALLE hatten das Gefühl, beobachtet zu werden! Elarien fand heraus, dass es sich bei diesem Gebäude um einen Schrein handelte, konnte uns aber nicht sagen, wer hier angebetet wurde. Wir betraten also diesen Schrein. Innen: zerstörte Bänke, vertrocknete Blumen und ein kaputter Altar. Überall Pflanzen, die langsam das Gebäude zurückerobern. Es wirkte alles sehr verlassen – merkwürdig an einer großen Handelsstraße. Elarien zauberte etwas und der Altar wurde repariert. Die Präsenz, die uns seit wir die Lichtung betreten hatten beobachtete, schien fast erfreut. Wir waren alle sehr ergriffen und jemand – ich glaube, es war Charisma – fragte, ob es Sinn mache, hier zu beten. Tharok schlug Elarien als Gebetsleiter vor. Elarien suchte einen Gebetstext heraus, entzündete eine Kerze und opferte seine Marmelade – die aus Eichenhain von der alten Frau. Der Blick der Präsenz wurde wohlwollender und so opferten auch wir anderen etwas. Ich legte meine Flöte, die ich vor der Goblinhöhle geschnitzt hatte, auf den Altar. Charisma einen seiner Pfeile und Tharok die Münze, die der Goblin geworfen hatte. Snarwar opferte diesen komischen Dudelsack und Liam einen Cupcake vom Jahrmarkt.
Anscheinend beruhigte diese Opfergabe die Präsenz, denn wir konnten den Schrein wieder unbehelligt verlassen. Elarien bat mich noch, die Position des Schreins auf der Karte zu markieren, was ich gerne tat. Wir waren inzwischen den sechsten Tag unterwegs. Wieder auf der Straße kamen wir gut voran. Liam schnitzte inzwischen einen Gehstock, den Tharok auf seine Bitte hin aus einem Strauch geschnitten hatte. So wanderten wir dahin, bis Elarien etwas am Himmel bemerkte: Erst waren wir uns nicht sicher, aber es war uns allen nach kurzer Zeit klar: Es ist ein Drache! Ein großer Drache! Ein großer roter Drache! Ein großer roter alter Drache! ES GIBT DRACHEN HIER! Der Drache flog quer zu uns und so zauberte Snarwar eine Art Loch, in das wir uns alle verkrochen, um uns vor dem Drachen zu verstecken. Wir kauerten einige Minuten in diesem Loch, sodass wir sicher sein konnten, dass der Drache uns nicht gesehen hatte. Nach und nach kamen wir wieder hinaus und machten uns wieder auf den Weg. Nach etwa einer Stunde fing es wieder an zu regnen – diese Art von Regen, die sofort unter die Klamotten fährt und alles anfeuchtet. Widerlich, so etwas! Zum Glück fand Tharok einen Unterschlupf, der uns Schutz vor dem Regen bot.
Nachdem der Regen nachgelassen hatte, zogen wir weiter. Noch immer keine Spur von einer Stadt, einem Dorf oder zumindest einem Haus! Irgendetwas stimmt da nicht. Wir betraten einen Hain. Die Straße schlängelte sich hindurch, als wir alle plötzlich das Gefühl hatten, dass etwa auf uns herabfällt. Oh Gott! Wenn ich nur daran denke, wird mir schlecht! Was auf uns herabfiel, war ein Zwerg – genauer: die obere Hälfte eines Zwerges. Die untere Hälfte fehlte und ich könnte schwören, ich sah Spuren von großen Zähnen, bevor ich mich zum Kotzen in einen Busch beugte. Elarien rannte zu dem armen Kerl hin – ganz der Arzt, der er bei uns gewesen ist – aber was hätte er schon tun sollen? Liam drängte sich vor und zauberte irgendetwas, was dazu führte, dass der linke Arm des Zwerges anfing zu verfaulen. WIDERLICH! Wir beschlossen, ein Grab auszuheben und die arme Sau zu begraben. Zum Glück kann Liam auch was Nützliches zaubern und er bewegt Erde um ein Grab zu erschaffen. In das wir den halben Zwerg hineinlegten. Ich suchte noch nach einem großen Stein und legte den auf das Grab – sozusagen als Grabstein.
Nach diesem Schock war niemandem nach Weitergehen und wir entschieden uns, hier zu bleiben. Ich fand einen Zugang zu einer Höhle und schickte wieder einmal Siegmund vor, um auszukundschaften. Hätte ich das mal nicht gemacht! Das Letzte, was ich durch seine Augen sah, war eine riesige Pranke eines Bären. Der natürlich auch sofort angriff! Ich war noch geschockt vom Verlust von Siegmund, sodass mich die Tatze des Bären schwer erwischte. Vor Schmerz fast blind, taumelte ich gegen die Höhlenwand neben dem Eingang und schaffte es noch, meinen Rapier zu ziehen, um mich zur Wehr zu setzen. Die anderen aber machten kurzen Prozess mit den Bären in der Höhle. Snarwar und Liam erlegten jeweils einen. Ich weiß nicht, was mit Liam ist, aber irgendwie sind seine Zauber besonders widerlich. Sein Bär starb an einem Strahl, der seinen Kopf verfaulen ließ… Bäh.
Beide Bären waren tot und wir konnten unsere Vorräte mit Bärensteak auffüllen. Liam versuchte, „seinen” Bären zu retten, indem er ihm den fauligen Kopf abschnitt, aber irgendwie war uns das Fleisch nicht geheuer. Nach dem Essen teilten wir die Nachtwachen ein. Ich durfte die letzte Wache übernehmen, da ich als Einziger während des Kampfes verletzt wurde. Jetzt sitze ich am Feuer, in meinem Rücken die Höhlenwand, vor mir ein Wall, den wir aufgeschüttet haben (Liam wieder mit seinem Erdbewegungszauber), und vermisse Siegmund. Irgendwie weiß ich, was ich tun muss, um ihn wieder zu mir zu holen, aber das schlechte Gewissen nagt trotzdem an mir. Aber all das wird überlagert von dem Gefühl, dass hier etwas gehörig schief läuft gerade, und der Angst, was morgen auf uns zu kommt. Das wird nichts Gutes sein…
Ein Tagebucheintrag von Berdur Donnerherz, der eigentlich nur nach Hause möchte