Wer in den letzten Tagen WWE Programme geschaut hat, konnte dem kaum entkommen, dass Hulk Hogan von Netflix eine eigene Mini-Doku-Serie bekommen hat.

Netflix hatte 2024 schon die Miniserie Mr. McMahon herausgebracht, die Doku war relativ gut von Kritiken angenommen worden. Eine Serie über den vor einigen Monaten verstorbenen Hulk Hogan zu machen ist naheliegend, insbesondere, weil die Dokumentarfilmer im Frühjahr 2025 schon einige Aufnahmen mit Hogan gemacht hatten.

Hulk Hogan – politischer, als er vielleicht zugab

Der Name der Miniserie ist so unverschämt patriotisch wie passend. Angelehnt ist der Titel an den Einlaufsong von Hulk Hogan mit dem Refrain:

I am a real American Fight for the rights of every man I am a real American Fight for what's right Fight for your life

Der Wrestler behauptet in der Doku, dass er in den 1980er-Jahren nicht stark an Politik interessiert gewesen sei, aber gemerkt habe, dass “Amerika ein Comeback” gemacht habe. Dazu zeigen, die Dokumentarfilmer die Amtseinführung von Ronald Reagen und zoomen etwas zu stark auf den in den USA – meiner Meinung nach zu unrecht – ungeliebten Jimmy Carter.

Der Refrain, zusammen mit dem US-Flagge schwingenden Hogan, passt perfekt in die Zeit. Die USA macht ein “Comeback”, ist selbstbewusst, kämpft für das gute und lässt es sich dabei gut gehen.

Passend ist auch das Äusserung, dass sich Hogan selber als einer der Feiglinge bezeichnet, die 2016 Trump gewählt, aber nicht den Mut gehabt hätten, die rote Mütze anzuziehen. Nachdem er sich 2020 immer noch nicht traute, habe es ihm gereicht, als 2024 auf “seinen Helden” geschossen wurde.

In der Folge trat Hogan dann auf der Rebublican National Convention (RNC) auf, riss sich wie im Wrestlingring das T-Shirt vom Leib und protzte mit seinem Körper. Das Publikum flippte aus.

Trotzdem betonte Hogan seine angebliche Überparteilichkeit. Er wisse, dass seine “Hulkamaniacs” (seine Fans) immer sowohl Republikaner als auch Demokraten gewesen seien. Interessanterweise kommt aus den Reihen der ebenfalls interviewten WWE-Führungsriege, Paul “Triple H” Levesque und Bruce Prichard grosse Kritik daran, dass sich Hulk in der Öffentlichkeit politisch positioniert hat, verständlicherweise lehnen sie das vor allem aus Marketinggründen ab.

Zwei Dinge sind bei dieser RNC-Episode bemerkenswert. Zum einen lässt sich auch feststellen, dass die Politik und Wrestling immer mehr ähnlich werden. Es wird erwartet, dass man eine grosse Klappe hat, übertreibt und es wird zumindest geduldet, wenn man hin und wieder einfach lügt. Alles ist Show mittlerweile, die Inhalte – wenn sie überhaupt jemals wichtig waren – verlieren immer mehr an Bedeutung.

Das Gimmick leben

Zweitens sagt sie auch viel über Hogan selbst aus. Der Mann lebte sein Gimmik für über 40 Jahre, der Darsteller Terry Bollea und Hulk Hogan lassen sich gar nicht mehr klar trennen, er schaffte das offensichtlich selber nicht mehr. Kann man es ihm verübeln? Ganz ehrlich, mir würde wohl das gleiche passieren.

Filmemacher Werner Herzog ist ab und zu in der Doku zu sehen. Er spricht von Perfomanz. Alles was wir tun ist auch etwas Darstellung. Das hat mich stark an Foucault erinnert. Ich bin mit Foucault sicher an vielen Orten nicht einverstanden, aber dieser Punkt ist mir bei ihm immer geblieben.

Hogan Knows Best

Ich bin in den 1990er-Jahren geboren worden. Ich habe zwar nie Wrestling aktiv verfolgt, aber einige Stars wie der Undertaker oder CM Punk kannte ich über Freunde in der Sek selbstverständlich. Hulk kannte ich vor allem aus seiner Reality Serie Hogan Knows Best, die ich damals mit meinen Brüdern auf MTV gesehen habe.

In der Doku wird die Serie im Nachhinein als gelungener Versuch bezeichnet, Hulk nicht nur als cartoonmässigen Übermenschen darzustellen, sondern als normaler Vater. Als ich mir einige Ausschnitte Serie angeschaut habe, fiel mir vor allem auf, wie autoritär und sexistisch Hulk in der Serie rüberkommt.

Seine Tochter Brooke ist bei der Serie knapp volljährig und trotzdem wird sie von ihrem Vater ständig kontrolliert und jeder der Jungs mit dem sie Kontakt hat, wird von Hulk extrem kritisch beäugt, während sich der jüngere Sohnemann Nick wirklich daneben benimmt.

Die Serie nimmt in den letzten zwei Staffeln eine recht heftige Wendung. Linda und Hulk haben eine schwere Ehekrise, die Serie zeigt die beiden sogar bei der Paartherapie. Der eigentliche Scheidungsprozess ist in der Serie nicht mehr zu sehen, aber er war offenbar besonders hässlich, was auch die Doku herausstreicht.

Was bleibt?

Erschreckend sind – wie bei fast jeder Wrestling-Doku – die körperlichen Schäden dieser Form der Unterhaltung. Auch wenn die Kämpfe geskriptet sind, die Verletzungen sind echt.

Der Finisher von Hulk Hogan war ein “leg drop”. Im Prinzip springt man dabei hoch und lässt das Bein auf den Körper des Gegners fallen, sieht eindrucksvoll und für den Empfänger unangenehm aus, und eigentlich für den Ausführenden ungefährlich. Jedes Mal wenn Hogan diesen leg drop durchführte, gab es auf seiner Wirbelsäule eine Kompression. Das mag einmal nicht so schlimm sein, allerdings zählt beispielsweise Cagematch.net 2129 Matches.

In der Miniserie sind Bilder von Hulks Rücken zu sehen, unter anderem auch ein Röntgenbild der komplett ruinierten Wirbelsäule. Hulk berichtet davon, dass er in der Zeit bei TNA (2009-2013) mehrere Fentanyl-Patches brauchte, um überhaupt performen zu können. Ob das stimmt, oder wieder so eine typische Hogan-Halblüge ist, lässt sich nicht sagen. Aber offenbar hatte der damalige TNA-Chef Eric Bischoff heute noch schlechtes Gewissen, ihn einzusetzen, allerdings brauchte Hulk Hogan dringend Geld, wegen seiner Scheidung.

Es ist passend und gleichzeitig traurig, dass Hulk Hogan im Nachgang einer Operation starb.