Die Taverne ist noch ein wenig erhellt, Siegmund schmiegt sich an meine Schulter und ich habe hier ein Bier stehen, das gar nicht mal so schlecht schmeckt. Das war mal ein Tag!
Begonnen hat er ganz harmlos. Nachdem wir Darius ins Kloster gebracht hatten, übernachteten wir auch dort. Naja, alle außer Liam, dem der Zutritt zum Kloster von irgendetwas (irgendwem?) verweigert wurde. Liam blieb im Stall, wurde aber von den Mönchen versorgt. Ich habe Siegmund wieder hergeholt, ich wusste irgendwie ganz instinktiv, was ich zu tun habe, damit er wieder bei mir ist.
Die Nacht im Kloster war erholsam. Das war aber auch irgendwie bitter nötig, nachdem was die letzten Wochen und Monate vorgefallen ist. Ich ging also in den Gemeinschaftsraum zum Frühstücken. Wieso gibt es hier eigentlich nie Kaffee? Die anderen trudelten so nach und nach ein und irgendwann gingen wir raus zu Liam. Snarwar fand irgendwelche Beeren, mit denen er sein Frühstück aufpeppen wollte. Er rührte sie in den Haferschleim und prompt wurde ihm schlecht. Manche lernen es nie! Nach einer Weile gingen wir Darius suchen und fanden ihn in einer kleinen Kapelle im Gebet. Offensichtlich hatten wir ihn und die anderen Mönche gestört, denn er bedeutete uns, draußen auf ihn zu warten. Er sah ziemlich ungehalten aus. Ups! Charisma und Elarien unterhielten sich darüber, wie Charisma es schaffen könnte, Magie zu wirken. Wir anderen unterhielten uns über dies und das, bis endlich Darius herauskam.
Wir regelten schnell unser Geschäft und kassierten die versprochene Belohnung. Ich sprach Darius noch auf den Tempel an, den wir auf dem Weg nach Rutenheim gefunden hatten. Er meinte, dass vielleicht in einer Stadt namens Vandralon Aufzeichnungen darüber existieren. Da wollten wir, glaube ich, sowieso einmal hin.
Nachdem Darius Liam nochmals darauf hingewiesen hatte, sich endlich zu entscheiden, machten wir uns auf den Rückweg in die Stadt. Dort kamen wir dann auch ohne weitere Probleme an. Wir gingen direkt zur Abenteurergilde, um uns einen neuen Auftrag zu suchen (hoffentlich finden wir einen, der ebenso einfach ist). Kaum dort angekommen, wurde Snarwar direkt von Fans belagert. Was der vorherige Besitzer seines/ihres Körpers wohl gemacht hat? Jedenfalls wurde unsere Gruppe durch den Andrang auseinandergedrängt und irgendwie verteilt. Als wir es mit einiger Mühe geschafft hatten, uns wieder zu finden, fehlte jemand. THAROK WAR WEG! Einfach weg, einfach so? Wir schauten uns um, immer noch denkend, dass er sich vielleicht verlaufen hätte. Wir fanden ein Fellbüschel in derselben Farbe wie Tharoks Fell. Neben dem Büschel entdeckte ich noch Kratzspuren an einer Wand und dort, wo sie aufhörten, dann Schleifspuren auf dem Boden! Wurde Tharok entführt?
Wir folgten den Spuren, bis sie mitten in einer Gasse aufhörten. So sehr wir uns auch bemühten, wir fanden keine Hinweise darauf, wo Tharok sein könnte. Es gab keine Falltür im Boden, keinerlei magische Spur von IRGENDWAS, wir fanden einfach absolut nichts!
Wir besprachen, was wir jetzt tun könnten, und machten uns dann auf den Weg zum Hafen. Immerhin sollte Tharok die Gegend meiden, also stand die Wahrscheinlichkeit hoch, dass jemand von dort mit ihm (also dem vorherigen Besitzer des Körpers) ein Hähnchen zu rupfen hätte. Auf dem Weg zum Hafen kommt uns ein alter Mann mit einem Tattoo entgegen, der aber von nichts weiß; auch in der Abenteurergilde konnte man uns nicht weiterhelfen. Also beschlossen wir, im Wirtshaus, wo wir übernachtet hatten, nach Hinweisen zu suchen. Auf dem Weg dorthin fiel uns ein Wagen auf, auf dem etwas Pelziges von Tharoks Größe saß. Wir folgten also dem Wagen und kamen dann an einem großen Gebäude heraus.
Es gab eine halboffene Tür, vor der ein Wagen stand. Ich schlich hin (immer wieder erstaunt, WIE leise dieser Körper sein kann) und fand ein paar Säcke, in denen man Tharok hätte verstecken können, ein paar weiße Fellbüschel und eine Axt, die Tharoks zum Verwechseln ähnlich sieht. Ich schlich zurück und erzählte den anderen, was ich gefunden hatte. Wir beschlossen, dort ins Haus zu gehen. Leider wurden wir vorher entdeckt und nur Glück und eine, wie ich denke, oscarreife Vorstellung meinerseits hat uns den Arsch gerettet. Ich stieß beim Schleichen an einen Holzstapel, der umkippt und wahnsinnig laut war. Das hat einen Wächter hervorgelockt, der uns sehr misstrauisch begutachtete. Irgendwie hatte ich die Chuzpe, den Betrunkenen zu spielen, der verlassen wurde. Snarwar stieg darauf ein und gemeinsam gelang es uns, den Wächter davon zu überzeugen, dass wir nur einsame Loser waren. Wir hatten einfach unfassbaren Dusel!
Wir machten uns nach dem Zwischenspiel auf den Weg zur Taverne. Dort erfuhren wir schließlich, wo der Hafen zu finden war und bei wem wir eigentlich einbrechen wollten. Das große Haus gehört den „Illusionisten”, einer Schaustellertruppe, die eigentlich Magier (Söldner?) sind. Wir hatten echt verdammten Dusel!
Wir bekamen auf jeden Fall eine Karte der Stadt ausgehändigt und machten uns nach kurzer Diskussion auf den Weg zum Hafen. Hier war einfach unfassbar viel los, wie sollten wir hier Tharok finden? Wir fanden eine Truppe Leonin, sprachen sie an, aber die verstanden uns nicht. Plötzlich wurden wir von 2 Leonin in die Zange genommen, meine Hand lag irgendwie automatisch auf dem Degen an meiner Seite. Elarien sprach die beiden an und einer der beiden fragte, ob Charisma vertrauenswürdig sei. Warum das denn? Wir sollten auf jeden Fall mit den beiden mitkommen, sie würden uns zu Tharok führen. Was hatten wir denn für eine Wahl! Die beiden waren unsere beste Chance, Tharok in dem Trubel zu finden. Also gingen wir mit. Sie führten uns zu einer großen Lagerhalle. Beim Betreten kamen wir an einer Art Checkpoint vorbei, an dem wir unsere Waffen abgeben mussten. Mir gelang es, einen Dolch zu behalten und reinzuschmuggeln. Ha! Innen war alles ziemlich vollgestellt, es war schummrig. Wir wurden zu einer großen, weiblichen Leonin geführt, die ein helles Fell hatte. UND NEBENAN STEHT THAROK UND REDET ÜBERS WETTER???? Himmel, wir machten uns wahnsinnige Sorgen und er redet übers Wetter, als ob nichts passiert wär?
Er sah unverletzt und aufgeräumt aus. Anscheinend ist Tharok (also der vorherige) der Grund, warum eine Rebellion zerbrochen ist, und Tharok und Liam sollten Informationen von Jasper, dem Druiden aus Silberhain, über Lieferzeiten in Erfahrung bringen und die Diebesgilde dazu bringen, ihre Lieferungen für das Königshaus von Cirindor aus Rutenheim abzuholen. Buck war wohl der Letzte, der mit Jasper gesehen wurde, also wurde vermutet, dass Buck über diese Lieferrouten Bescheid weiß.
Es gibt hier auch eine Diebesgilde? Ich fragte einen der Leonin nach Buck und der Diebesgilde, er kann uns aber auch keine definitiven Informationen zu Buck geben, beschrieb uns aber, wie wir zur Diebesgilde kommen.
Wir machten uns also auf den Weg dorthin. Vor dem Gebäude blieben wir stehen und ich hielt nach Zeichen der Diebesgilde Ausschau, fand aber nichts. Schließlich traten wir durch die offenen Türen und standen in einem zur Taverne umgebauten Tempel mit einem riesigen Gästebereich und angeschlossenem Schlafbereich.
Wir suchten uns einen Platz und ich bestellte Bier für alle, versuchte dabei irgendwie darauf hinzuweisen, dass wir die Diebesgilde suchen, scheiterte aber grandios. Zum Glück hat Elarien übernommen und einige Hinweise aus dem Wirt herausbekommen. Wir nehmen uns jeder noch ein Bett für die Nacht. Am nächsten Morgen sollen nämlich neue Infos für uns da sein. Als wir zum Tisch zurückkamen, saß Tharok brütend über seinem Bier. Er fragte sich, ob wir die Revolutionäre unterstützen sollten oder nicht. Wir sprachen darüber, kamen aber nur zu dem Schluss, dass wir niemandem vertrauen sollten und Buck finden müssen, damit wir mehr Antworten bekommen.
Ich sitze hier auf meinem gemieteten Bett, halbwegs sauber, den Bierhumpen zwischen den Füßen, und schreibe, solange noch Licht da ist. Ich hoffe nur, wir finden morgen die Antworten, die uns versprochen wurden…
Ein Tagebucheintrag von Berdur Donnerherz, der eigentlich nur nach Hause möchte