Album 23/52

Ich bin überrascht. Ich hatte mit einem schwierigen, experimentellen Album gerechnet. Stattdessen ist der Einstieg fast schon poppig. Natürlich ist die Musik nicht Mainstream: verzerrte Klangflächen, ein unterschwelliges Dröhnen, lange Stücke und diese fast mythische Wirkung der isländischen Sprache. Trotzdem bleiben die Melodien erstaunlich zugänglich. Sigur Rós können wunderschöne Melodien schreiben. Die Arrangements sind beeindruckend. Streicher und klassische Elemente treffen auf Rock, Pop und Ambient. Es entstehen tolle Klanglandschaften, die gleichzeitig modern und irgendwie zeitlos wirken. Dazu die wunderbare Stimme des Sängers, tolle Geschichten erzählt, denke ich zumindest. Ich verstehe kein Isländisch. Das Faszinierende ist, dass man diese Musik einfach auf sich wirken lassen kann. Zu keinem Zeitpunkt habe ich das Gefühl, konzentriert aufpassen zu müssen, weil ich sonst etwas verpasse. Die Wirkung entsteht komplett durch die Atmosphäre und Stimmung der Songs. Nicht durch komplizierte Strukturen. Dabei überrascht das Album immer wieder. Hjartað hamast (bamm bamm bamm) klingt für mich fast wie das Intro von GTA London. Ganz anders als die schwebenden Stücke davor. Die Musik erinnert mich an Einaudi, der auch sehr stark atmosphärisch arbeitet und mich direkt berührt. Auch bei Sigur Ros kommen Assoziationen bei mir hervor, die mich in eine besondere Stimmung versetzen. Ein wunderschönes Album, das allerdings ein bisschen unter seiner Länge leidet. 1 ¼ Stunden sind für 10 Songs sehr lang. In den einzelnen Songs ist fast immer derselbe Aufbau: große Klangflächen, langsame Steigerungen und diese schwebende Atmosphäre. Das nutzt sich über die Zeit leider ab.

Lieblingssongs – Svefn-g-englar – Starálfur – Hjartað hamast (bamm bamm bamm)

Bewertung: 7/10

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